Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

3D-Lasertechnik im Kunstturnen: Für mehr Fairness und Gerechtigkeit

Wie der Turn-Weltverband FIG bekanntgegeben hat, wird an den Weltmeisterschaften 2019 in Stuttgart 3D-Lasertechnik zur Bewertung von Übungen eingesetzt. Für den jungen Kampfrichter Kevin Rossi ein erwarteter Schritt.
Daniel Wyrsch
Wird in Stuttgart von der Lasertechnik unter die Lupe genommen: die St. Gallerin Giulia Steingruber. Bild: Christian Merz, Keystone (5. November 2017)

Wird in Stuttgart von der Lasertechnik unter die Lupe genommen: die St. Gallerin Giulia Steingruber. Bild: Christian Merz, Keystone (5. November 2017)

Die Weltmeisterschaften 2019 finden vom 4. bis 13. Oktober in Stuttgart statt. Es werden keine gewöhnlichen Titelkämpfe. Erstmals wird der Turn-Weltverband FIG auf die 3D-Lasertechnik zur Bewertung von Übungen setzen. Das auf Initiative von FIG-Präsident Morinari Watanabe (59) vom japanischen Fujitsu-Konzern entwickelte Verfahren zerlegt die Aufnahmen dreier Kameras in 1000 Einzelbilder, erfasst jeden Winkel sowie die minimalste Abweichung von technischen Bestlösungen.

Dank dieser plastischen dreidimensionalen Bilder soll mittels objektivierter Bewertung der Schwierigkeitsgrad (D-Note) bestimmt werden. Nach Meinung des japanischen Weltturn-Präsidenten Watanabe wird das Bewertungsverfahren für mehr Fairness und Gerechtigkeit sorgen. Die technische Hilfe soll also einen ähnlichen Effekt haben wie im Fussball der Video Assistant Referee (VAR), der an der WM 2018 in Russland insgesamt erfolgreich eingeführt worden war.

Kevin Rossi. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Kevin Rossi. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Für den ehemaligen Nationalkader-Turner Kevin Rossi (28) vom BTV Luzern ist es keine Überraschung, dass auch in seiner Sportart der technische Fortschritt in Form von 3D-Lasertechnik Einzug hält. «Die Automatisierung und Digitalisierung schreiten in vielen Bereichen voran, darum habe ich erwartet, dass sie auch im Kunstturnen eingesetzt werden», sagt Rossi.

«Das wird die Zukunft sein, selbst wenn die Technik derzeit noch in der Entwicklung ist.»

Kevin Rossi ist gespannt, wie weit die 3D-Lasertechnik schon ist. Für den Luzerner ist die Sache besonders interessant, weil er je in einem 50-Prozent-Pensum als Informatiker arbeitet und Informatik studiert. Zudem ist er dem Turnsport als Kampfrichter mit internationaler Lizenz erhalten geblieben.

Wie sehr der technische Support für mehr Fairness und Gerechtigkeit sorgt, kann Rossi nicht schlüssig beantworten. Er selbst ist bisher nur an Wettkämpfen in der Schweiz im Einsatz gestanden und darum noch nicht mit der 3D-Laser­technik in Berührung gekommen. «Entscheidend für die gerechtere Benotung ist die Genauigkeit des Systems», stellt er fest. Kevin Rossi ist überzeugt, dass sowieso auch in Zukunft «noch Kampfrichter gebraucht werden, um die Kon­trollen zu machen». Wichtig sei die ­Beantwortung der Frage: «Wie fehleranfällig ist das System?»

Damit ist er der gleichen Meinung wie der Technische Koordinator der FIG, Steve Butcher aus den USA, der klarstellt: «Es geht nicht darum, die Kampfrichter zu ersetzen. Die Technik soll ein Instrument für die Referees sein, die Übungen besser bewerten zu können.» Im ersten Schritt werde die Technologie genutzt, um besser auf Einsprüche ­reagieren zu können, führt der Ameri­kaner aus. Kevin Rossi findet, dass die 3D-Lasertechnik als Kontrollfunktion ­eingesetzt werden sollte: «Wenn ich als Kampfrichter auf das gleiche Resultat gekommen bin, dann ist es gut.»

Kritik hatte es zuletzt vor allem gegeben, weil das System sehr teuer ist und damit im Breitensport nicht finanzierbar zu sein scheint. Auch in diesem Bereich bestehen Parallelen zum Videoassistenten im Fussball. Nach Ansicht von Kevin Rossi wird es im Turnen «wahrscheinlich noch länger dauern, bis die Technik auf nationaler Ebene eingeführt wird».

Im Fussball dagegen soll es nächste ­Saison so weit sein. An internationalen Turnwettkämpfen soll die Videotechnik dazu beitragen, dass die Zuschauer in der Halle und vor den TV-Bildschirmen die Notengebung bei den einzelnen Übungen besser verstehen. Kevin Rossi findet die Vorstellung reizvoll, «wenn man live visualisieren kann, den Zuschauern zeigt, wie der Schwierigkeitsgrad mit der D-Note und die Abzüge mit der E-Note berechnet worden sind». Am Ende komme es darauf an, wie die technische Hilfe angewandt wird.

Im ambitionierten Zeitplan von FIG-Präsident Watanabe mit der Premiere an den Weltmeisterschaften in neun Monaten in Stuttgart und der anschliessenden Perfektionierung für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sieht Kevin Rossi keine Gefahr: «Die Technologie ist bereits 2017 getestet worden, ausserdem dienen die WM 2018 in Doha als Referenz, weil sie dort inoffiziell im Einsatz gewesen ist.» Und: «Meiner Meinung nach ist der Weltturnverband so weit, um die 3D-Lasertechnik an den Titelkämpfen von Stuttgart einzuführen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.