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FUSSBALL: 1. FC Köln: Verhängnisvolle Jagd nach dem Uralt-Rekord

Nach 14 Spieltagen wartet Bundesligist 1. FC Köln noch immer auf den ersten Sieg. Er ist drauf und dran, den Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 zu brechen. Was mindestens genauso schlimm ist: Der Club versank zuletzt im Chaos.
Armin Veh, neuer Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln. (Bild: Keystone (17. Oktober 2015))

Armin Veh, neuer Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln. (Bild: Keystone (17. Oktober 2015))

Armin Veh, so viel steht fest, ist ein mutiger Mann. Schliesslich ist das eine der Haupteigenschaften, die es braucht, um aktuell einen Job beim 1. FC Köln zu übernehmen. Weitere vorteilhafte Charakterzüge wie ein sonniges Gemüt, viel Selbstvertrauen und ein optimistisches Wesen besass der 56-Jährige schon immer. Als Trainer feierte er mit Augsburg, Fürth, Reutlingen und Frankfurt Aufstiege. Die Frankfurter führte er sogar bis in den Europapokal. Und mit dem VfB Stuttgart wurde er 2007 Meister. Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass ein Club wie der 1. FC Köln ohne Trainer auf den Namen Armin Veh kommt. Überraschend ist nur, dass er als Geschäftsführer Sport eingestellt wird.

Nicht weniger verblüfft die Tatsache, dass Veh überhaupt ein Engagement in Köln annimmt. Zuletzt betonte er immer wieder, dass er nur noch Dinge machen wolle, an denen er Spass habe. Nun fragen sich neutrale Beobachter besorgt: Ist dieser Mann ein Masochist?

Zwei Siege, vier Remis – die Bilanz von Tasmania Berlin

Denn Spass haben mit den Kölnern aktuell nur andere: Gegner, Boulevardreporter oder Kabarettisten. Sportlich befindet sich die Mannschaft auf einer verhängnisvollen Jagd nach einem Uralt-Rekord der Bundesliga. In der Saison 1965/66 wurde Tasmania Berlin durch eine Verkettung mehrerer Zufälle und völlig unerwartet in die höchste Spiel­klasse gespült. Der Verein war nullkommanull darauf vorbereitet und komplett überfordert. Die Spieler mussten teilweise mit Hilfe von Reiserufen des deutschen Automobil-Clubs ADAC aus dem Urlaub zurückbeordert werden. Als die Spielzeit vorbei war, reichte es für die Berliner zu zwei ­Siegen, vier Unentschieden und einem Torverhältnis von 15:108. «Immerhin zwei Siege», sagt der eine oder andere Kölner schon mit einem anerkennenden Nicken. Der FC hat es in den ersten 14 Spieltagen bisher nur auf drei Remis gebracht. Und wenn das Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den Drittletzten Freiburg (12 Punkte) verloren geht, dürfte es das schon fast gewesen sein. Für eine Mannschaft, die bis Donnerstag noch an der Europa League teilnahm.

Was Veh aber mindestens genauso zu denken geben sollte, ist das öffentliche Erscheinungs­bild des Vereins. Das Ganze begann Ende Oktober mit dem Rücktritt von Vehs Vorgänger Jörg Schmadtke. Der hatte den Verein in den vergangenen Jahren mit seiner ruhigen Art Stück für Stück nach vorne gebracht. Warum ­genau er hinschmiss, ist noch immer unklar. Was allerdings noch mehr verwunderte, war, dass er angeblich eine Abfindung von 3,5 Millionen kassierte. Für einen selbst gewählten Rückzug.

Ebenfalls nicht ganz schlau wurde man aus dem Verhalten in der Trainerfrage. Der bei Fans enorm beliebte Trainer Peter ­Stöger wurde trotz atemberaubender Misserfolgsserie nicht entlassen. Aber so richtig gestärkt wurde er auch nicht. Eine Hinhaltetaktik, für die selbst Stöger irgendwann kein Verständnis mehr hatte. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag vor einer Woche forderte er endlich Klarheit. Tags darauf hatte er sie. Man einigte sich auf eine Trennung, die jedoch erst am Tag nach dem nächsten Spiel auf Schalke bekannt gegeben werden sollte.

Kuriose Szenen rund um die Absetzung des Trainers

So kam es beim 2:2 auf Schalke zu teilweise kuriosen Szenen. Stöger wirkte fast seltsam entspannt, schaute während der Partie schon mal auf sein Handy, scherzte am Seitenrand und kniff einem seiner Assistenten bestens gelaunt in die Wange. Nach dem Spiel verabschiedete er sich emotional von den Fans, der eine oder andere Profi hatte Tränen in den Augen. Aber alle mussten so tun, als wüssten sie von nichts. Schliesslich sollte die Trennung erst am nächsten Tag verkündet werden.

Auch die Suche nach einem Geschäftsführer Sport lief unglücklich ab. Um Hannovers Horst Heldt entspann sich eine Posse, an deren Ende sich beide Parteien wie Kleinkinder benahmen, die sich im Sandkasten die Schäufelchen um die Ohren hauen. Heldt blieb jedenfalls in Hannover. Und mit Dietmar Beiersdorfer traf man sich zum Gespräch in einem Hotel mitten in der Kölner City. In den Boulevardredaktionen der Stadt konnten sie ihr Glück kaum fassen.

Veh hat also einiges vor. Er muss eine verunsicherte Mannschaft aufbauen. Er muss einen neuen Trainer suchen, der ebenso viel Mut besitzt wie er selbst. Und er muss schleunigst für Ruhe in der Aussendarstellung sorgen. Sagen wir es vorsichtig: Es gab schon leichtere Jobs in der Geschichte der Bundesliga.

Carsten Meyer

sport@luzernerzeitung.ch

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