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FUSSBALL: 40 Jahre fürs Guinness-Buch

Monika Zihlmann (60) hat am Samstag mit dem C-Junioren-Spiel Küssnacht gegen Cham ihre 40-jährige Laufbahn als Schiedsrichterin beendet. Jetzt hofft die 60-jährige Buchrainerin auf einen Eintrag ins Guinness-Buch der Weltrekorde.
Leitete im Jahr 1975 ihr erstes Fussballspiel: die heute 60-jährige Monika Zihlmann Brunner aus Buchrain. (Bild Boris Bürgisser)

Leitete im Jahr 1975 ihr erstes Fussballspiel: die heute 60-jährige Monika Zihlmann Brunner aus Buchrain. (Bild Boris Bürgisser)

Roland Bucher

«Guten Tag, Frau Zihlmann, ich möchte Sie für ein Interview ...» «... hallo, du bist doch der Roli vom Haus Nummer 92, oder? Wir kennen uns doch!» Ja, natürlich. Wir sind im gleichen Quartier aufgewachsen, sie im Haus 42. Durchaus zu behaupten ist: Viele unserer Tribschensträssler-Jahrgänger haben eine kleine, feine Karriere auf regionalen Fussballfeldern oder mit dem Eishockeyknebel hinter sich. Aber in quantitativer Hinsicht kommt keine und keiner an Monika Zihlmann-Brunner heran. Fast exakt 40 Jahre lang und gegen 600 Partien umfassend, leistete sie, die begeisterte Supporterin des FC Luzern, jenen Dienst für den Fussball, für den es immer schwieriger wird, treue Leute zu rekrutieren: die Schiedsrichterei.

Wenn sie, die vor Lebensfreude nur so strotzt, in diesen finalen Stunden ihres Wirkens als 23. Frau auf dem Platz etwas loswerden möchte: «Als Schiedsrichter hast du es wirklich nicht immer leicht. Wenn ich Betreuer und oft auch Eltern von kleinen Fussballkids lamentieren höre und das in einer nicht geringen Lautstärke, dann wundere ich mich nicht, dass dieser und jener Jung-Schiedsrichter schon früh, viel zu früh den Bettel wieder hinschmeisst.»

Zweimal LuzernHamburg retour

Das wäre Monika Zihlmann-Brunner indes nie in den Sinn gekommen. Stellen Sie sich mal vor: 600, fast sechshundert Fussballspiele hat die Familienfrau arbitriert; überschlagsmässig addieren sich da weit über 30 000 Pfiffe und hie und da auch heikle – Entscheide zusammen. Oder 4000 Kilometer Laufwege. Luzern–Hamburg retour – und das zwei Mal. Am letzten Samstag pfiff die passionierte Velo- und Skifahrerin zum letzten Mal ab. Dann startete sie in Küssnacht mit ihrer Familie, ihrer Anhängerschaft, mit ihrem früheren Schiedsrichter-Götti Guido Wal­dispühl und IFV-Vertreter Patrick Habermacher die grosse Abschiedsparty. Bis um Mitternacht habe sie gedauert – «und ich war überwältigt von den vielen Ehrbezeugungen», schmunzelt die Geadelte, die – punkto Durchhaltevermögen (nicht beim Festen notabene, sondern in der Ref-Zunft) – wohl sämtliche (Welt-)Rekorde sprengt.

Sechsmal LuganoLuzern retour

Der Fussball mit all seinen Facetten hatte der jungen Monika früh den Ärmel reingezogen. Fan des FC Luzern zu sein, das war Ehrensache, selber zu kicken, als Verteidigerin bei Emmenbrücke und Stans, ein Akt der Fitness und der Geselligkeit und dann kam dieser Aufruf: «Der IFV braucht Schiedsrichter.» «Für mich war schnell klar: Als Fussballerin bist zu nicht eben grossartig begabt, aber als Schiedsrichterin kannst du dieser Sportart wertvolle Dienste erweisen.» Die dermassen motivierte junge Frau meldete sich für den Einführungskurs an und erzählt schmunzelnd und nicht grad ohne Stolz: «Ich war damals als junge Köchin in Lugano berufstätig. Das lief dann fünf Mal am Samstag so ab: um 16 Uhr in Lugano auf den Zug, dann die Lehrstunden im «Schützenhaus» in Luzern. Mit dem allerletzten Zug zurück nach Lugano, mit dem Töffli zurück in die Wohnung. Und am Morgen um 7 Uhr stand ich schon wieder in der Küche.» Die junge Liebe übrigens, die damals zu knospen begann, wurde auf die Probe gestellt: «Seppi Zihlmann, mein damaliger Freund und seit vielen, vielen Jahren mein Mann, hat mich vor die Wahl gestellt: Entweder machst du als Aktivfussballerin weiter oder als Schiedsrichterin. Beides geht nicht.»

Und keiner hat etwas gemerkt

Sie wurde Schiedsrichterin. Im Sommer 1975 pfiff sie in Horw ihren allerersten Match, das Resultat und allfällige Episödchen kenne sie nicht mehr. Zu erzählen hätte sie indes durchaus diese und jene «Schmonzette». «Einmal», wühlt sie im Nähkästchen, «habe ich schlicht und einfach ein Aufgebot für ein Spiel zwischen Weggis und Kickers vergessen. Stattdessen habe ich mich als Fan an einem FCL-Match vergnügt bis das Handy mich unüberhörbar strafte: Wo ist der Schiri?» Auch dieses Problem wurde elegant gelöst: Göttergatte Seppi karrte mit dem Auto heran, Monika Zihlmann benützte es als Garderobe und traf mit 30 Minuten Verspätung in Weggis ein. «Die beiden Teams machten gute Miene zum ärgerlichen Spiel, die Partie ging ordnungsgemäss über die Bühne. Und beim Verband hat nie jemand etwas davon erfahren.» Bis heute.

Weltrekord ist in Abklärung

So reihte sich Spiel an Spiel, in unteren Männerligen, im Frauenfussball, bei Firmenmatches und, vor allem, in den Juniorenkategorien. «Eigentlich schien bereits vor fünf Jahren der Zeitpunkt richtig, um ins zweite Glied zurückzutreten», rapportiert Monika Zihlmann, doch die Überredungstalente meiner Familie und meiner Kollegen waren zu mächtig.» Also habe sie die Trillerpfeife nochmals vom berühmten Nagel runtergeholt, «und irgendeinmal hat mein Mann gemerkt, dass keine andere Frau auf dieser Fussballwelt so lange geschiedsrichtert hat». Motivation genug, die 40 Jahre vollzumachen. Der Weltrekord ist bei den zuständigen Stellen angemeldet und in abklärungstechnischer Verarbeitung bald wird ihr Name im legendären Guinness-Buch der Weltrekorde auftauchen.

Mit Wohnmobil auf Traumstrassen

Und dann? «Langweilig wird es mir bestimmt nicht», sagt sie, die bis zu ihrer Pensionierung noch zwei Jahre als Köchin im Café Sowieso in Luzern arbeitet, «wir haben feine Pläne für die Zukunft.» Das Wohnmobil ist bereits gepostet, 2017 geht es auf die grosse Reise: «Wir machen uns im Buch ‹Traumstrassen in Europa› klug, bald geht es los. Wir freuen uns riesig.»

Wetten, dass dieser und jener Zwischenhalt auch das eine oder andere Mal einem spannenden Fussballmatch in einem fernen Stadion gilt?

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