FUSSBALL: Afrika-Cup in Gabun: «Spieleragenten tummeln sich da wie die Ameisen»

Die Vorrunde am Afrika-Cup ist zu Ende. Am Samstag gehts mit den Viertelfinals los. Afrika-Fussballexperte Otto Pfister* (79) ist in Gabun vor Ort.

Turi Bucher
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Otto Pfister traut nun Senegal und Ghana am meisten zu. (Bild: imago sportfotodienst)

Otto Pfister traut nun Senegal und Ghana am meisten zu. (Bild: imago sportfotodienst)

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Otto Pfister, was geht ab in Gabun, wie ist die Stimmung am Afrika-Cup?

Was die Temperatur angeht, ist es hier mit rund 30 Grad etwas wärmer als bei Ihnen in der Schweiz. Aber sonst? Die Stimmung ist am Boden, die Begeisterung weg. Gastgeber Gabun mit Superstar Pierre-Emerick Aubamejang ist schon in der Vorrunde ausgeschieden, und das ist natürlich «tödlich» für den Veranstalter.

Das heisst, das Fest ist schon vorbei?

Gleich so würde ich es nicht ausdrücken. Aber die Zuschauer­zahlen in den Stadien gehen nun deutlich zurück. Dafür tummeln sich hier die Spieleragenten wie die Ameisen. Es ist furchtbar. Jeder hofft, sich einen Star angeln zu können, da gehts nur noch ums Geschäft.

Aber wenn afrikanische Talente den Sprung in die europäischen Topligen schaffen, kann das doch eine Win-win-Situation sein.

Die Zeit der grossen afrikanischen Stars in Europa ist um. Eto’o, Drogba, Essien, Keita, Adebajor – solche Spieler gibt es zurzeit nicht. Ich bin dagegen, dass man afrikanische Talente schon im Alter von 18 Jahren nach Europa transferiert.

Warum?

In den Fussball-Akademien werden diese technisch talentierten Spieler angepasst, verlieren ihre Identität. Sie spielen nicht mehr befreit auf wie in Afrika, sondern müssen sich oft dem europäischen Defensivspiel anpassen. Ein Anthony Yeboah musste einst in Ghana zuerst Torschützen­könig werden, bevor er in die deutsche Bundesliga durfte. Und dort als Frankfurt-Stürmer auch Torschützenkönig wurde. Aber was ist mit denen, die es nicht in das Spielerkader eines Vereins schaffen? Die stehen vor dem Abgrund, und es sind deren viele.

2026 wird es 48 WM-Teilnehmer geben. Wie viele afrikanische Teams werden mit dabei sein?

Ich könnte mir vorstellen, dass die afrikanische Teilnehmerzahl von 5 auf 8 angehoben wird.

Zurück zum aktuellen Turnier. Neben Gastgeber Gabun sind Favoriten wie Algerien oder die Elfenbeinküste ebenfalls bereits ausgeschieden. Was ist da genau los?

Ich glaube, die haben ihre Gegnerschaft schlicht unterschätzt. Algerien hat noch an der letzten WM den späteren Weltmeister Deutschland in Schwierigkeiten gebracht, jetzt sind die Algerier als Topfavorit sang- und klanglos ausgeschieden. Wer hätte schon erwartet, dass ein kleines Land wie Burkina Faso die Vorrunde als Gruppensieger abschliessen würde.

Wer wird es nach dem Out der Favoriten zum Afrika-Titel 2017 schaffen?

Die neuen Favoriten heissen für mich nun Senegal und Ghana. Dazu kommt noch Ägypten, das immer ein bisschen Anlaufschwierigkeiten hat . Ich beurteile dies aufgrund der Leistungen in der Vorrunde. Ich habe in der gabunischen Hauptstadt Libreville alle Spiele im Stadion gesehen. Leider sitzt man in diesem Leichtathletikstadion als Zuschauer sehr weit weg vom Spielfeld. Der Rasen ist auch nicht gut. Das Terrain ist eine Unterlage zwischen Kunststoff- und Naturrasen. Das lässt ja gar keine attraktiven Spiele zu.

Hinweis

*Otto Pfister lebt in Mels SG und war zwischen 1972 und 2009 Nationaltrainer von Ruanda, Burkina Faso, Senegal, Elfenbeinküste, Zaire (heute DR Kongo), Ghana, Togo und Kamerun.

 

Gabun. Afrika-Cup 2017. Vorrunde. Schlussranglisten (alle 3 Spiele). Gruppe A: 1. Burkina Faso 5 Punkte (4:2 Tore). 2. Kamerun 5 (3:2). 3. Gabun 3. 4. Guinea-Bissau 1.

Gruppe B: 1. Senegal 7. 2. Tunesien 6. 3. Algerien 2. 4. Simbabwe 1.

Gruppe C: 1. DR Kongo 7. 2. Marokko 6. 3. Elfenbeinküste 2. 4. Togo 1.

Gruppe D: 1. Ägypten 7. 2. Ghana 6. 3. Mali 2. 4. Uganda 1.

Viertelfinals. Samstag, 17.00: Burkina Faso - Tunesien. – 20.00: Senegal - Kamerun. – Sonntag, 17.00: DR Kongo - Ghana. – 20.00: Ägypten - Marokko.

Halbfinals am Mittwoch/Donnerstag, 1./2. Februar (20.00). – Final am Sonntag, 5. Februar (20.00).