Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FUSSBALL: Alex Frei: «Die Zeit der Alibis ist vorbei»

FCL-Sportdirektor Alex Frei (34) spricht vor dem Heimspiel gegen Zürich (Sonntag, 13.45) über seine Rede an das Team und über das Nicht-Aufgeben trotz Fehlstart. Und er erklärt, wie die Mannschaft in der Saison 2014/15 ticken soll.
Interview Daniel Wyrsch
Alex Frei: «Wenn ich auf die Tabelle schaue, lache ich mich halb kaputt, weil YB nur vier Punkte vor uns ist.» (Bild Pius Amrein)

Alex Frei: «Wenn ich auf die Tabelle schaue, lache ich mich halb kaputt, weil YB nur vier Punkte vor uns ist.» (Bild Pius Amrein)

Alex Frei, Sie sind Anfang Woche vor die versammelte Mannschaft getreten. Sie appellierten an die Ehre und den Teamgeist der Spieler. Welche Reaktion erwarten Sie von dem Team am Sonntag gegen den FC Zürich?

Alex Frei: In meiner Karriere habe ich die eine oder andere Erfahrung gemacht, was man in einer solchen Situation sagt. Ich habe nicht an die Ehre appelliert, sondern nur eine Einschätzung gegeben, warum man vier von sechs Spielen verloren hat. Es geht nicht darum, was ich für eine Reaktion erwarte, sondern dass das Bewusstsein wirklich bei jedem Spieler da ist, was für uns immer noch alles möglich ist. Wir können in der Liga und im Cup noch immer vieles erreichen. Andererseits stehen wir wegen selbst verschuldeter Ergebnisse wieder im Konkurrenzkampf mit Mannschaften, die wir weniger auf der Rechnung hatten.

Sie reden von Thun, möglicherweise sogar von Aarau.

Frei: Mit Aarau rechnen wir, Stand heute, eher weniger, aber sicher mit dem FCZ und Thun. Beim FCZ wussten wir, dass er die talentierteste Mannschaft besitzt. Die Thuner, glaube ich, haben den Vorteil, dass sie sich ein bisschen wie die graue Maus der Liga verkaufen können. Darum interessiert es in Thun auch nicht wahnsinnig gross, ob man zweimal verliert oder gewinnt. Das hat nichts damit zu tun, was für eine Arbeit man dort leistet, sondern ist einfach der Tatsache geschuldet, dass das mediale Interesse nicht so gross ist wie beispielsweise in Luzern.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, weshalb Luzern nach einer über Erwarten guten Vorrunde mit 32 Punkten aus 18 Spielen nun aus sechs Partien der Rückrunde nur noch vier Punkte gewann und vier Spiele verlor?

Frei: Sicher genossen wir zum Abschluss der Vorrunde im Dezember den Blick auf die Tabelle. Dass wir uns alle in den Armen lagen und einander sagten, wie tolle Typen wir sind, war nicht der Fall. In der sportlichen Leitung inklusive Trainer und auch in der Klubleitung sind wir uns durchaus bewusst gewesen, dass wir die 32 Punkte dankbar annehmen müssen. Die Wahrnehmung des Zuschauers, dass wir den einen oder anderen Match glücklich gewannen, ist korrekt, doch ich sage immer: Das Glück erarbeitet und erkämpft man sich. Sobald jedoch in unserer Mannschaft nicht jeder seine Leistung Spiel für Spiel abrufen kann, haben wir nicht die Qualität, um trotzdem erfolgreich zu sein. Solche Defizite können wir, Stand heute, nicht auffangen. Es gibt Mannschaften, die das können. Wir nicht.

In der Öffentlichkeit wird kontrovers diskutiert, ob der eingeleitete Umbruch mit der Bekanntgabe, dass die Verträge von Tomislav Puljic und Florian Stahel nicht verlängert werden und man bei Dimitar Rangelov nicht weiss, ob er geht, Unruhe ausgelöst hat, die dem Team schadet.

Frei: Das ist alles Alibi. Ich weiss nicht, wer gesagt hat, dass Florian Stahel keinen Vertrag mehr bekommt. Fakt ist, dass wir mit ihm im März das Gespräch suchen werden. Die Einzigen, die vorher Bescheid wissen wollten, waren Tomi Puljic und Dani Gygax. Wir teilten es ihnen mit. Gygax hat seine Chance in Aarau gesehen, diesem Wunsch entsprachen wir. Ich glaube nicht, dass der Verein unter Druck steht, weil man das Gefühl hat, die Öffentlichkeit lechze danach, über die Zukunft der Spieler Bescheid zu wissen. Profis haben Leistung zu erbringen, solange der Vertrag dauert. Ich habe noch nie einen solchen Schwachsinn gehört, dass man verunsichert sei wegen der Zukunft. Wenn einer 25 Tore geschossen hat und der Vertrag läuft aus, ist die Unsicherheit wegen der Zukunft ja auch nicht da. Eigeninteressen interessieren niemanden, wer diese vor jene des Vereins stellt, wird Probleme kriegen, ob der Vertrag noch zwei Monate dauert oder nicht.

Sie haben in einem Interview mit unserer Zeitung Mitte Dezember gesagt, dass Sie dafür garantieren, dass diese Mannschaft in der Rückrunde nicht einbricht. Waren Sie in dieser ausgeglichenen Meisterschaft zu unvorsichtig mit diesem Versprechen?

Frei: Es ist stets eine Frage, wie man eine Sache anschaut. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Ich weiss, dass man in Luzern die Tendenz hat, das Glas immer halb leer zu sehen. Es geht nicht darum, gewisse Leistungen schönzureden – überhaupt nicht! Fakt ist, man hat in sechs Spielen vier Mal verloren. Jetzt kann man sagen, der FCL sei schlecht gestartet. Wenn man aber auf die Tabelle schaut, lache ich mich halb kaputt, weil YB nur vier Punkte vor uns ist. Selbstverständlich dürfen wir mit dem Rückrundenstart nicht zufrieden sein. Doch es sind bis auf den Match gegen GC alles Niederlagen gewesen, in denen die Gegner nicht besser waren und nicht zwingend siegten.

Falls man am Sonntag gegen Zürich und eine Woche später gegen das letztplatzierte Lausanne, das sich noch immer vehement gegen den Abstieg stemmt, verlieren würde, müssten Sie dann von einem eingebrochenen FC Luzern sprechen?

Frei: Ich glaube, dass wir als Klub und Mannschaft diese Ligaspiele professionell als Vorbereitung auf den Cup-Halbfinal am 26. März in Basel nutzen müssen. Ich wüsste nicht, für was Fussballer sonst spielen sollen, als wenn sie Geschichte schreiben können. Unsere Mannschaft hat immer noch die Möglichkeit, selber zu bestimmen, ob sie eine Randnotiz in der Geschichte des FC Luzern sein oder eine ganz Seite im Vereinsbuch bekommen wird.

Sie haben François Affolter in der Winterpause von YB geholt. Die Kritik gegen den Innenverteidiger ist nach drei Spielen bereits gross. Fehlt es bei ihm wirklich nur an der Spielpraxis?

Frei: Wenn man wie Ihre Zeitung einen Artikel auf der Grundlage von Fan-Reaktionen aufbaut, ist es natürlich kritisch. Wenn wir immer auf die Meinungen der Fans hören würden, dann hätten wir 180 Kaderspieler und müssten diese acht Mal pro Saison auswechseln. Das geht natürlich nicht. Trotzdem nehmen wir die Meinungen der Anhänger ernst.

Petar Aleksandrov ist wie Sie Torschützenkönig gewesen und kein Fan.

Frei: Es gibt ein paar Experten, die ihre unglaubliche Erfahrung, die sie zum Beispiel im Ausland gemacht haben, weiter im Fussball einbringen sollten. Ausserdem hat François erst drei Partien gemacht. Ich weiss nicht, ob man über jemanden nach drei Spielen den Stab brechen darf. Eine seriöse Zwischenbilanz kann man erst nach sechs Monaten ziehen.

Bevor Sie als Sportchef zum FCL wechselten, wurde Ihnen versprochen, dass man zwei Topspieler holen würde. Daraus ist nichts geworden, stattdessen ist jetzt das grosse Sparen angesagt. Es beschleicht einen das Gefühl, dass man trotz neuem Stadion nun auf halbem Weg stehen bleibt. Für Sie, der vorher über vier Jahre beim vermögenden FC Basel gespielt hatte, muss das ein extremer Unterschied sein.

Frei: Was heisst sparen? Selbstverständlich ist es so, dass wir verpflichtet sind, gewisse Optimierungen vorzunehmen. Ich glaube aber auch, dass man in der Vergangenheit geplant hat, einmal im neuen Stadion in der Europa-League-Gruppenphase dabei zu sein. Dies würde heute sicher helfen! Ich betone, dass diese Mannschaft, Stand heute, bloss ein bisschen verändert worden ist. Das heisst, man hat ein paar Dinge ergänzen und ein paar Transfers machen können. Aber man hat nicht 20 Neue geholt und 20 sind gegangen, sondern man hat eine vorhandene Mannschaft zu verstärken oder zumindest zu ergänzen versucht. Dies hat für uns alle ganz ordentlich geklappt. Aber irgendwann ist die Zeit der Alibis vorbei. Dann kann man nicht mehr nur darauf hinweisen, dass die Zuschauer nicht mehr kommen und der Stadioneffekt nicht mehr vorhanden ist. Die Mannschaft steht in der Verantwortung, wir alle stehen in der Verantwortung. Ein gutes Team bringt auch viele Fans, bei einer Mannschaft, die alles aus sich herausholt, kommt alles andere automatisch.

Sie ziehen den Umbruch also bei kleinerem Budget konsequent durch. Allerdings dürfte es in der nächsten Saison nicht leicht werden.

Frei: Die Entwicklung des Vereins soll dadurch nicht gehemmt werden oder gar ins Stocken geraten. Wir versuchen das Bestmögliche herauszuholen, um eine konkurrenzfähige Mannschaft in die Saison 2014/15 zu schicken. Logisch, dass man nicht optimieren und gleichzeitig Meister werden kann. Kaiserslautern war vor Jahren einmal die grosse Ausnahme, als Aufsteiger wurden die Pfälzer deutscher Meister. Das kann passieren – mit einer geschlossenen, charakterstarken Mannschaft ist sehr vieles aufzuwiegen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.