FUSSBALL: «Alternativloser Aufstieg» mit Andermatt

Martin Andermatt (55) hat als Aufsichtsrat von Hannover 96 Anteil an der sofortigen Bundesliga-Rückkehr des Traditionsklubs. Der Zuger spricht über den ungewöhnlichen Job, sein Verhältnis zu Präsident Martin Kind sowie alt Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Daniel Wyrsch
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Der Zuger Martin Andermatt (rechts) mit Hannover-Präsident Martin Kind. (Bild: Matthias Koch/Imago (Hannover, 1. April 2017))

Der Zuger Martin Andermatt (rechts) mit Hannover-Präsident Martin Kind. (Bild: Matthias Koch/Imago (Hannover, 1. April 2017))

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Martin Andermatt (früher Trainer in der Bundesliga von Ulm und Eintracht Frankfurt sowie der Young Boys, von Wil, Aarau, Bellinzona und Zug 94) hat ein bewegtes Halbjahr hinter sich. Seit November 2016 ist der 55-jährige Zuger Aufsichtsrat bei Hannover 96. Der Präsident und Hörgeräteunternehmer Martin Kind (73) berief Andermatt ins Amt. Am Sonntag gelang dem Traditionsverein mit einem 1:1 in Sandhausen der sofortige Wiederaufstieg in die Bundesliga.

Martin Andermatt, Gratulation zum Aufstieg mit Hannover in Deutschlands Eliteliga. Haben Sie ausgiebig gefeiert?

Weil wir auswärts gespielt hatten, fand am Sonntagabend nach der Rückreise nur eine eher kleinere Feier mit der Mannschaft und allen Mitarbeitern statt. Am Montag ist das vom Rathaus­balkon winkende Team dann von 40 000 Fans gefeiert worden.

Waren Sie dabei und genossen den Erfolgsmoment mit?

Ja, für uns alle bei Hannover 96 ist das eine besondere Geschichte. Der Verein stieg vor 12 Monaten ab, nachdem er 14 Jahre lang ohne Unterbruch in der Bundesliga gespielt hatte. Unser Präsident Martin Kind forderte den «alternativlosen Aufstieg». Diese Worte stehen jetzt auch auf den Aufstiegs-T-Shirts der Spieler.

Lastete ein enormer präsidialer Druck auf den Beteiligten?

Martin Kind rettete vor 20 Jahren 96 finanziell, als der Klub in die Regionalliga abgestiegen war. Ihm verdankt der Verein alles, er bezahlt und befiehlt. Team, Trainer, Staff und Vorstand hielten dem Druck stand. Dabei hatten wir auch etwas Glück, weil in der vorletzten Runde die abstiegsbedrohte Arminia Bielefeld unseren Aufstiegsrivalen Eintracht Braunschweig 6:0 besiegte.

Jeff Saibene rettete Bielefeld und schickte Braunschweig in die Relegation gegen Wolfsburg. Haben Sie sich beim Schweiz-Luxemburger für die Schützenhilfe bedankt?

Ich versuchte, Jeff Saibene anzurufen, in den nächsten Tagen klappt es. Wir planen ein Freundschaftsspiel gegen Bielefeld.

War die entscheidende Handlung bei Hannover 96 die Einsetzung von Trainer André Breitenreiter für den erfolglosen Daniel Stendel?

Zuerst erfolgte der Wechsel in der sportlichen Führung – Horst Heldt kam als Sportdirektor. Im Nachhinein wurde der Verein für den Mut belohnt, auf Platz 4 stehend so entschieden zu haben. Für einmal musste nicht der Trainer als Erster gehen. Erst später kam für Stendel der vormalige Schalke-Coach Breitenreiter. Mit André haben wir keines der letzten neun Spiele verloren.

Martin Kind gilt als dominanter Klubboss, Horst Heldt ist ein schillernder Sportchef. Ist es zutreffend, sich Ihren Job bei dieser Konstellation als herausfordernd vorzustellen?

Die Arbeit ist anspruchsvoll, ich musste ein Gespür dafür entwickeln. Martin Kind holte mit mir Sportkompetenz in den Verein. Ich kenne die Gesetzmässigkeiten im Fussball aus eigener Erfahrung. Bin ich in Hannover, verfolge ich alle Trainings. Ich führe mit dem Trainer, dem Staff und Horst Heldt viele Gespräche. Das Ziel ist, 96 weiterzubringen. Dazu gehören auch mal utopische Vorschläge. Manchmal muss man träumen, um Träume eines Tages wirklich zu machen. Nach dem kurzen Moment der Aufstiegsfreude geht es aber nun sofort darum, die Kaderplanung für die neue Saison vorzunehmen.

Erwarten Sie eine schwierige Saison für den Aufsteiger 96?

Die Anforderungen in der Bundesliga sind gestiegen. Mit dem VfB Stuttgart und Hannover 96 sind zwei Traditionsklubs aufgestiegen, während mit Darmstadt und Ingolstadt Kleine abstiegen.

Stimmt es, dass Präsident Kind Sie nach Hannover holte, da Sie seit dem Vorspielen Ihres älteren Sohnes bei 96 mit ihm in Kontakt sind?

Ja, das war vor über zehn Jahren. Seither hatten wir uns immer wieder mal ausgetauscht. Ich habe Herrn Kind immer offen gesagt, was ich denke. Das hat er wohl nicht vergessen.

Im Aufsichtsrat sitzt neben Ihnen alt Bundeskanzler Gerhard Schröder. Wie ist er?

Er ist sehr strukturiert und im Umgang angenehm. Als Repräsentant des Klubs ist er sehr wertvoll. Es zeigt die Grösse des Präsidenten, dass er die- se tolle Persönlichkeit in den Verein holte.