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FUSSBALL: Auch die Bayern sagen «Ni hao»

Der FC Bayern München zählt in China mehr Fans als Deutschland Einwohner hat. Mit einem eigenen Büro in Schanghai wollen die Bayern nun im Reich der Mitte dauerhaft präsent sein.
Felix Lee, Schanghai
China und Bayern – Karl-Heinz Rummenigge durchschneidet das Band. (Bild: Imago (Schanghai, 22. März 2017))

China und Bayern – Karl-Heinz Rummenigge durchschneidet das Band. (Bild: Imago (Schanghai, 22. März 2017))

Felix Lee, Schanghai

sport@luzernerzeitung.ch

Belustigt blickt der langjähri­ge FC-Bayern-München-Spieler Bixente Lizarazu auf die Achtjährigen, wie sie im Regen etwas tollpatschig den Bällen hinterherjagen. Aber ein schlechtes Wort will der einstige Superstar über den chinesischen Nachwuchs nicht verlieren. «Alles braucht seine Zeit», sagt er. Und sein Begleiter, Giovane Elber, stimmt ihm zu: Zehn Jahre werde es bestimmt dauern, bis China seine eigenen Profispieler geschaffen habe, sagt der Brasilianer (Ex-GC), der zwischen 1997 und 2003 für Bayern München spielte. Beide sind inzwischen Markenbotschafter des Rekordmeisters. Und sie sind in China derzeit auf Werbetour.

Der FC Bayern München hat vor einigen Tagen in der ostchinesischen Millionenmetropole Schanghai sozusagen «Ni hao» (Hallo) gesagt und sein erstes Büro in China eröffnet. Das Büro ist Teil der Vermarktungsstrategie, den Verein auch weltweit stärker ins Blickfeld zu rücken. In New York gibt es seit knapp drei Jahren ein Büro. 136 Millionen Bayern-Fans gebe es in China, rechnete FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei der Eröffnungsfeier vor. «Wir haben hier mehr Fans als Deutschland Einwohner hat. Dem werden wir Rechnung tragen.»

Das Büro mit seinen sechs Mitarbeitern soll den Kontakt mit den chinesischen Fans pflegen, vor allem über die Social-Media-Kanäle, die in China sehr weitverbreitet sind, sagt Jörg Wacker, ebenfalls im Vorstand des FC Bayern München und zuständig für Strategie. Zudem gelte es, Netzwerke mit der Politik und der Wirtschaft aufzubauen, selbstverständlich aber auch die Umsätze mit dem Verkauf von Trikots und Fanartikel zu steigern. Seit zwei Jahren schon betreibt der FC Bayern auf Chinas meistgenutzter Handelsplattform Taobao einen eigenen Onlineshop.

Zwei Freundschaftsspiele im kommenden Juli

Von einem «ständigen Grundrauschen» spricht Vorstandsmitglied Wacker. Das Büro solle dafür sorgen, dass Bayern München auch im bevölkerungsreichsten Land der Welt kontinuierlich im Gespräch bleibt. Das Vereinsvorstandsmitglied macht zugleich keinen Hehl daraus, dass es auch um Sponsorenpflege geht. Bayerns Hauptsponsoren Audi, Adidas und Allianz etwa könnten bei der geplanten China-Tour im Sommer auf Synergieeffekte setzen. Zugleich gelte es auch, lokale Sponsoren zu gewinnen. Bayern plant im Juli zwei Gastspiele im Reich der Mitte.

Die Bayern sind keineswegs die ersten, die den chinesischen Fussballmarkt für sich entdeckt haben. Manchester United hat bereits seit Jahren eine Repräsentanz – wenn auch in der südchinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, in der andere Regeln gelten. Auch spanische Fussballvereine sind seit Jahren in der Volksrepublik aktiv. VfL Wolfsburg hat fast zeitgleich mit Bayern in Peking ein Büro eröffnet. China sei von grosser Bedeutung, weil hier eine «einzigartige Kombination aus enormer Euphorie für den deutschen Fussball, geballter Wirtschaftskraft und grossem staatlichen Interesse am Fussballsport vorherrscht», sagte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgerman.

Die nationale Profiliga ist eine Prestigefrage

Rummenigge betont allerdings, dass der FCB eine andere Strategie verfolge als die meisten anderen Vereine aus dem Ausland. «Kurzfristig Geld cashen – das ist nicht unser Ziel», betonte der ehemalige Weltmeister. Seinem Verein gehe es auch darum, beim Aufbau Chinas zu einer Fussballnation beizutragen. Der Zeitpunkt könnte daher auch nicht besser gewählt sein, betont Rummenigge.

Chinas mächtiger Staats- und Parteichef Xi Jinping hat vor drei Jahren den Aufbau einer Profi­liga zu einer «nationalen Prestigefrage» erklärt. «Ein Aufleben des Fussballs ist entscheidend auf Chinas Weg zu einer Sportnation», waren damals seine Worte. Die chinesische Nationalmannschaft belegte im weltweiten Fifa-Ranking damals Platz 78. Inzwischen ist China sogar auf den 81. Platz abgerutscht. Trotzdem wird im chinesischen Fussball seit Xis Aufruf kräftig geklotzt.

Schanghai holte Oscar für 60 Millionen Euro

Die Regierung investiert derzeit landesweit Milliarden in neue Fussballplätze, lässt Hunderte spezielle Fussballschulen einrichten und heuert Trainer aus aller Welt an. Gibt es derzeit offiziellen Angaben zufolge bei über 1,34 Milliarden Einwohnern gerade einmal rund 6000 gemeldete Fussballspieler in China, soll die Zahl auf mindestens 50 Millionen steigen. Allerdings stecken chinesische Vereine derzeit auch Rekordsummen in Ablösesummen von Profispielern aus aller Welt. So hat der Schanghaier Fussballverein SIPG für den Brasilianer Oscar über 60 Millionen Euro Ablöse hingelegt – ein neuer Rekord.

Rummenigge sieht diese Rekordtransfers und die hohen Gehälter kritisch. Er könne zugleich aber verstehen, dass die chinesischen Fussballvereine zunächst generell Aufmerksamkeit wecken wollten. Das sei ihnen gelungen. «Ein wichtiger zweiter Schritt ist jetzt aber eine solide Ausbildung.»

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