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FUSSBALL: Baustellen bei Bayern vor dem Saisonstart

In den vergangenen Jahren dominierte Bayern München die Bundesliga nach Belieben. Vor dem ersten Spiel gegen Leverkusen (morgen, 20.30 Uhr/ZDF) dämpft Präsident Uli Hoeness die Erwartungen – die Konkurrenz wittert die Chance.
Jürgen Knappenberger
Für den Franzosen Corentin Tolisso bezahlte Bayern 47 Millionen Euro – das bedeutet Bundesliga-Rekord. (Bild: Horst Müller/Imago (Dortmund, 6. August 2017))

Für den Franzosen Corentin Tolisso bezahlte Bayern 47 Millionen Euro – das bedeutet Bundesliga-Rekord. (Bild: Horst Müller/Imago (Dortmund, 6. August 2017))

Jürgen Knappenberger

sport@luzernerzeitung.ch

Am Freitag eröffnen die Bayern die Saison gegen Leverkusen (20.30 Uhr/ZDF). Und schon lange war es nicht mehr so ungewiss, ob die Münchner ihren Titel auch verteidigen können. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Schmerzhafte Abgänge: Philipp Lahm (33) und Xabi Alonso (35) haben ihre Karriere beendet. Sie fehlen nicht nur wegen ihrer spielerischen Klasse, sondern auch als Persönlichkeiten. Dass gleich zwei dieses Kalibers aus dem Gefüge brechen, wird Auswirkungen auf die Statik des Teams haben, die noch keiner vorhersehen kann.
  • Schwieriger Umbruch: Arjen Robben (33) und Franck Ribéry (34) sind nicht die Zukunft des FC Bayern. Aber es ist unmöglich, geräuschlos Nachfolger aufzubauen. Das liegt zum einen an der nach wie vor grossen Klasse der beiden – fussballerisch, aber auch als Typen. Robben als unermüdlicher Antreiber, Ribéry als einer, der für Lockerheit sorgt. Zum anderen reagieren beide auf Auswechslungen wie ein zorniges Kindergartenkind. «Sonst sind die stocksauer, und die Stimmung ist dann nicht so gut», sagte Präsident Uli Hoeness. Ein Umbruch wird so nicht leichter.
  • Neuzugänge: ein WM-Torschützenkönig von Real Madrid, dazu der teuerste Neuzugang der Bundesliga-Historie und zwei deutsche Nationalspieler. All das für weit unter 100 Millionen Franken. Klingt nach einer gelungenen Einkaufstour. Aber es gibt auch Zweifel. Hat James (26 Jahre/Leihe/Real) die Klasse für die europäische Spitze? Ist Corentin Tolisso (23/47 Millionen/Lyon) die Ablöse wert – und wie schnell kann er eine Verstärkung werden? Niklas Süle (21/23)und Sebastian Rudy (27/ablösefrei/beide Hoffenheim) konnten ihre fussballerische Klasse schon zeigen, aber sind sie auch die Typen, die im Haifischbecken FC Bayern bestehen können?
  • Kampf um Stammplätze: Der Konkurrenzkampf ist erneut brutal. Dabei rücken zwei Spieler besonders in den Fokus: Wie reagiert Jérôme Boateng, der sich für unersetzlich hält, das zuletzt aber zu selten belegen konnte, wenn er nicht spielen darf? Er war schon in der Vorsaison hochgradig irritiert, als teilweise Javi Martinez und Mats Hummels den Vorzug erhielten. Jetzt kommt in Süle ein weiterer Konkurrent. Und was passiert mit Thomas Müller? Jahrelang hiess es: «Müller spielt immer.» In der vergangenen Saison verlor er diesen Nimbus. Durch die Verpflichtung von James sind seine Aussichten nicht besser geworden.
  • Trainer in der Pflicht: Gegen Carlo Ancelotti ist selbst Buddha ein aufgeregtes Kerlchen. Der Italiener regelt alles mit ruhiger, väterlicher Art. In München sind sie sich noch immer nicht sicher, ob dies der richtige Weg ist – oder ob der Coach nicht auch mal durchgreifen sollte. Zweifel gibt es auch daran, ob er der Richtige für den Umbruch ist. Bisher ist er den Beweis schuldig geblieben, dass er junge Spieler heranführen kann. Vor allem Toptalent Joshua Kimmich wurde von ihm noch (zu) wenig gefördert.
  • Unerfahrener Sportdirektor: Hasan Salihamidzic wird von den Verantwortlichen mittlerweile als «Königslösung» angepriesen. In Wirklichkeit war er zweite, dritte oder gar vierte Wahl. Das muss gar nichts über seine Qualitäten aussagen. Interessant wird sein, wie schnell der Bosnier seine fehlende Erfahrung wettmachen kann und wie gut er sich zwischen all den Alphatieren behauptet.

Aufgrund der vielen Baustellen dämpft Uli Hoeness die Erwartungen. «Wenn wir Meister werden, wäre ich schon sehr zufrieden.» Damit hängt er die Messlatte so tief wie schon ewig nicht mehr. Statt darüber froh zu sein, hängt sie Ancelotti wieder hoch: «Ich denke, dass wir Meister werden.» Sein Tipp für den Champions-League-Sieger: «Mein FC Bayern. Logisch.»

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