FUSSBALL: Begehrtes Talent auf Hoffenheims Trainerbank

1899 Hoffenheim ist in dieser Saison unter dem jungen Trainer Julian Nagelsmann immer noch ungeschlagen. Das sorgt vor dem Spitzenspiel bei RB Leipzig am Samstag für internationales Aufsehen.

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Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann hat allen Grund zum Lachen. (Bild: Michael Probst/AP (Sinsheim, 16. Dezember 2016))

Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann hat allen Grund zum Lachen. (Bild: Michael Probst/AP (Sinsheim, 16. Dezember 2016))

Zwischen den Hügeln des Kraichgaus geht es im Sportpark in Zuzenhausen sehr beschaulich zu. Lediglich eine Hand voll Fans verfolgt den Übungsbetrieb des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Nur im Büro der Abteilung Medien und Kommunikation ist die Betriebsamkeit etwas hektischer. Dort flattern seit einigen Monaten täglich neue Interview-Anfragen von Journalisten aus aller Welt ein. Sie alle wollen einen Termin mit ihm: Julian Nagelsmann (29), Shootingstar der Trainer-Szene. Und ein Ende ist nicht in Sicht, der Hype wird von Woche zu Woche grösser. Der begehrte Gesprächspartner selbst findet das «relativ normal, wenn man so jung in der Bundesliga Trainer ist. Und nun sind wir auch recht erfolgreich unterwegs.»

So kann man es auch sagen. Nagelsmann steht mit einem jungen Team ohne grosse Stars völlig unerwartet auf Platz drei – und ist zudem als einziger Coach in Europas Top-Ligen in dieser Spielzeit noch ohne Niederlage.

Aufmerksam wurde die breite Öffentlichkeit auf Nagelsmann erstmals im Februar des Vorjahres, bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Hoffenheim, wo mit Pirmin Schwegler, Fabian Schär und Steven Zuber auch drei Schweizer unter Vertrag stehen. Nagelsmann war gerade einmal 28 Jahre alt und damit jüngster Trainer der Bundesliga-Historie. Für den gemeinen Beobachter ein gewagtes Unterfangen, so mitten im Abstiegskampf. Denn der Neuling, der seine aktive Karriere nach Stationen in den Reserveteams von Augsburg und 1860 München wegen einer Knieverletzung schon mit 20 beenden musste, hatte bis auf eine Saison als Co-Trainer der TSG (2012/13) nur Erfahrung im Jugendbereich. Bei den Profis war die Skepsis dagegen rasch verflogen. «Jeder hat relativ schnell gemerkt, dass Julian ein absoluter Toptrainer ist», sagt Schwegler.

Nagelsmann wartete auch gleich mit einigen Überraschungen auf. Auf direkte Zweikämpfe sollten seine Spieler zukünftig wenn möglich verzichten (zu viel Zufall!) und gegen alle Prinzipien des Abstiegskampfes das Heil in der Offensive suchen. Der Plan ging auf: Einen Spieltag vor Saisonende hatte er Hoffenheim vor dem sicher geglaubten Abstieg bewahrt. Seitdem hat Nagelsmann die Mannschaft durch taktische Kniffe noch unberechenbarer gemacht. Der Weg von Trainer und Verein geht weiter steil nach oben. Mäzen Dietmar Hopp hat zuletzt immer wieder betont, dass er sich Nagelsmann noch ewig als Trainer seines Vereins wünsche. Auch Schwegler hofft auf eine lange Zusammenarbeit. Doch der Luzerner befürchtet, dass es «sehr schwierig wird, weil er irgendwann sicher noch für Höheres berufen ist».

FC Bayern München zeigt offenbar Interesse

Die TSG dagegen eher nicht. Von vielen Spielern wird der Klub als Karrieresprungbrett genutzt. So ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Klub dauerhaft in der Spitzengruppe etabliert. Für den ehrgeizigen Nagelsmann könnte das bald zu wenig sein. Der will nämlich irgendwann «um Titel kämpfen und vielleicht mal einen grossen deutschen Klub trainieren», wie er in einem Interview verriet.

Diese Träume lassen sich am besten beim Branchenprimus Bayern verwirklichen. Ein Journalist ging sogar eine Wette mit Nagelsmann um eine Kiste Bier ein, dass es so weit kommen wird. FCB-Präsident Uli Hoeness hält jedenfalls grosse Stücke auf den gebürtigen Landsberger, der 2015 ein Bayern-Angebot als Jugendtrainer ablehnte. «Es gibt eine Hand voll deutscher Trainer, die ich durchaus als interessant empfinde», erklärte der Bayern-Boss kürzlich. Man kann getrost davon ausgehen, dass er Nagelsmann dazuzählt.

Der Hochgelobte selbst beschäftigt sich nicht mit derlei Gerüchten. Aktuell gilt seine Konzentration sowieso erst einmal dem Topspiel gegen die anderen Emporkömmlinge von RB Leipzig. Nagelsmann weiss: Wenn sein Team weiter gewinnt, kommt der Rest sowieso von allein.

 

Denis Raiser