FUSSBALL: Behrami will glücklich in die Ferien

Die Schweizer Nationalmannschaft trifft heute in der WM-Qualifikation (20.45/SRF zwei) auswärts auf die Färöer-Inseln. Das Petkovic-Team muss mit Blick auf die Tabelle ihre weisse Weste sauber halten.

Turi Bucher, Torshavn
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Valon Behrami (rechts) und Granit Xhaka nach der Landung. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Vagar, 7. Juni 2017))

Valon Behrami (rechts) und Granit Xhaka nach der Landung. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Vagar, 7. Juni 2017))

Turi Bucher, Torshavn

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Es ist nicht so, dass die färöische Hauptstadt Torshavn kopfsteht, weil heute ein Länderspiel stattfindet. Im idyllischen 12000- Einwohner-Städtchen deutet am Vorabend nichts oder fast nichts darauf hin, dass ab 20.45 Uhr im Stadion Torsvollur die Färinger gegen die Schweiz antreten werden. In den schmucken, engen Gässchen der Torshavener Altstadt begegnet man dem einen oder anderen mit Fan-Schal dekorierten Schweizer Anhänger. Klar, das Stadion wird mit grosser Wahrscheinlichkeit ausverkauft sein, aber es fasst ja auch nur rund 6000 Zuschauer.

Das Schweizer Team von Trainer Petkovic absolvierte gestern Abend das Abschlusstraining, welches von den Medien und den nach den Färöern mitgereisten Fans eine Viertelstunde lang verfolgt werden durfte. Danach wurden «die Vorhänge gezogen».

Aus Schweizer Sicht steht vor der zweiten Tranche der WM-Qualispiele die Abwehr und dort insbesondere die Innenverteidigung zur Debatte. Nachdem in den vergangenen Tagen und Wochen Nico Elvedi, Léo Lacroix (beide verletzt) und Fabian Schär (gesperrt) aus dem Kader gestrichen wurden, bleibt nicht mehr viel Spielraum. Gesetzt ist Johan Djourou, obwohl dieser zuletzt keine Bundesliga-Spielpraxis vorweisen konnte und nach dem Rauswurf aus dem Kader des Hamburger SV auf Vereinssuche ist. Neben Djourou müsste nun Norwich-City-Verteidiger Timm Klose zum Einsatz gelangen. Der Einsatz von Basels Manuel Akanji oder der «Rückzug» von Valon Behrami vom defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung, so wie zuletzt im Testspiel gegen Weissrussland (1:0) geübt, sind wohl keine reellen Alternativen. Schweizer Meister Akanji schnuppert zum allerersten Mal A-Nati-Luft; Behrami braucht es als «Staubsauger» für die schwierigen Zweikämpfe im Mittelfeld.

Die Färinger fürchten Stephan Lichtsteiner

Behrami beantwortete jedenfalls die Frage eines färöischen Journalisten, wie denn die Schweizer Taktik gegen die Färöer aussehen werde, so: «Das hat uns der Trainer selber noch nicht verraten. Aber wir werden viel Ballbesitz wollen, und wir werden geduldig sein müssen. Ich weiss, dass wir Angreifer haben, die den Unterschied machen können.»

Noch einmal sorgte der färöische Journalist für Gelächter. Er sprach nämlich den Adligenswiler Stephan Lichtsteiner auf dessen Tor im Hinspiel (2:0) in Luzern an und bat den Captain der Schweizer Nationalmannschaft, dies in Torshavn doch bitteschön nicht zu wiederholen. Wie er denn als Star von Juventus Turin für ein solches Spiel, in einem viel kleineren Stadion, vor viel weniger Zuschauern, die Motivation nochmals hochfahren könne, war dann die eigentliche Frage. Die Antwort des Luzerners: «Nur wer solche Spiele gewinnt, kann auch die grossen Spiele gewinnen.»

Petkovic fordert mehr Produktivität

Dieses Statement dürfte Nationaltrainer Vladimir Petkovic gefallen haben. Er sagte dann nämlich: «Wir müssen den Willen, den ich im Trainingscamp gespürt habe, mit auf den Platz nehmen.» Petkovic weiss, dass die Schweizer auf den Färöer-Inseln nur verlieren können, denn ein Sieg wird sowieso erwartet, alles andere würde vermutlich den Vorsprung auf Portugal in der Tabelle schrumpfen oder verschwinden lassen. Deshalb fordert Petkovic von seinen Offensivspielern vor dem gegnerischen Tor mehr Produktivität als zuletzt.

Die Färöer-Fussballer ihrerseits haben sich vorgenommen, nach dem 0:0 im Heimspiel gegen Ungarn, auch die Schweizer Stars zu ärgern. Das will sich Watford-Profi Behrami nicht gefallen lassen: «Wir wollen dieses Spiel gewinnen», sagte er, «dann können wir glücklich und zufrieden in die Ferien gehen.»