FUSSBALL: Bei ihm läuft immer etwas

Der SC Kriens steigt als Leader in die Rückrunde der Promotion League. Die Reise führt zu Beginn, wie bereits am Donnerstag, nach Sion. Offensivspieler Michael Weber nimmt sich einiges vor.

René Barmettler
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Michael Weber (rechts) hat seine Rolle im Team der Krienser gefunden.Bild: Jakob Ineichen (Kriens, 10. September 2016)

Michael Weber (rechts) hat seine Rolle im Team der Krienser gefunden.Bild: Jakob Ineichen (Kriens, 10. September 2016)

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Es läuft viel im Leben des Michael Weber. Der 22-Jährige steht vor einer aufregenden Rück­runde. Als Vorspeise sozusagen stand er mit seinem Team am Donnerstag im Cup-Viertelfinal im Einsatz. Im Tourbillon verlor er mit seinem Team nach aufopferndem Kampf mit 1:5. Bereits morgen Sonntag führt die Reise wieder nach Sion. Die U21-Mannschaft der Walliser stellt sich der Herausforderung, dem Leader ein Bein zu stellen. «Wir konnten in der Vorrunde viel Selbstvertrauen tanken. An den Aufstieg zu denken, ist jedoch verfrüht», sagt der SC-Kriens-Offensivspieler Weber. «Wichtig ist aber, eine gute Atmosphäre im Team zu ­haben.»

Verzichten muss das Team indes auf die gewohnte Kleinfeld-Stimmung an den Heimspieltagen. Der SC Kriens trägt wegen des Neubaus des Heimstadions seine Spiele im Gersag-Stadion in Emmenbrücke aus. «Wir müssen uns möglichst schnell zurechtfinden und das Beste daraus machen», findet Weber.

Der Aargauer kennt sich in Emmenbrücke bereits bestens aus. Ein Teil seiner fussballerischen Ausbildung fand am dortigen nationalen Stützpunkt statt, den es inzwischen nicht mehr gibt. Dazu besuchte er dort auch das 8. und 9. Schuljahr. Seine Wurzeln hat Weber in Zofingen, «der schönsten Stadt der Schweiz», wie er mit einem breiten Lachen meint. Auch die Fasnacht hat er im Blut, «ich spielte als Sechsjähriger, wie meine Eltern auch, in einer lokalen Guuggenmusig. Ich habe die letzten Tage aber auch die Fasnacht in Luzern genossen.» Selbstredend mit Zurückhaltung im Hinblick auf die Aufgaben, die kamen (Cup) und kommen werden.

Sein Tag müsste 30 Stunden haben

Seit vergangenem Sommer spielt Weber in Kriens, und er brachte mit seinen erst 22 Jahren einiges an Erfahrung mit. Seine Laufbahn führte ihn zum Aargauer Nachwuchs, der FC Basel holte ihn zu den U18. Zusätzlich bestritt er insgesamt 21 Länderspiele mit der Schweiz U15, U16, U17 und U18. Nach zwei Saisons bei Basel U21 erhielt er im Frühjahr 2015 einen Vertrag beim FC Wohlen in der Challenge League. Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung nach Ende der letzten Saison schlugen fehl. Weber verhehlt nicht, dass auch finanzielle Gründe ausschlaggebend waren. Der FC Wohlen beschäftigt zwar Vollprofis, kann aber keine attraktiven Saläre bezahlen. Bald danach brachte sich SCK-Trainer Marino Jurendic ins Spiel. «Er war ein wichtiger Punkt für den Wechsel. Wir telefonierten fast eine Stunde lang. Dann war die Sache klar, meine Zukunft liegt beim SC Kriens.»

Seit Januar arbeitet er halbtags als Geschäftskundenbetreuer bei der Postfinance in Kriens. Dies ist möglich, weil er während der Fussballausbildung stets auch schulisch aktiv blieb (Wirtschaftsmittelschule und Berufsmatura). Beruflich ist er nun in Kriens in doppelter Hinsicht verankert, und deshalb müsse schon ein sehr verlockendes Angebot eines Klubs auf den Tisch zu liegen kommen, bevor Michael Weber sich Gedanken über einen weiteren Wechsel machen würde.

Fussball ist für Michael Weber nicht das Einzige. Das wäre ihm schlicht zu langweilig. Bei ihm muss immer etwas gehen. Deshalb übt er seinen Beruf als Finanzberater mit Begeisterung aus. Auch privat verfolgt er ein Projekt. Er betreibt ein Netzwerk für Sport, Gesundheit und Ernährung ( www.wenet.swiss ). Derart ausgefüllt ist sein Leben, sodass er keine Zeit für Hobbys hat. Man spürte aber im Gespräch, das letzten Dienstag stattgefunden hat, heraus, dass sich Michael Weber in seiner jetzigen Situation wohl in seiner Haut fühlt. «Ich gebe gerne Vollgas und bedaure, dass der Tag nicht 30 Stunden hat. Aber es werden irgendwann ruhigere Zeiten anbrechen.» Allzu weit in die Zukunft blicken, das mag Weber nicht. Das sportliche Wohl mit dem SC Kriens hat im Moment eindeutig Vorrang.