FUSSBALL: Carlos Bernegger: «Das wird eine verdammt harte Vorrunde»

Luzern-Trainer Carlos Bernegger (45) redet vor dem Saisonstart zu Hause gegen Sion (Sonntag, 13.45) über seine neue Mannschaft, François Affolter und sein Verhältnis zu Alex Frei.

Interview Daniel Wyrsch
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FCL-Trainer Carlos Bernegger ist gespannt darauf, wie sein neues Team in der neuen Saison agieren wird – und zwar «nicht nur in guten, sondern auch in schwierigen Phasen.» (Bild Philipp Schmidli)

FCL-Trainer Carlos Bernegger ist gespannt darauf, wie sein neues Team in der neuen Saison agieren wird – und zwar «nicht nur in guten, sondern auch in schwierigen Phasen.» (Bild Philipp Schmidli)

Carlos Bernegger, nach dem Hinspiel gegen St. Johnstone folgt nun der Ligastart zu Hause gegen Sion und am Donnerstag das Rückspiel in Schottland. Es geht Schlag auf Schlag. Wie finden Sie diesen Rhythmus?

Carlos Bernegger: Es bleibt keine Zeit zum Grübeln, das ist gut so. Schön an den internationalen Spielen ist, dass die Mannschaft und der Staff noch näher zusammenrücken. Durch das vollbepackte Programm essen wir nun öfter gemeinsam am Mittag im Stadion.

Vor dem Match in Perth startet der FCL am Sonntag in die Meisterschaft. Das grosse Thema beim Gegner Sion ist, dass Trainer Claudio Gentile sein Amt gar nicht antrat und Fredy Chassot interimistisch einspringen musste. Profitiert der FCL davon?

Bernegger: Chassot, der letzte Saison Assistenztrainer war, kennt die Mannschaft genau, und umgekehrt kennen die Spieler ihn. Zudem hat Sion mit Ramirez einen sehr interessanten Angreifer geholt, bei Léo, Vidosic und Carlitos wissen wir, wie brandgefährlich diese Stürmer sind. Die Walliser sind schnell hinter dem Ball und konsequent – ein unangenehmer Gegner wie schon St. Johnstone. Daheim müssen wir clever umgehen mit den Situationen, die sich aus dem Spiel heraus ergeben. Ich freue mich, dass gerade nach dem 1:1 vom Donnerstag wieder so ein hartes Spiel auf uns zukommt.

Verstehen Sie die öffentliche Kritik, der François Affolter nach dem Abwehrfehler gegen St. Johnstone bereits wieder ausgesetzt ist, weil man von einem erfahrenen Verteidiger wie ihm ein anderes Verhalten erwartet?

Bernegger: Unsere Spieler müssen die Leistung unter Beobachtung bringen. Das heisst, wir müssen belastbar sein, um diese Kritik auszuhalten. Gerade als der Umbruch stattgefunden hat und man sich von den beiden bisherigen Innenverteidigern trennte, hat man François Vertrauen gegeben, weil man an seine Fähigkeiten glaubte. Wir werden alles unternehmen, dass er die Situation in den Griff kriegt und daran wachsen kann. Ich habe es gerne, wenn die Verteidiger angreifen können und die Angreifer verteidigen können. Trotzdem ist nicht zu vernachlässigen, auf welcher Position einer spielt, letztlich ist dies seine Hauptaufgabe.

Verfügt die neue Mannschaft über mehr Potenzial als das vorangegangene Team?

Bernegger: Das ist die Frage, die wir uns im Trainerstaff täglich stellen. Sicher ist die Mannschaft anders. Ich würde nicht sagen besser oder schlechter, wir werden es in dieser Vorrunde sehen. Wir hatten den Plafond erreicht, ein Zyklus ging zu Ende. Jetzt fängt die neue Meisterschaft an, und wir wissen nicht, wie die Individuen und die Mannschaft unter Schwierigkeiten reagieren. Im Ansatz sieht es gut aus, aber es geht um die Punkte. Ich sage immer, ich möchte eine kompetitive Mannschaft sehen, die in der Lage ist, unter allen Umständen ihre Leistung abzurufen. Wir müssen möglichst schnell ein wirklich homogenes Team werden, um wettkampftauglich zu sein.

Welchen Spielstil wollen Sie mit dieser neuen Mannschaft spielen lassen?

Bernegger: Wir wollen versuchen, so aktiv wie möglich aufzutreten, zu agieren und spielbestimmend zu sein. Wenn das nicht geht, ist natürlich das defensive Element gefragt. Gerade in der Innenverteidigung und auf der Sechserposition, wo sich das Herz und der Kopf der Mannschaft befinden, wird es noch eine bestimmte Zeit dauern, bis wir die nötigen Automatismen erlangt haben. Gleichzeitig sind wir auch im Angriff neu besetzt. Auf den zentralen Positionen spielen wir generell mit neuen Leuten. Wir sind gespannt, wie wir uns entwickeln können. Nicht nur in guten Momenten, sondern auch in den schwierigen Zeiten, die ganz sicher auch kommen. Dann wird es wichtig sein, wie wir reagieren können, denn das wird eine verdammt harte Vorrunde. Wir sind darauf sicher gut vorbereitet.

Nach dem Ligaerhalt 2013 und dem europäischen Platz 2014 kommt für Sie also eine nächste Phase hinzu?

Bernegger: Das ist eine neue Herausforderung für mich, es kommt nun die dritte Phase, die sicher sehr produktiv sein wird.

Wir behaupten: Die Zusammenarbeit mit Alex Frei ist oft schwierig für Sie, und nicht selten wird es laut zwischen Sportchef und Trainer.

Bernegger: (schmunzelt) Es ist eine normale Zusammenarbeit. Ich fordere, was die Mannschaft braucht, er ist in einer neuen Position, in der er auf bestimmte Dinge im Sinn des Vereins achten muss. Dafür habe ich Verständnis. Zusammen wollen wir, dass der Verein vorwärtskommt. Zwischen Sportchef und Trainer kann es zu unterschiedlichen Auffassungen kommen. Bei unseren Charakteren kommt es natürlich vor, dass es hin und wieder laut wird zwischen uns.

Sind Sie 100-prozentig zufrieden mit den Transfers, die Alex Frei gemacht hat?

Bernegger: Der Umbruch, der voraussehbar war, ist jetzt da. Alex Frei hat sich bemüht, sinnvolle Korrekturen vorzunehmen. Auf ein, zwei Positionen müssen wir versuchen, uns zu verstärken.

Denken Sie an einen Innenverteidiger und einen Spielmacher?

Bernegger: Genau.

An der WM imponierte Ihnen die individuelle Klasse von James Rodriguez, Toni Kroos und Mario Götze. Wer ist der Luzerner Götze?

Bernegger: Ich habe grosse Hoffnungen, dass uns Jahmir Hyka ein paar Tore und Assists garantieren kann. Das überragende Dribbling von Jahmir und die Technik von Dario können uns einige Zusatzpunkte bringen.