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FUSSBALL: Cham spielt ohne Rücksicht auf Verluste

Beim 3:3 gegen das U-21-Team des FC Zürich zeigte sich der SC Cham in der Promotion League von seiner spektakulären Seite – weil er nicht anders kann.
Raphael Biermayr
Der Chamer Roman Herger (hinten) bejubelt einen seiner zwei Treffer gegen den Ex-Super-League-Torhüter Anthony Favre. (Bild Raphael Biermayr)

Der Chamer Roman Herger (hinten) bejubelt einen seiner zwei Treffer gegen den Ex-Super-League-Torhüter Anthony Favre. (Bild Raphael Biermayr)

Raphael Biermayr

Es macht keinen Unterschied, ob der SC Cham in Führung liegt, ob er im Hintertreffen ist, oder ob das Spiel unentschieden steht: Er spielt immer auf den nächsten Torerfolg. Dieser Mut hat in der vergangenen Aufstiegssaison eine Menge zum überraschenden Abschneiden auf dem zweiten Platz beigetragen.

In der gerade begonnenen Spielzeit 2016/17 dürfte der Sportclub allerdings niemanden mehr überrumpeln können mit seiner Courage. Da wäre etwas mehr Zurückhaltung angezeigt. Doch wie das jüngste Beispiel zeigt, will er davon nichts wissen. 3:3 hiess es am Ende gegen die U-21-Mannschaft des FC Zürich. Angesichts zweier aus der Hand gegebener Führungen (1:0 und 2:1) liest sich das wie eine Niederlage. Doch erst in der 87. Minute gingen die Zürcher mit 3:2 in Front. Dalibor Stojanov rettete per Elfmeter zwei Minuten später doch noch einen Punkt für die Gäste.

Portmanns Philosophie

Das Remis ging in Ordnung, doch zu einer Zitterpartie hätte es nicht werden müssen für Cham. Wie eingangs erläutert, spielte der Sportclub aber zu jeder Phase der Begegnung mit der gleichen Einstellung: brennend nach vorn, ohne Rücksicht auf Verluste. Darauf angesprochen, sagte der Chamer Trainer Jörg Portmann ehrlich: «Diese Mannschaft kann gar nicht herunterkühlen. Wir haben sie mit Spielern bestückt, die vor allem an die Offensive denken.» Diese Philosophie sei «ein Stück weit» gefordert von ihm, «auch wenn sie natürlich immer ein Risiko birgt.» Das Risiko nämlich, in Sturm und Drang unterzugehen. In Schwamendingen dauerte es eine Weile, bis die Chamer ihr stürmisches Gesicht überhaupt zeigen konnten. Sie brauchten sich in die Partie zu kämpfen, die für sie eine schmeichelhafte 1:0-Führung nach 45 Minuten bereithielt.

Der zu Grunde liegende Treffer war allerdings herrlich anzusehen: Jakovljevic warf schnell ein, Nimi schirmte den Ball ab und setzte den ihn hinterlau­fenden Nicholas Walker ein, dieser flankte in den Strafraum, wo Herger einen wuchtigen Kopfball in die Maschen setzte. Der Torschütze war der auffälligste Chamer, was an seiner Zweikampffreude lag, vor allem aber an der Tatsache, dass er noch ein zweites Mal traf: Nach Dätwylers Rush auf der rechten Seite spitzelte Herger den Ball in der Mitte zum 2:1 für die Gäste ins Tor (60.).

Mit der Führung im Rücken hätte eine Tieferstaffelung der Mannschaft Sinn ergeben. Doch so klaffte zwischen Mittelfeld und Abwehr stets eine Lücke, was die schnellen Zürcher nutzten. Sie setzten den Verteidiger Fabi Niederhauser zweimal mit weiten Bällen unter Druck, der Chamer reagierte jeweils falsch und trug an den Toren zum 2:2 (71.) und 3:2 (87.) eine Mitschuld. «Die Gegentreffer fielen wegen individueller Fehler, das hatte nichts mit der Ausrichtung der Mannschaft zu tun», befand Jörg Portmann nach der Partie.

Das Problem mit den Ferien

Auffällig: Der Trainer wechselte gegen die FCZ-Reserven erst in der 68. Minute zum ersten Mal. Dabei hatte der Sportclub nur drei Tage zuvor in Kriens bereits einen Ernstkampf bestritten (1:2-Niederlage). Dort war der erste Spielertausch erst in der 63. Minute Tatsache geworden. Das zeugt von der mangelhaften Fitness vieler (Ersatz-)Spieler infolge Ferienabsenzen. Die Chamer hatten eine schlechte Saisonvorbereitung, was der Trainer nicht verhehlt. «Die Ferienabwesenheiten haben ein zu grosses Ausmass angenommen. Wir wollen das in Zukunft anders gestalten», kommentierte er dieses Problem, das man eher in der 2. Liga verortete als in der dritthöchsten Spielklasse der Schweiz. Dieses Manko kann sich gerade in Cham rächen, wo nur dreimal wöchentlich trainiert wird. Portmann will bei diesem Thema nicht den Lehrer heraushängen lassen, der er im Arbeitsalltag ist: «Ich habe Verständnis, wenn Spieler wegen der Schule nicht anders in die Ferien gehen können. Und letztlich sind hier alles Amateursportler, auch wenn es einen Batzen gibt.»

Dennoch: Gerade für den von Portmann forcierten Hurra-Fussball braucht es ein fittes und eingespieltes Team.

FC Zürich U 21 - Cham 3:3 (0:1)

Heerenschürli, Schwamendingen. – 120 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 33. Herger 0:1. 53. Kryeziu 1:1. 60. Herger 1:2. 71. Pagliuca 2:2. 87. Sulejmani 3:2. 89. Stojanov 3:3 (Handspenalty).

Zürich: Favre; von Niederhäusern; Sadrijaj, Kryeziu, Stettler; Rohner (71. Zoller), Aliu, Janjicic (81. Kouamé), Ribeiro (73. Rexhepi); Sulejmani, Pagliuca.

Cham: Merlo; N. Walker, Elvedi, Niederhauser, Balaj (68. Stojanov); Nimi (82. T. Walker), Christen, Jakovljevic, Gasser; Herger (79. Scherer); Dätwyler,

Bemerkungen: Cham ohne Bader (gesperrt) und Wüest (verletzt). – Verwarnungen: 43. Pagliuca (Reklamieren), 47. Gasser (Ballwegschlagen), 52. Merlo (Foul), 65. Sadrijaj (Reklamieren), 67. Elvedi, 74. Stojanov, 79. Nimi (alle Foul). – Gelb-Rot: 88. Sadrijaj (Hands).

Chams Dätwyler (links) im Dribbling. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Chams zweifacher Torschütze Herger spektakulär (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Chams torhüter Merlo checkt den Gegner nieder. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Jubel bei den Chamern Herger (hinten) und Nicholas Walker. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Glück für Cham: Sulejmani vergibt. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
Die Chamer sind am Boden nach dem dritten Gegentor. (Bild: Raphael Biermayr / Neue ZZ)
6 Bilder

FC Zürich U21 - SC Cham 3:3

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