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FUSSBALL: Chance auf spannendes Titelrennen

Nach dem herausragenden Saisonstart diskutieren Deutschlands Fans: Kann Borussia Dortmund Meister werden? Es gibt Argumente, die dafür sprechen. Aber auch Zweifel.
Benjamin Klett
Bleibt er die Nummer eins bei Borussia Dortmund? Der Schweizer Goalie Roman Bürki im Champios-League-Spiel gegen Real Madrid. (Bild: Bernd Thissen/Keystone (Dortmund, 26. September 2017))

Bleibt er die Nummer eins bei Borussia Dortmund? Der Schweizer Goalie Roman Bürki im Champios-League-Spiel gegen Real Madrid. (Bild: Bernd Thissen/Keystone (Dortmund, 26. September 2017))

Benjamin Klett

sport@luzernerzeitung.ch

Eigentlich müsste Peter Bosz aktuell ziemlich ratlos sein. In der Sommerpause kurz vor dem Liga-Start sagte er: «Wenn alle Spieler meine Philosophie zu diesem frühen Zeitpunkt schon komplett verstanden hätten, könnte ich das nicht verstehen.» Dann ergänzte er vorsichtshalber: «Nach meinen Erfahrungen ist das so schnell nicht möglich.»

Er hat Recht. Irgendwie. Aber auch nicht wirklich. International steht der BVB nach zwei Champions-League-Spielen mit null Punkten schon vor dem Aus. National aber grüssen die Dortmunder nach sechs Spieltagen von der Tabellenspitze. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit beeindruckenden Zahlen: fünf Siege, ein Unentschieden, 19:1 Tore. Im Klartext: bester Start der Vereinsgeschichte. Das ist gut fürs Selbstvertrauen. Auf die Frage, wo der BVB denn am Ende der Saison stehe, antwortete der langzeitverletzte Marco Reus kurz und bündig: «Erster!»

Trainer Bosz besiegt die Anfangszweifel

Ein attraktiver Fussball mit hohem Spassfaktor regt jedenfalls die Fantasie an. Auch Sportdirektor Michael Zorc sang nach dem 6:1-Erfolg gegen Gladbach zuletzt das hohe Lied und wählte in seinem Vortrag Wörter wie «hervorragend» und «überragend». Von einem bevorstehenden Machtwechsel in Deutschland wollte er dann aber doch lieber nichts wissen: «Das ist ganz, ganz weit weg. Wir denken extrem von Spiel zu Spiel.»

Das Gladbach-Spiel, als Dortmund ein wahres Offensiv-Feuerwerk abbrannte, geriet zum stillen Triumph von Peter Bosz. Warum? Der Tuchel-Nachfolger hat die Anfangszweifel damit vorerst besiegt. Seine Spielphilosophie, die stark an Barcelona und den damit verbundenen Cruyff-Stil erinnert, scheint aufzugehen. Offensiv denkend, viel Ballbesitz, eine hochstehende Abwehr und starkes Gegenpressing. Bosz hat Jürgen Klopps Überfall-Fussball mit Thomas Tuchels Ballbesitz-Fussball kombiniert.

Für die Rahmenbedingungen haben im Sommer wieder einmal Michael Zorc und Chefscout Sven Mislintat gesorgt. Clevere Transfers wie Maximilian Phi­lipp, Andrij Jarmolenko und Mahmoud Dahoud haben sofort ­eingeschlagen. Bosz kann die Einsatzzeiten seiner Spieler dosieren, ohne dabei grosse Qualitätseinbussen zu haben. Da geraten selbst der Abgang Ousmane Dembélés und die Verletzten wie Marco Reus, Marc Bartra sowie Raphaël Guerreiro und André Schürrle etwas in Vergessenheit.

So spektakulär der Dortmunder Offensiv-Fussball ist, so anfällig sind die Schwarz-Gelben phasenweise aber auch in der Defensive. Ein Gegentor nach sechs Spieltagen sorgt zwar statistisch gesehen für die beste Defensive der Liga – allerdings hat man in der Champions League gegen Tottenham (1:3) und Real Madrid (1:3) gesehen, dass das risikoreiche System auf Top-Niveau bestraft wird. «Uns ist es nicht gelungen, unser Spiel so wie in der Bundesliga durchzuziehen», erkannte der Schweizer Goalie Roman Bürki nach der Niederlage gegen die Madrilenen – und ergänzte: «Wir haben versucht, Pressing zu spielen. Es hat aber nicht geklappt.» Ein Freudenfest für eine Mannschaft wie Real. Aber selbst die Gladbacher hatten Chancen, um das Spiel offener zu gestalten. Folgerichtig moniert Zorc den gelegentlich «etwas leichtfertigen Umgang mit Ballbesitz» und eine phasenweise zu lässige Spielweise. Stürmer Mario Götze gesteht: «Das war gegen Gladbach unser einziges Manko.»

Gerüchte um Torhüter Bürki

Ein weiteres sehen einige Experten auch in Bürki. Zwar könnte man meinen, dass es für ihn aktuell kaum besser laufen kann – mit nur einem Gegentor in der Liga. Doch immer wieder kursieren Gerüchte, dass Dortmund nach einer neuen Nummer eins suche. Zuletzt, als er gegen Tottenham bei zwei Treffern nicht ganz so gut aussah. Doch der 26-Jährige lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Zu sehen war das gerade erst wieder gegen Real Madrid. Dass die Partie am Ende nur 1:3 ausging, war vor allem Bürkis Leistung zu verdanken. Das war auch Bosz nicht entgangen, der befand: «Er hat uns sehr gut geholfen.»

Unabhängig von Bürki: Ob die Borussen den Bayern, die spätestens Mitte Oktober einen Nachfolger für den entlassenen Trainer Carlo Ancelotti präsentieren wollen, im Meisterschaftsrennen wirklich Paroli bieten können, wird sich in den nächsten Wochen erst noch zeigen. Denn dann kommen die hochkarätigen Gegner wie RB Leipzig, Hoffenheim, Bayern und Schalke. Das weiss auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der sagt: «Für mich ist es schon ein Wunder, dass wir jetzt Tabellenführer sind. Und die Frage ist immer: Was passiert bei Bayern? Wenn sie ihre Form abrufen, haben wir keine Chance. Die müssten erst einmal Federn lassen, dann würde es auch mal wieder einen anderen Deutschen Meister geben.» Vielen Fans würde es schon reichen, wenn der Titelkampf etwas spannender werden würde. Und zumindest dafür stehen die Chancen gar nicht so schlecht.

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