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FUSSBALL: Das neue Selbstvertrauen der Färöer

Die Färöer-Inseln bereiten sich in Emmen auf ihr Spiel gegen die Schweiz vor – und ärgern sich über den Trainingsplatz. Ansonsten fühlen sie sich aber wie zu Hause.
Hans Peter Roth
Vorbereitung auf holprigem Rasen: Die Färöer (Brandur Olsen am Ball) bekunden Mühe mit dem schwer bespielbaren Terrain im Gersag-Stadion in Emmen. Bild: Roger Grütter (Emmen, 11. November 2016)

Vorbereitung auf holprigem Rasen: Die Färöer (Brandur Olsen am Ball) bekunden Mühe mit dem schwer bespielbaren Terrain im Gersag-Stadion in Emmen. Bild: Roger Grütter (Emmen, 11. November 2016)

Übungsspiel der färöischen Nationalmannschaft am Donnerstagmorgen. Die Jüngeren treten gegen die etwas Älteren im Team an. Brandur Olsen schlittert und bleibt liegen. Wurde er gefoult? Scheint nicht der Fall zu sein. Ist er gestrauchelt? Verletzt? Auch nicht das Problem. Olsen steht auf. Unversehrt. Aber etwas genervt reibt er die dreckverklebten Hände ab.

«Macht eure Zeitung das auch zum Thema?», fragt später sein Teamkollege Gilli Sørensen. «Dieser Platz!» Er spricht vom Fussballplatz des Gersag-Stadions in Emmen, der dem färöischen Team zur Vorbereitung dient auf das WM-Ausscheidungsspiel gegen die Schweiz morgen Sonntag in Luzern. «So etwas habe ich als Profispieler noch nie erlebt. Ein Acker ist das!» Tatsächlich ist das Terrain im Gersag schwierig bespielbar. Flache Bälle springen auf dem holprigen Rasen oder spritzen unberechenbar aus der Bahn. «Ich frage mich, ob wir absichtlich mit einem solchen Gelände bedient worden sind», ärgert sich der 24-jährige Gilli Sørensen – um gleich zu betonen: «Ansonsten ist aber alles super. Wir sind hier bestens aufgehoben.»

Rasen, Bus und Hotel

Selbst das Wetter passt: «Wie zu Hause», meint Profispieler Brandur Olsen. Regenschauer, leicht windig, sieben Grad. Auf dem Heimatarchipel, mitten im Atlantik zwischen Schottland und Island auf 62 Grad Nord, ist dies das Durchschnittswetter.

Seit Dienstag halten sich die Färinger mit etwa 30 Mann zur Vorbereitung des Spiels gegen die Schweiz in Luzern auf. Am Montag nach dem Spiel geht es zurück in den Norden. Viel von der Schweiz und Luzern bekommen die nordischen Fussballer während dieser sechs Tage nicht mit. «Eine zweistündige Besichtigung der Luzerner Altstadt ist vorgesehen», sagt Olsen. «Ansonsten sieht man vor allem den Rasen, den Bus und das Hotel. Aber das ist normal, wir sind ja nicht auf einer Ferienreise.»

Gut 200 färöische Fans werden morgen zum Spiel in der Swissporarena erwartet. Nebst einem guten Dutzend in der Schweiz lebenden Färinger, die zur Partie kommen, reisen sie vor allem aus Dänemark und von den Inseln selber an. Kein Klacks für diese weitgehend autonome Zwergnation mit ihren nur rund 50 000 Einwohnern. Passend werben die Trikots der Fussballelf unter anderem für die nationale Fluglinie.

«Die Schweizer müssen sich warm anziehen»

Auch in der Schweiz hat die färöische Mannschaft einige Fans. Zum Beispiel Aurelio Balbis aus Zug. Der 62-jährige Italo-Schweizer ist «beeindruckt über die Entwicklung des färöischen Fussballs, wenn ich vergleiche, wie das noch ums Jahr 2000 aussah». Damals seien die Färinger noch «Kanonenfutter» für die grossen Teams gewesen. «Heute können sie jeder Mannschaft gefährlich werden. Das zeigen auch ihre bisherigen Gruppenspiele. Die Schweizer müssen sich also warm anziehen.»

Brandur Olsen und Gilli Sørensen, die als Profis in den Top-Ligen Dänemarks beziehungsweise Norwegens spielen, stehen sinnbildlich für die Entwicklung und Professionalisierung im färöischen Fussball. Und für ein neues Selbstvertrauen. «Klar wird es schwierig gegen die Schweiz», sagt Olsen. «Doch wir sind gut eingestellt und hoch motiviert. Ich hoffe auf ein Unentschieden.» Mannschaftskollege Sørensen ergänzt ebenso selbstbewusst: «Nach dem 0:6 gegen Portugal müssen wir uns etwas beweisen. Wenn alles passt, können wir es mit jeder Mannschaft aufnehmen.»

Zehn Spieler des Gastteams sind bereits als Profis tätig – in Norwegen, Dänemark und Island. «Dieser Trend muss sich noch verstärken, wenn wir mit Grossen wie der Schweiz mithalten wollen», ist Sørensen überzeugt. Und Olsen meint: «Unsere isländischen Nachbarn sind ein ermutigendes Beispiel dafür.»

Neben den Profis gibt es sie aber noch: Färöische Hobby­kicker, die als Bürolisten, Lehrer oder Zimmerleute gegen die Grossen dieser Welt antreten. Sei es Portugal – oder die Schweiz, wie morgen Sonntag.

Hans Peter Roth

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