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FUSSBALL: «Der FC Sion ist Constantins Kind»

Raimondo Ponte (58) war einst Trainer in Luzern. Als Sion-Coach empfängt er am Sonntag (16.00, SRF 2) den FCL im Tourbillon. Aus Ponte spricht die Anspannung – falls dies nicht zu seiner Taktik gehört.
Interview Daniel Wyrsch
Fordert mehr Anstand beim Verlieren: Sion-Trainer Raimondo Ponte. (Bild: Keystone/Olivier Maire)

Fordert mehr Anstand beim Verlieren: Sion-Trainer Raimondo Ponte. (Bild: Keystone/Olivier Maire)

Raimondo Ponte, haben Sie in den zehn Tagen seit dem ersten Sieg mit Sion, dem 3:0 zu Hause gegen YB, viel ruhiger arbeiten können?

Raimondo Ponte: Ja, das ist sicher der Fall gewesen.

Zuvor war das wohl ganz anders?

Ponte: Die Mannschaft hatte sieben Mal hintereinander verloren. Sie ist mir vorgekommen wie ein Team, das sich nicht sicher fühlt. Verständlicherweise.

Nach Ihrem negativen Auftakt mit den Niederlagen in Basel und Thun wollten Sie das Unglück nicht mehr thematisieren. War Ihr Erfolgsrezept wirklich derart simpel?

Ponte: Wenigstens nach dem verlorenen Match in Thun hatte ich keine Zeit mehr, auf unsere Fehler einzugehen. Denn schon drei Tage später spielten wir gegen YB. Um das Negative aus Thun aufzuarbeiten, wäre die Mannschaft nicht bereit gewesen – und es hat ja dann im Spiel gegen die Young Boys gut geklappt.

Die Sittener verdienten sich den ersten Sieg unter Ihnen mit lange nicht gesehenen fussballerischen Tugenden wie Fleiss, Laufbereitschaft und Disziplin. Wie schwierig war es, dies den individuell starken, aber etwas ballverliebten Sion-Profis beizubringen?

Ponte: Ohne die richtige Einstellung und die erwähnten Tugenden gewinnt man nichts. Wir haben gute Spieler in unseren Reihen, aber keinen Messi oder Ronaldo, die den Unterschied ausmachen können. Es geht nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit. Meine Anweisungen wurden befolgt, es ist gut herausgekommen.

Taktisch und vom Spielsystem haben Sie gegen YB ebenfalls die richtige Lösung gefunden. Sie stellten auf eine Dreierabwehr um und haben das Mittelfeld mit vier laufstarken Spielern gestärkt. Ist gegen Luzern wieder mit einem 3-4-3-System zu rechnen?

Ponte: Ich überlege mir noch, wie ich spielen lassen will. Man kann vielleicht etwas ändern. Ich erwarte auch, dass Luzern im Vergleich zum letzten Spiel in St. Gallen etwas ändern wird. Gleich aufstellen kann ich schon aus dem einfachen Grund nicht, weil Perrier am Sonntag eine Sperre absitzen muss.

Michael Perrier ist Sions neuer Aggressivleader. Werden Sie den 24-jährigen Mittelfeldspieler vermissen?

Ponte: Schon ein bisschen.

Obwohl mit der Neuentdeckung Perrier der einzige echte Walliser fehlt, gehört die Bezeichnung «Wundertüte» für Sion unter Trainer Ponte ab sofort der Vergangenheit an?

Ponte: Das wäre schön, aber vorerst gilt es, unsere nächsten Leistungen abzuwarten. In dieser Saison kann man in der Super League nicht viele Mannschaften ausmachen, die konstant gespielt haben.

Wie lässt es sich unter einem Präsidenten wie Christian Constantin arbeiten?

Ponte: Ich habe einmal ein Bild beschrieben, das es, glaube ich, ziemlich gut trifft. Der FC Sion ist Constantins Kind. Dieses möchte natürlich vom Vater gut behandelt werden. Ist dies nicht der Fall, bleibt dem Kind halt nichts anderes übrig, als zu lächeln. Constantin investiert viel in seinen Klub. Und er will für seinen Einsatz Erfolg. Das ist legitim. Da spielt der Name des Trainers keine Rolle. Wenn man keinen Erfolg hat, wird man überall entlassen.

In Sion müssen die Trainer allerdings viel schneller gehen als irgendwo anders.

Ponte: Es gibt hier häufiger Wechsel, das stimmt. Dennoch fehlt meiner Meinung nach im heutigen Sport generell die Geduld. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen aus Schwarz Weiss machen oder umgekehrt. Dafür braucht es Zeit. Es kann am Schluss nur ein Klub Meister werden, dafür gibt es auch nur einen Absteiger. Ich finde, wir müssen wieder lernen, mit Anstand und einer guten Einstellung verlieren zu können. Das ist heutzutage schwierig geworden.

Wie ist es, wenn Monsieur Constantin plötzlich wie in Thun beim Stand von 0:3 auf der Spielerbank Platz nimmt?

Ponte: Er war in der Halbzeit gekommen und wollte behilflich sein, weil die Einstellung nicht stimmte. Der Kunstrasen kam den Thunern sehr entgegen, sie haben auch die meisten Punkte zu Hause auf diesem Belag gewonnen.

Hatten Sie also Verständnis für Constantins Reaktion?

Ponte: Ich erwarte etwas mehr Verständnis. Denn durch den Regen war die Plastikunterlage doppelt schnell geworden und wir noch mehr im Nachteil gewesen.

Jetzt kommt mit dem FC Luzern ein Gegner nach Sion, der mit nur vier gewonnenen Punkten aus den ersten fünf Partien der Rückrunde auch nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt.

Ponte: Ich orientiere mich weniger an diesen statistischen Zahlen, der Gegner ist zweitrangig. Mir ist wichtiger, dass der FC Sion richtig eingestellt ist.

Die auffälligste Schwäche der Luzerner in den letzten fünf Partien haben Sie sicher ausgemacht – jeweils ein Gegentor erhalten in den ersten zehn Minuten. Das sahen Sie doch auch?

Ponte: Das ist Pech gewesen. Ich war am Match in St. Gallen. Puljic ist für dieses Eigentor überhaupt kein Vorwurf zu machen. Es ist natürlich dumm, wenn man schon in der 1. Minute im Rückstand ist. Individuelle Fehler passieren. Dafür kann man andererseits nicht ein ganzes Team verurteilen.

Sie waren in der Saison 2001/02 zuerst Sportchef und ab August Trainer beim FC Luzern. Welcher Art sind Ihre Erinnerungen an dieses Jahr, in dem die damalige FC Luzern AG Konkurs ging?

Ponte: Ich hatte nicht geahnt, auf was ich mich einliess. Unter Präsident Albert Koller war es drunter und drüber gegangen. Es kam zu unschönen Situationen, Spieler erhielten irgendwann nur noch die Hälfte des Lohns. Jules Häfliger, der neue Präsident, hatte keine andere Wahl. Von den Leuten her war es trotzdem eine tolle Zeit gewesen, wir verstanden uns, hielten zusammen. Luzern ist eine wunderschöne Stadt, eine Fussballstadt.

Hinweis

SBB-Extrazug am Sonntag von Luzern (ab 10.42) mit Halt in Sursee (ab 10.59) nach Sion (an 14.40). Rückfahrt von Sion (ab 18.20) mit Halt in Sursee (an 21.52) nach Luzern (an 22.19). Spezialpreis mit Halbtax-Abo 33, ohne Halbtax-Abo 66 Franken.

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