FUSSBALL: Der FCL zeigt zwei Gesichter

Luzern spielt in Basel vor der Pause gut mit, geht am Schluss aber 0:3 unter. Vor allem beim ersten Treffer fehlt die Gegenwehr. Trainer Babbel nimmt seine Spieler jedoch in Schutz.

Daniel Wyrsch, Basel
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Das 3:0 für den FC Basel: Renato Steffen (links) taucht alleine vor Goalie David Zibung auf, Christian Schneuwly kommt zu spät. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Das 3:0 für den FC Basel: Renato Steffen (links) taucht alleine vor Goalie David Zibung auf, Christian Schneuwly kommt zu spät. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Für den FC Luzern wäre gestern in Basel viel mehr möglich gewesen. Doch wie Ende November verlor er 0:3. Der FC Basel präsentierte sich lange mit ungewohnten Schwierigkeiten. Zu Beginn der Rückrunde offenbarte der Meister spielerische Probleme. FCB-Trainer Urs Fischer sagte nach der Partie, dass bei seiner Mannschaft lange Zeit die Rhythmuswechsel gefehlt hätten. Man kann es auch so formulieren: Der klare Tabellenführer spielte 50 Minuten im Stand-by-Modus. Nur Matias Delgado und das 18-jährige Ausnahmetalent Breel Embolo zeigten kurzzeitig spielerische Lichtblicke.

Der FCL dagegen setzte in der ersten Halbzeit das um, was sich die Zentralschweizer vorgenommen hatten. Taktisch diszipliniert trat man in einem unerwarteten 4-3-3-System auf. Aus einer kompakten Abwehr heraus lancierten die Luzerner Gegenstösse. Als cleverer Regisseur entpuppte sich dabei Neuzugang Christian Schneuwly. Die Freiheiten im Konterspiel konnten dessen Mitspieler Clemens Fandrich und Jérôme Thiesson jedoch nicht ausnützen. Es fehlte eindeutig an der Überzeugung, die Basler Defensivleute mit mutigen Durchbrüchen zu überwinden.

Babbel hadert mit fehlendem Glück ...

Nur einmal gelang Fandrich ein genaues steiles Zuspiel auf Rechtsverteidiger Sebastian Schachten. Der frühere St.-Pauli-Profi passte weiter zur Mitte, wo Marco Schneuwly den Ball an den Pfosten schoss. FCL-Trainer Markus Babbel haderte, als er an diese Aktion in der 26. Minute dachte: «In Basel braucht es das nötige Glück, um etwas Zählbares mitnehmen zu können.»

Doch als die zweite Halbzeit keine fünf Minuten gedauert hatte, war es nicht dem Pech zuzuschreiben, dass der FCL wie aus heiterem Himmel mit 0:1 in Rückstand geriet, sondern einer Unaufmerksamkeit des bis zu diesem Zeitpunkt disziplinierten Abwehrkollektivs. Christian Schneuwly sah unvorteilhaft aus, als er Delgado in Strafraumnähe den Ball annehmen liess. Der technisch versierte argentinische Mittelfeldspieler konnte sich um die eigene Achse drehen und Birkir Bjarnason vor dem Tor steil anspielen. Der Isländer kam vor Schachten und François Affolter an den Ball, und auch Goalie David Zibung konnte ihn nicht am Treffer zum 1:0 hindern. Christian Schneuwly wusste hinterher in den Katakomben des St.-Jakob-Parks nicht so recht, wie es ihm in dieser entscheidenden Szene mit Delgado ergangen war. «Ich muss diese Sequenz zuerst im Fernsehen anschauen», meinte er. Den Baslern war es egal: Sie hatten den Match in der 50. Minute mit spielerischer Leichtigkeit in die gewünschte Richtung gelenkt.

Babbel reagierte in der 65. Minute: Er schickte mit dem zweiten FCL-Debütanten Markus Neumayr und Jahmir Hyka zwei frische Offensivkräfte auf den Platz. Doch keine sieben Minuten später waren diese Einwechslungen Makulatur: Innenverteidiger Tomislav Puljic traf Delgado im Strafraum am Fuss. Schiedsrichter Sandro Schärer zeigte auf den Elfmeterpunkt. Delgado liess sich die Chance zum 2:0 (72.) nicht nehmen.

... und dem Schiedsrichter

Die Partie war damit definitiv entschieden. Obwohl Babbel den Foulpenalty als ungerecht empfand und vom Unparteiischen sogar einen Foulpfiff zu Gunsten von Puljic forderte, bleibt nach diesem Match ein bitterer Beigeschmack zurück. Zu sehr war sein Team am Ende eingebrochen. Die meisten Luzerner Profis liessen nach dem 0:1 und erst recht nach dem 0:2 fast demonstrativ die Köpfe hängen. Babbel nahm seine Leute in Schutz, sprach davon, dass es neben Glück auch einen neutralen Schiedsrichter gegen den Branchenprimus Basel brauche. «Ich habe Verständnis für die Spieler», sagte er über das im Gegensatz zur ersten Halbzeit andere, negative Gesicht des FCL in der Schlussphase.

Nach einem Freistoss Neumayrs konterten Embolo und FCB-Neuling Renato Steffen den FCL zum 3:0 (85.) aus. Steffen bejubelte sein erstes Basler Tor. Der bald 38-jährige Walter Samuel (89.) hätte noch das sichere 4:0 machen müssen, doch der Verteidiger verschoss.