FUSSBALL: Der König der Königlichen

Zinédine Zidane hat als erster Trainer die Titelverteidigung in der Champions League geschafft. Nun macht ihm Real-Präsident Perez ein verlockendes Angebot.

Cai-Simon Preuten und Nicolas Reimer/Sid
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Real-Trainer Zinédine Zidane wird bei der Parade nach dem Champions-League-Triumph gefeiert. (Bild: Fernando Villar/EPA (Madrid, 4. Juni 2017))

Real-Trainer Zinédine Zidane wird bei der Parade nach dem Champions-League-Triumph gefeiert. (Bild: Fernando Villar/EPA (Madrid, 4. Juni 2017))

Cai-Simon Preuten und Nicolas Reimer/SID

sport@luzernerzeitung.ch

Zinédine Zidane fühlte sich geschmeichelt, aber das verlockende Angebot des Vereinspräsidenten wollte der königliche Erfolgstrainer trotz aller Euphorie (noch) nicht annehmen. «Ich weiss nicht, ob ich für den Rest meines Lebens hier bleiben werde», sagte der Franzose: «Aber ich kann versichern, dass ich bislang jede Minute genossen habe.»

Die Titelverteidigung von Real Madrid in der Champions League mit dem 4:1-Sieg gegen Juventus war nur wenige Stunden alt, die Feierlichkeiten über das ersehnte erste Double seit 59 Jahren noch nicht verklungen – und die Worte vom mächtigen Klub-Boss Florentino Perez auch deshalb ungewohnt forsch. Noch immer beseelt von der überragenden Saison seiner Mannschaft, sprach der Königlichste aller Königlichen bemerkenswerte Sätze aus. Er erklärte dem Radiosender Cadena Ser, dass Zidane ja schon «2001 unser Niveau als Spieler angehoben» habe und nun auch «der beste Trainer der Welt» sei. Die logische Folge: «Zizou kann für den Rest seines Lebens bei Real Madrid bleiben.»

Zidane zählt schon zu den Allergrössten

Seit etwas mehr als 16 Monaten schwingt Zidane das Zepter als Cheftrainer beim spanischen Rekordmeister, dem er in dieser Saison den ersten Meistertitel seit fünf Jahren beschert hat. Mit akribischer Arbeit, Sachverstand und menschlichem Feingefühl tat er dies, und es überraschte nur wenig, dass er im selben Atemzug mit den Allergrössten seiner Zunft genannt wurde.

«Ich soll plötzlich der Beste sein?», fragte Zidane fast schon ein wenig verdutzt, als er nach dem Final in Cardiff auf Ikonen wie Arrigo Sacchi oder Sir Alex Ferguson angesprochen und mit den Star-Trainern José Mourinho und Pep Guardiola verglichen wurde. «Das würde ich nun nicht behaupten», meinte Zidane: «Schliesslich war ich zu Beginn noch skandalös schlecht.»

Etwas Genugtuung schwang in den Worten Zidanes mit, denn tatsächlich waren die Stimmen der Kritiker laut gewesen, als ­Perez im Januar 2016 Zidane aus dem Hut zauberte. Zuvor hatten grösstenteils Trainer mit einer ansehnlichen Vita die Madrilenen gecoacht – und nun sollte einer das Team zu Triumphen führen, der zwar ein herausragender Spieler gewesen war, zuvor aber nur als Co-Trainer oder Chef der B-Mannschaft gearbeitet hatte?

«Er hat es geschafft, jedem das Gefühl zu geben, dass er wichtig ist», sagt Mittelfeldspieler Toni Kroos und ergänzte ehrfürchtig: «Er hat die Persönlichkeit, der jeder zuhört.» Wahrscheinlich genügten am Samstag im Champions-League-Final in der Halbzeitpause auch nur wenige Worte, um die Mannschaft auf Kurs zu bringen. «Zidane hat uns mit seinen Worten aufgerichtet und gesagt, dass er an die Stärke jedes Einzelnen von uns glaubt», verriet der Doppeltorschütze Cristiano Ronaldo: «Wie Zidane arbeitet, ist sehr schlau. Er kann jeden Spieler gebrauchen.»

Umgekehrt, das wird immer deutlicher, kann auch der Verein einen Trainer wie Zidane gebrauchen. Ein Leben lang?