FUSSBALL: Der steinige Weg zum Profifussballer

Pajtim Kasami wurde 2009 mit der Schweizer U-17-Nationalmannschaft Weltmeister. Beim FC Luzern sammelt er Spielpraxis, um in der Premier League Fuss fassen zu können. Doch längst nicht all seine Teamkollegen haben solche Träume.

Jonas von Flüe
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Pajtim Kasami beim FC Luzern. (Bild: Keystone)

Pajtim Kasami beim FC Luzern. (Bild: Keystone)

Die Schweiz träumte im November 2009 von grossen Erfolgen, die unsere Nationalmannschaft in Zukunft einfahren würde. Die U-17-Auswahl hatte soeben in Nigeria zum ersten Mal in der Schweizer Fussballgeschichte eine Weltmeisterschaft gewonnen. Da ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis diese «Golden Boys» auch im Aktivfussball für Furore sorgen werden, war der allgemeine Tenor. Dreieinhalb Jahre später ist die Euphorie bei einigen Spielern der Ernüchterung gewichen.

Pajtim Kasami war einer der WM-Helden. Mittlerweile 20-jährig, musste der zentrale Mittelfeldspieler selbst erfahren, dass der Weg eines Weltmeisters nicht unbedingt einfacher ist als derjenige eines jungen Talents ohne einen solchen Leistungsausweis. «In den Tagen nach dem Erfolg war die Freude natürlich riesig, doch bald habe ich gemerkt, dass mir dieser Titel für die Zukunft nicht viel bringt», erläutert er. Denn er wusste, dass der grosse Schritt in den Aktivfussball noch bevorstehen würde. Der körperlich starke Kasami arbeitete fleissig an seinen Defiziten und wurde unter anderem mit einem Vertrag bei Fulham belohnt, wo er immerhin 21 Mal für den Premier-League-Klub auflaufen konnte.

Bis zum Sommer ist Kasami ja an den FC Luzern ausgeliehen, um die Spielpraxis zu bekommen, die ihm in England gefehlt hat. Ein Schritt, den er gegen den ursprünglichen Willen seines Klubs unbedingt machen wollte. Was sich wie ein Rückschritt anhört, ist nach Weltmeistertrainer Dany Ryser die einzig richtige Entscheidung: «Pajtim war früher sehr ungeduldig. Nun versucht er sich zum ersten Mal über längere Zeit bei einem Verein durchzusetzen. Um sein Ziel zu erreichen, musste er den Umweg über Luzern machen.» Nach der Saison wird Kasami nach London zurückkehren, um sich dort einen Stammplatz zu erkämpfen. «Ich spüre vom Verein enormes Vertrauen und bin deshalb zuversichtlich», erzählt er. Das Potenzial, davon ist Dany Ryser überzeugt, sei auf jeden Fall vorhanden.

Ernüchterung statt Profivertrag

Während Kasami weiterhin von einem Stammplatz in einer der besten Ligen der Welt träumen darf, ist bei vielen seiner ehemaligen Teamkollegen Ernüchterung eingekehrt. Etwa beim Luzerner Torhüter Joel Kiassumbua, der gestern seinen 21. Geburtstag feierte. Er war vereinslos und hielt sich beim Erstligisten Rapperswil-Jona fit. Immerhin: Seit letztem Sommer ist er Ersatzgoalie des Challenge-Ligisten Wohlen.
Den Schritt vom Junioren-Weltmeister zum Profifussballer haben längst nicht alle geschafft. Pajtim Kasami überrascht das nicht: «Es war logisch, dass nicht alle den Sprung in die Nationalmannschaft oder die Premier League schaffen würden.» Dennoch spricht Dany Ryser, der heute als Chef Auswahlen beim Schweizerischen Fussballverband arbeitet, von einem Jahrgang 1992 mit überdurchschnittlich guten Schweizer Spielern. «Wenn es pro Jahrgang ein bis zwei Spieler in die A-Nationalmannschaft schaffen, ist es ein guter Jahrgang», erklärt er. Aus dem Weltmeisterteam konnten bereits vier Spieler Länderspielerfahrung sammeln – dies im jungen Alter von zum Teil nicht einmal 21 Jahren.

Doch was läuft bei der grossen Dunkelziffer an gescheiterten Talenten falsch? Warum spielen etliche Weltmeister heute in der Challenge League, der 1. Liga oder noch immer in Nachwuchsmannschaften? «Wir haben trotz des Weltmeistertitels vermutet, dass rund die Hälfte des Teams nie Profifussballer werden wird», sagt Dany Ryser. Zu wenig Talent ist nur ein Grund für ein frühzeitiges Scheitern. Ryser, der seit Jahren mit jungen Fussballern zusammenarbeitet, könnte wohl ein Buch über dieses Thema schreiben. «Der Schritt zum Profifussballer ist sehr gross. Plötzlich ist die Konkurrenz viel grösser, man ist auf einmal nur noch Ersatzspieler. Damit können nicht alle umgehen», erklärt Ryser. Dabei seien es genau solche Hindernisse, die man überwinden müsse und von denen ein Spieler später profitieren könne.

Karriere muss geplant werden

Eine Karriere als Fussballer gehört auch genau geplant. Und da geraten Talente häufig an die falschen Personen. «Spielervermittler und Berater vermitteln oft den Eindruck, dass der nächste Schritt einfach sei, und schätzen ihre Spieler zu gut ein», meint Ryser. Das hat auch Pajtim Kasami erlebt, der von seinem ersten Berater schlecht beraten worden sei und diesen dann ausgetauscht habe. «Bei meinem jetzigen Berater fühle ich mich wohl», sagt er. A-Länderspiele sind auch ihm zuzutrauen. Ob für die Schweiz oder für seine zweite Heimat Mazedonien, steht noch in den Sternen.