FUSSBALL: Der stille Rücktritt des grossen Förderers

Der Luzerner André «Bigi» Meier verlässt als Assistenztrainer die Schweizer U-21-Nationalmannschaft. Leise und stilvoll – so, wie er jahrzehntelang im Dienste des Nachwuchses stand.

Turi Bucher
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«Bigi» Meier (Zweiter von rechts) als Fussballer mit den ehemaligen Stars Uli Stielike, Johan Neeskens und Karl-Heinz Rummenigge (von links). (Bild: PD)

«Bigi» Meier (Zweiter von rechts) als Fussballer mit den ehemaligen Stars Uli Stielike, Johan Neeskens und Karl-Heinz Rummenigge (von links). (Bild: PD)

«Bigi» Meier (Zweiter von rechts) als Fussballer mit den ehemaligen Stars Uli Stielike, Johan Neeskens und Karl-Heinz Rummenigge (von links). (Bild: PD)

«Bigi» Meier (Zweiter von rechts) als Fussballer mit den ehemaligen Stars Uli Stielike, Johan Neeskens und Karl-Heinz Rummenigge (von links). (Bild: PD)

«Ich wollte nicht, dass es plötzlich heisst: Wann geht der endlich?» So begründet «Bigi» Meier (63) seinen Entscheid von Anfang Januar, sich als Assistenztrainer von Pierluigi Tami zu verabschieden, den Coaching-Job bei der U-21-Nationalmannschaft einem jüngeren Nachfolger freizugeben.

Ganz leise und still ging er, was aber nicht heisst, dass Meier ganz von der Bildfläche verschwindet. Seit einiger Zeit ist er Nachwuchschef beim Erstligisten FC Rapperswil, dem Partnerverein der Grasshoppers Zürich. Das Engagement Meiers für den Erstligisten hat sich bereits gelohnt: Die Rapperswilers B-Junioren wurden letzte Saison Schweizer Meister. Noch nie zuvor holte Rapperswil-Jona einen nationalen Meistertitel.

Doch wer ist dieser «Bigi» Meier eigentlich, er, der durch seine erfolgreiche Arbeit so oft in den Vordergrund katapultiert wurde und dann sogleich uneigennützig wieder in den Hintergrund rückte?

Der Spieler «Bigi» Meier

Meier wächst im Würzenbach-Quartier in Luzern auf. Sein fussballerisches Talent wird beim FC Luzern schnell entdeckt. «Ich durfte als kleiner Knirps immer mit den Grösseren mitspielen.» Deshalb rufen sie ihn zuerst alle «Piccolo». Der Übername wandelt sich über die Jahre zu «Pigi». «Als ich mit 18 Jahren zum ersten Mal für die 1. Mannschaft des FCL spielte, schrieb dann ein Journalist plötzlich vom ‹Bigi› Meier.» So entstand der «Künstlername» von André Meier.

Sein FCL-Debüt gibt «Bigi» unter dem vor wenigen Tagen verstorbenen Trainer Ernst Wechselberger. Mit 20 wechselt Meier nach Zürich zu den Grasshoppers. Dort wird er als Mittelfeld-Stratege mit GC fünfmal Schweizer Meister, erlebt Trainer wie Helmuth Johannsen oder Hennes Weisweiler. 1971 spielt er sogar zusamnen mit dem anderen Luzerner Star, Kudi Müller, bei GC. Meier: «Ich bin mit GC nie Cupsieger geworden, aber immer Meister oder Zweiter. Mitte der Siebzigerjahre gelang es uns einmal, Real Madrid aus dem Europacup der Meister zu werfen.»

Der Trainer «Bigi» Meier

1983 wird Meier bei GC zum Assistenten von Cheftrainer Hennes Weisweiler ernannt. «Neben Weisweiler waren für mich in der Folge Jürgen Sundermann oder auch Roy Hodgson prägend für die Trainerarbeit», sagt Meier.

Doch Meier fällt auf, dass damals die NLA-Klubs ihre Cheftrainer meistens im Ausland suchen. «Die Plätze waren besetzt, also sagte ich mir: Bigi, spezialisier dich auf Juniorenauswahlen.» Meier ist in der Folge massgeblich an der Entwicklung des Schweizer Junioren-Spitzenfussballs beteiligt. Bei GC, Winterthur, beim FC Luzern und SC Kriens. 1998 bewahrt er den FCL zwar noch als Interimstrainer vor dem Gang in die Abstiegsrunde. Der Deutsche Egon ­Coordes war kurzfristig abgesprungen, Meier «rettet» den FCL in sechs Spielen mit zwei Siegen und vier Unentschieden. Der FCL bietet ihm eine Aufgabe im Nachwuchs an, doch Meier entscheidet sich für den Nachbarn SC Kriens. «Konkurrenz belebt das Geschäft», sagt er dem FCL beim Abschied.

In Kriens baut er in zwölf Jahren eine der erfolgreichsten und vorbildlichsten Juniorenabteilungen der Schweiz auf. «Rund dreissig Schweizer-Meister-Titel mit diversen Juniorenteams sind es im Verlaufe meiner Nachwuchsarbeit schon geworden», erzählt er, und dem bescheidenen Meier ist es eigentlich richtig unangenehm, diese unbescheidene Zahl zu nennen. Aber Meier sagt auch: «Ich will halt immer irgendwo sein, wo man Erfolg haben kann.»

In diesen zwölf Jahren beim SC Kriens eilt Meier übrigens auch als Assistenztrainer der U-21-Nationalmannschaft von Erfolg zu Erfolg, arbeitet dort mit den Trainern Köbi Kuhn, Bernard Challandes, Pierre-André Schürmann und Pierluigi Tami zusammen. Meier-Zitat zu seinen Youngsters: «Nicht jeder schafft es in die Super League. Aber jeder kann auf sein persönlich höchstes Niveau kommen.»

Als Fussballpädagoge sagt Meier auch etwas zum aktuellen FC Luzern: «Wenn die Spieler sich solidarisch verhalten, wirds für jeden Gegner schwer. Der FCL hat ein Team, das viele Partien ohne Gegentor spielen könnte.» Meiers Wunsch: «Alle müssen Stürmer Dimitar Rangelov, von dem ich sehr viel halte, unterstützen. Und mit ‹alle› meine ich die Mannschaft, den Trainer, den Vorstand, die Geldgeber, die Fans und die Medien. Einfach alle. Dann wird Rangelov dem FCL mehrfach zurückgeben, was man von ihm erwartet.»

Meier, der von sich selber sagt, er wolle nicht in der Vergangenheit schwelgen, sich stattdessen immer neue Ziele setzen, ist offenbar auch im Ausland gefragt. Durch den langjährigen Kontakt mit dem ehemaligen georgischen Spitzenfussballer Michail Kawelaschwili (Manchester City, GC, Basel, Zürich, FC Luzern) winkt ihm eine Stelle als technischer Leiter der Auswahlteams Georgiens. Als Schweizer U-21-Assistenztrainer wird Meier vom Fussballverband im Frühling anlässlich eines Länderspiels gegen Deutschland verabschiedet.

Der Privatmann «Bigi» Meier

Meier wohnt seit Jahrzehnten in Zürich. Unmittelbar neben dem Letzigrund-Stadion, ursprünglich das Daheim des FCZ und nicht von GC. Gerne unternimmt «Bigi» von dort aus ausgedehnte Spaziergänge mit seiner Frau Hedi und Hündin Bianca. Seine beiden Kinder Diego und Simona sind längst erwachsen. Am Sonntagabend jeweils gönnt sich Meier in einem spanischen Lokal in der Nähe meistens ein Livespiel des FC Barcelona oder von Real Madrid.

Meier sagt wie selbstverständlich, dass er 2014 an die WM nach Brasilien reisen wird, um sich die Spiele der Schweiz anzuschauen. Auf die Bemerkung, die Schweiz müsse sich doch zuerst noch qualifizieren, antwortet er: «Die Schweiz qualifiziert sich zu hundert Prozent. Und wer weiss, vielleicht bekomme ich ja vom Fussballverband sogar ein paar Tickets für meine geleistete Arbeit ...»

Zeigt den Nachwuchsfussballern, wos langgeht: «Bigi» Meier. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Zeigt den Nachwuchsfussballern, wos langgeht: «Bigi» Meier. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)