FUSSBALL: Die Anfälligkeit ist hausgemacht

Luzern zeigt auch unter dem neuen Trainer Markus Babbel die bekannten Schwächen. Die Zeichen verdichten sich, dass es der Mannschaft an Qualität fehlt.

Daniel Wyrsch
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Mit Florian Stahel (vorne) und Tomislav Puljic, hier im November 2013 gegen Sions Ovidio Herea, (Bild: EQ/Pascal Muller)

Mit Florian Stahel (vorne) und Tomislav Puljic, hier im November 2013 gegen Sions Ovidio Herea, (Bild: EQ/Pascal Muller)

Einen positiven Fakt gab es aus dem torlosen Unentschieden vom Sonntag gegen den FC Vaduz: Der FC Luzern musste erstmals in dieser Saison keinen Gegentreffer hinnehmen. Markus Babbel (42) hatte bei seiner Premiere vom Team verlangt, trotz allen offensiven Bemühungen gegen den Tabellenvorletzten in der Defensive kompakt zu bleiben. Mit Ausnahme der von François Affolter in extremis geklärten Konterchance von Kwang-Ryong Pak und dem verzogenen Schuss von Pascal Schürpf liessen die Luzerner gegen ultradefensive Vaduzer nichts anbrennen. FCL-Captain Claudio Lustenberger (27) weckte mit seinen Worten nach dem Match die Hoffnung auf eine künftige defensive Stabilität: «Wenn wir weiter so kompakt spielen, hat es jeder Gegner schwer gegen uns.»

Darauf würde Markus Frei (62), der Vater von Basel-Profi Fabian Frei und einst erfolgreicher Verbandstrainer (Europameister 2002 mit der U 17), nichts wetten. Im Teleclub meinte Frei: «Eine echte Prüfung wartet auf Luzerns Defensive in zwei Wochen beim Leader FCZ. Die Zürcher haben ein viel grösseres Offensivpotenzial als Vaduz.» Bereits drei Tage vorher, am Mittwoch, 29. Oktober (19.30), empfängt der FCL den FC Aarau im Cup-Achtelfinal.

Probleme mit Innenverteidigern

Bis dahin sollte Luzerns Innenverteidiger Kaja Rogulj (28) wieder fit sein. Er musste gegen Vaduz bereits in der 11. Minute ausgewechselt werden, nachdem er einen leichten Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel erlitten hatte. Der Kroate hatte zuvor vier Meisterschaftsspiele verpasst, weil er starke Rückenschmerzen verspürte. Rogulj, im Sommer von Austria Wien gekommen, fiel schon in der letzten Saison in Österreich mit verletzungsbedingten Absenzen auf: Achtmal pausierte er wegen muskulärer Probleme, zweimal wegen Adduktorenschmerzen, einmal war er krank. Anstelle von Rogulj kam der Anfang Meisterschaft geholte Andres Lamas (30) zu vier Einsätzen. Es war alles andere als berauschend, was der fröhliche Uruguayer auf dem Platz zeigte. Er verdiente sich keine einzige genügende Note, war gleich an mehreren Gegentoren beteiligt.

Babbel sah letzte Woche im Training, dass Lamas nicht genügt. Offiziell als verletzt gemeldet, musste der gemäss eigenen Angaben fitte Südamerikaner beim Einstand des neuen Coaches auf die Tribüne. Babbel beorderte François Affolter (23) auch nur auf die Ersatzbank. Der fünffache Schweizer Nationalspieler kam für Rogulj zu 79 Minuten Spielzeit. Insgesamt zeigte er eine durchschnittliche Leistung und bekam David Zibungs Dankeshandschlag, als er hinter dem FCL-Goalie gegen den durchgebrochenen Pak klärte.

Anstelle von Affolter setzte Babbel am Anfang in der zentralen Abwehr auf den nominellen Rechtsverteidiger Sally Sarr (28). Der Franzose ist kraftvoll, schnell und fleissig, aber ihm geht die Ruhe ab, um wohl dauerhaft in der Achse zu spielen. In der 80. Minute liess er eine einfache Flanke passieren. Schürpf schlug das Geschenk aus.

Stahel stark, Puljic als Zuschauer

Während der in Luzern nicht mehr erwünschte Florian Stahel (29) bei Vaduz eine herausragende Leistung zeigte, sass der andere von FCL-Sportchef Alex Frei weggeschickte Innenverteidiger, Tomislav Puljic (31), als Zuschauer in der Swissporarena. Den kopfballstarken Hünen vermissen Luzerns Fans. Puljic hat zwei Monate lang beim Stammklub FC Zadar unter Ex-GC-Coach Miroslav Blazevic trainiert, er hält sich täglich fit. «Für den FC Luzern bin ich immer frei», sagte er.

Doch ein Puljic-Comeback unter Frei ist etwa so undenkbar, wie wenn Murat Yakin den in Basel von ihm aussortierten Ex-Profi Alex Frei als Mittelstürmer zu Spartak Moskau holen würde.

Aber nicht nur in der Abwehr spürt der FCL die von Frei verantworteten Abgänge, mindestens so schmerzhaft sind sie im Angriff. Die Schlitzohrigkeit und Durchschlagskraft des gut harmonierenden bulgarisch-ägyptischen Duos Dimitar Rangelov (31)/Mahmoud Kahraba (20) brachte Luzern 18 Tore (38 Prozent aller Treffer letzte Saison). Die meisten ihrer Tore waren entscheidend. Der mit Ex-Trainer Carlos Bernegger freigestellte Assistent Thomas Wyss bedauerte noch im Job, dass sie keine unangenehmen, egoistischen Typen mehr im Team hätten. «Rangelovs Arroganz fehlt uns.» Mit Friede, Freude, Eierkuchen ist nichts zu gewinnen.

Ein Torschütze und ein Abwehrchef

Fazit: Im Januar-Transferfenster muss der FCL in einen zweiten torgefährlichen Angreifer neben Marco Schneuwly und in einen ballsicheren, kopfballstarken Innenverteidiger investieren. Sonst besteht im Frühling Abstiegsgefahr.