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FUSSBALL: Die blutrünstigen Färinger

Die Schweiz trifft am nächsten Freitag (20.45) in der WM-Qualifikation auswärts auf die Färöer. Der in Luzern lebende Däne Ole Andersen (78) erinnert sich an seine Zeit als Trainer auf den Färöer-Inseln.
Turi Bucher
Ole Andersen im Mai 2017 in Luzern. (Bild: Pius Amrein/OA)

Ole Andersen im Mai 2017 in Luzern. (Bild: Pius Amrein/OA)

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Der Karikaturist Ole Andersen war in der Schweiz bei diversen Klubs als Trainer engagiert, beispielsweise in Sursee, ­Buochs oder Baden. Andersen, in Dänemark geboren, war aber auch zweimal Trainer auf den Färöer-Inseln, die zum dänischen Königreich gehören. 1999 erwirkte Andersens dänischer Manager ein Engagement beim Färinger Zweitligisten FS Vagur. Andersen erreichte mit dem Klub der Flughafen-Insel Vagar den ersten Rang und den direkten Aufstieg in die 1. Liga. Einige Jahre später, von 2004 bis 2006, platzierte sich Andersen mit dem Zweitligisten B71 Sandur zweimal auf dem ersten Liga-Rang, verpasste aber via damals neu geschaffene Promotionsspiele jeweils den Aufstieg. ­Andersen erinnert sich: «Es waren furchtbare, katastrophale Kunstrasenplätze, wie Sandplätze. Aber die Spieler sind gerannt wie die Wahnsinnigen.» Seine Spieler seien zwar jeweils mit blutverschmierten Beinen in die Umkleidekabine gekommen, so Andersen weiter, «hatten aber überraschenderweise auch in Sachen fussballerischer Technik durchaus etwas zu bieten».

In Sandur führte Andersen für sein Team die Ole-Taktik ein: Wenn der Ball über der Mittellinie war, durfte er nicht mehr retour gespielt werden. «Diese Taktik erforderte viel Bewegung ohne Ball, aber Ende Saison hatten wir ein Torverhältnis von zirka 90:20.» Zwischen Vagur und Sandur leitete Andersen in Florida «Soccercamps».

Das Schlachten der Wale und die Schafsmetzgereien

Ja, das Blut. Das Blut auf den Färöer-Inseln. Das vergisst Ole Andersen nicht mehr. Und damit sind die blutverschmierten Beine der Spieler nach den Trainings nur am Rande gemeint. Denn Andersen ist vor allem in Erinnerung geblieben, wie seine Spieler zuweilen mitten im Training davonrannten, einer nach dem andern, zuerst der Goalie, dann der Captain, dann der Topskorer, dann der Rest. Denn vom Fjord-Ufer her war das Signal ertönt: Die Grindwale kommen. Selbst Meisterschaftspartien seien deswegen abgebrochen worden. Auch die Polizei war schnell zur Stelle. Andersen: «Nicht, um dem Gemetzel Einhalt zu gebieten, sondern um zu überwachen, dass das Walfleisch gerecht aufgeteilt wurde und keiner sich mit einer zu grossen Portion davonstahl.»

Das blutige, grausame «Grindadráp», der Grindwalfang, gehört für die meisten Färinger zur Geschichte ihres Landes und zum selbstverständlichen Nahrungserwerb. «Ein unnötiges Abschlachten», meint Andersen, «denn die Färinger haben genug Lebensmittel zum Essen.» Auf den Färöern, den sogenannten Schafsinseln, habe, so Andersen, «praktisch jeder Haushalt seine eigene Schafsmetzgerei im Keller». Das Training jedenfalls wurde bei Ankunft der Grindwale jeweils auf den nächsten Tag verschoben. Sofern nicht wieder das ­Signal ertönte.

Die färingischen Menschen seien, so erklärt Ole Andersen, «halt ein richtiges Inselvolk. Meistens ernst und dann überraschend, wenn sie mal zu Spass aufgelegt sind.» Andersen vergleicht sie «mit den Schweizer Sennen, die ganz oben auf der Alp leben». Und der Färinger mag bei Festen viel trinken, deshalb werde Alkohol auf den Inseln reduziert und kontrolliert verkauft. «Barsk» sei er, der Färinger, sagt Andersen in dänischer Sprache. Es bedeutet: schroff. Oder: zäh.

Ungarn kam nicht über ein 0:0 hinaus

Zäh könnte es auch am Freitagabend für die Schweiz werden. Färöer hat zwar in den bisherigen vier WM-Qualifikationsspielen der Gruppe B lediglich vier Punkte geholt und das Hinspiel gegen die Schweiz in Luzern mit 0:2 verloren, andererseits im vergangenen September daheim in Torshavn dem EM-Teilnehmer Ungarn ein 0:0 abgerungen. Auch Andersen war sehr enttäuscht vom Auftritt der färingischen Mannschaft in Luzern: «Ängstlich, viel zu defensiv. Wie Schafe, die auf die Schlachtbank geführt werden.» Er kennt den Färöer-Fussball durchaus anders: «Schon damals, als ich auf den Inseln Trainer war, haben mich die technischen Fähigkeiten, die Dribbelstärke überrascht. Die sind ja mit den Kunstrasen aufgewachsen, und diese Kunstrasen sind heute qualitativ unvergleichbar besser als damals.» Damals, damit meint Andersen seine Zeit, als er selber auf den Inseln war, damals, als der ehemalige dänische, 1,65 m grosse Mönchengladbach- und Barcelona-Star Alan Simonsen (Andersen: «Der hatte Beine, genauso wie Ihre Bleistifte.») Nationaltrainer der Färöer-Inseln war.

Andersen glaubt, dass das Wetter am Spieltag mitentscheidend sein könnte. Auf den Färöern regnet es durchschnittlich an 210 Tagen im Jahr. «Und der Wind ist teilweise fürchterlich und sehr unberechenbar», erklärt Andersen. «Es windet eigentlich immer auf den Färöer-Inseln. Ich erinnere mich an ein Spiel mit Sandur, als wir in der ersten Halbzeit gegen einen Orkan anrannten. Nach der Pause werden wir mit dem Wind im Rücken spielen, dachte ich. Doch der Wind drehte, und wir spielten auch in der zweiten Halbzeit gegen den Windsturm.»

Ratschläge für das WM-Qualispiel will Ole Andersen dem Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic keine mit auf die Inseln geben. «Petkovic ist einer, der Bescheid weiss», sagt Andersen. Immerhin: Laut Andersen wird die Schweizer Mannschaft in Torshavn nicht gewinnen: «Ich tippe auf ein 2:2.»

Ole Andersen 2004 auf einem Färöer-Fjord. (Bild: OA)

Ole Andersen 2004 auf einem Färöer-Fjord. (Bild: OA)

Der blutige Walfang auf den Färöern.

Der blutige Walfang auf den Färöern.

Bild: Grafik: LZ

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