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FUSSBALL: Die denkwürdige Entlassung von Christian Brand

In der Fussballwelt wird tagtäglich ein Trainer gefeuert. Aber kaum so, wie es dem ehemaligen Luzerner Christian Brand (43) im deutschen Regensburg geschah.
Setzen sich nach dem 2:1-Sieg gegen Unterhaching unmissverständlich für ihren Trainer Christian Brand (hinten rechts) ein: die Spieler von Jahn Regensburg. (Bild Nickl/Mittelbayerische Zeitung)

Setzen sich nach dem 2:1-Sieg gegen Unterhaching unmissverständlich für ihren Trainer Christian Brand (hinten rechts) ein: die Spieler von Jahn Regensburg. (Bild Nickl/Mittelbayerische Zeitung)

Turi Bucher

Der frühere Bundesliga-Profi Christian Brand spielte von 2002 bis 2004 beim FC Luzern, danach zwei weitere Saisons in der Challenge League beim SC Kriens. In dieser Zeit wurde Luzern für Brand so etwas wie eine zweite Heimat. Brand übernahm Traineraufgaben beim FC Thun (Assistent), bei der U-18 und U-21 des FCL, zwischenzeitlich war er sogar Interimstrainer der ersten FCL-Mannschaft. Die Kinder von Christian Brand gehen immer noch in Luzern zur Schule.

Vor rund einem Jahr wurde Brand nach Deutschland gerufen. In der 3. Liga sollte er den SSV Jahn Regensburg vor dem Abstieg in die Regionalliga retten. Es gelang ihm nicht. Doch die Verantwortlichen des bayerischen Vereins erkannten Brands Fussballwissen, sein menschliches Gespür als Trainer, seine gute Arbeit. Der Mittelfelddenker mit über 100 Bundesligaspielen im Gepäck wurde weiter verpflichtet. Brand startete in diesem Sommer mit «dem Jahn», wie die Regensburger Fans ihren Verein rufen, höchst erfolgreich in die aktuelle Saison. Von zehn Spielen wurden neun gewonnen, das andere ging unentschieden aus. «Die Leute im Umfeld und im Vorstand dachten, wir seien unschlagbar», sagt Brand heute, «doch ich habe ihnen zu erklären versucht: Wir werden Spiele verlieren.»

Vorsprung schmolz und schmolz

Und so kam es auch in Regensburg, das im Durchschnitt bei Heimspielen 8000 Zuschauer hat, ein Rekordwert für die Regionalliga: Zwei Innenverteidiger fielen mit Kreuzbandrissen im Knie aus, die verletzungsbedingten Ausfälle verursachten sportliche Rückschläge. Der einst stolze Vorsprung von 12 Punkten auf den Tabellenzweiten schmolz und schmolz, die Regensburger verloren drei Spiele hintereinander, die Herren im Vorstand wurden nervös. «Der Jahn, das ist ein hochemotionaler Verein», sagt Brand, «aber ein Trainer muss seine Aufgabe darin sehen, die Emotionen möglichst unter Kontrolle zu halten und ganz einfach das nächste Spiel gewinnen zu wollen.»

Die Erklärung des Präsidenten

Zumindest ein Teil des Regensburger Vereinsvorstandes war anderer Meinung. Zum Beispiel Präsident Hans Rothammer. Er teilte Brand zwei Runden vor der Winterpause die Trennung mit. Nun, erklären konnte Rothammer dem «Spiegel Online» die Entlassung auch nicht so recht, seine Meinung war die: «Wir haben uns nicht mehr wohl gefühlt.»

Wie man sich im Fussball als Tabellenführer halt unwohl fühlt ...

Aber jene, die sich in Regensburg nicht mehr wohl fühlten, wollten den Rauswurf aus sportlichen Gründen durchaus noch ein bisschen verzögern: Brand sollte auch noch für die letzten zwei Spiele der Coach sein, und dann gehen. «Wir erhoffen uns mit Brand in den letzten beiden Spielen mehr als mit einem Interimstrainer», versucht Präsident Rothammer die Regensburger Posse zu erklären.

Derweil sprach Christian Keller, Geschäftsführer der Regensburger Profi­abteilung, von Tränen, die bei der Entlassung geflossen seien, und die Regensburger Profispieler reagierten auf ihre Weise. Für das vorletzte Spiel (mit Brand) wurden im Eiltempo T-Shirts bedruckt: «Pro Brand» stand da drauf geschrieben, und jeder Spieler trug es unter seinem Vereinstrikot. Unterhaching wurde 2:1 bezwungen, die Spieler rannten in die Fankurve und zeigten her, wen sie als ihren Trainer wollen. Doch was passierte? Aus den Fanrängen erschallten Pfiffe und Rufe: «Brand muss weg.» Brand erklärt: «Letzte Saison gab es einen Vorfall, als wir gegen Unterhaching spielten und Regensburger Fans Ordnungskräfte tätlich angriffen. Daraufhin habe ich in einem Interview gesagt, diese Fans seien keine Fans, sondern Kriminelle. Das haben sie mir nie verziehen.»

Brand packte am Wochenende die Koffer, um in die Ferien zu fahren. Nach Luzern, zu seinen Kindern. «Ja, Luzern ist wie Ferien für mich», sagt er. Trauer, Enttäuschung, Zorn fühle er nicht, wenn er an die Zeit in Regensburg denke. Er sagt: «Ich spüre Freude, es war eine wunderschöne Zeit, es war ein fantastisches Jahr.»

Anfragen auch aus der Schweiz

In Luzern wird er vielleicht nur ein paar Tage bleiben können. Bereits haben deutsche Vereine bei Brand angeklopft, es gibt auch Anfragen aus der Schweiz. Doch Brands Weg wird wohl zurück nach Deutschland führen.

Jahn Regensburg verlor am Wochenende das letzte Spiel unter Trainer Christian Brand im Schweinfurter Schneetreiben mit 1:2 und musste die Tabellenführung an Wacker Burghausen abgeben.

Wie sagte Präsident Rothammer? «Wir haben uns nicht mehr wohl gefühlt.» Wohler werden sie sich in Regensburg während Weihnachten nicht fühlen.

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