FUSSBALL: Die Geschichte lehrt: Skandal – na und?

Skandale gehören zur DNA der internationalen Sportverbände. Das Schauspiel, das uns Joseph Blatter und die Fifa bieten, ist eher Regel als Ausnahme.

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Korruption nicht nur im Fussball: Die Geldscheine sind Auslöser von Eklat und Skandal. (Bild: Getty/Woraput Chawalitphon)

Korruption nicht nur im Fussball: Die Geldscheine sind Auslöser von Eklat und Skandal. (Bild: Getty/Woraput Chawalitphon)

Klaus Zaugg

Internationale Sportverbände spielen erst seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in der öffentlichen Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen erschüttern nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch diese globalen Sport-Organisationen in regelmässigen Abständen. Dabei geht es um Macht beziehungsweise um die Kontrolle über die Geldflüsse, die inzwischen bei grossen Sportverbänden die Milliardengrenze erreichen. Um diese Macht wird nicht nur mit demokratischen Mitteln gerungen. Skandale gehören deshalb zur Geschichte der internationalen Sportverbände wie das Glockengeläut zur Kuhherde.

Diese Skandale werden nur dann von einem breiteren Publikum wahrgenommen, wenn sie populäre Sportarten wie den Fussball betreffen. Das ganze Fifa-Theater reiht sich ein in viele Sportskandale, hat aber durch die Bedeutung des Fussballs und die Einmischung der Politik und der US-Justiz die grösste mediale Beachtung aller bisherigen Sportskandale. Die Geschichte lehrt uns, dass noch kein internationaler Sportverband an einem Skandal zu Grunde gegangen ist. Die Polemik in den Medien ist jeweils heftig, ja, manchmal wird gar der Untergang einer Sportart ausgerufen. Etwa des Radsportes nach dem Dopingskandal der Tour de France von 1998. Aber die Dynamik und die Popularität des Sportes waren bis heute immer stärker als die «Kräfte des Bösen». Hin und wieder ist es den Verbandsbossen gar gelungen, sich trotz heftigster Opposition im Sattel zu halten.

Die Folgen der Skandale werden überschätzt. Auch dann, wenn auf den ersten Blick tief greifend Reformen durchgeführt und mächtige Bosse gestürzt werden, stellt sich in der Regel später heraus: Das Spiel geht nach den gleichen Regeln weiter wie bisher. Bloss in neuer Aufstellung.

Skandal – na und? Die neuen Herren ziehen die Lehren aus dem Sturz ihrer Vorgänger. Sie werden bescheidener und politisch klüger. Bis sie im Laufe der Jahre zu mächtig werden, es wieder übertreiben, da und dort die Finger in den Kassen einklemmen und, wie ihre Vorgänger, von einem Skandal hinweggefegt werden. Der Sport ist im 21. Jahrhundert mehr denn je ein Teil der Gesellschaft und ein globaler Wirtschaftsfaktor. Er funktioniert nach ähnlichen Gesetzen wie die Wirtschaft und die Politik.