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FUSSBALL: Die klaren Beweise fehlen im Garcia-Report

Die Fifa hat den sogenannten Garcia-Report veröffentlicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.
Trat 2014 von seinem Fifa-Amt zurück: Michael J. Garcia. (Bild: José Luis Magana/Keystone (13. Mai 2017))

Trat 2014 von seinem Fifa-Amt zurück: Michael J. Garcia. (Bild: José Luis Magana/Keystone (13. Mai 2017))

Nach ersten Veröffentlichungen durch «Bild» entschied sich der Weltverband Fifa, den sogenannten Garcia-Report vollständig zu veröffentlichen. Er enthält viele entlarvende Fakten und Hinweise zu dubiosen Vorgängen rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar – klare Beweise für korrupte Vorgänge aber lassen sich nicht festmachen.

Wer ist Michael J. Garcia?

Michael J. Garcia (USA) ist ein Jurist, der von 2005 bis 2008 als Bundesstaatsanwalt in New York arbeitete. Ab 2012 untersuchte er als Vorsitzender der ermittelnden Kammer der Ethikkommission der Fifa Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Am 5. September 2014 legte er seinen Bericht vor. Dieser wurde von der Fifa zunächst nicht veröffentlicht. Garcia trat im Dezember 2014 als Chefermittler der Fifa zurück.

Was steht im Garcia-Bericht?

Kurz zusammengefasst: Auf den 430 Seiten stehen viele Details, die den Verdacht nähren, dass bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gemauschelt und bestochen wurde. Zahlreiche Vorgänge legen nahe, dass beide Gastgeber nichts unversucht gelassen haben, durch zum Teil höchst fragwürdige Zahlungen wichtige Entscheidungsträger zu beeinflussen, dies gilt besonders für Katar. Klare Beweise für Korruption liegen aber nicht vor.

Warum taucht Franz Beckenbauer in dem Bericht auf?

Es geht um die Bewerbung von Australien für die WM 2022. Die Beckenbauer-Partner Fedor Radmann und Andreas Abold waren bereits bei der WM 2006 und in die WM 2010 involviert, ab 2009 sollten sie die Bewerbung Australiens unterstützen. Beckenbauer sass zum fraglichen Zeitpunkt im Exekutivkomitee der Fifa. Eine Geschäftsbeziehung zu Radmann und Abold stritt er ab. Im Juni 2014 wurde Beckenbauer für 90 Tage für alle Fussball-Aktivitäten gesperrt, weil er auf Garcias Fragen monatelang nicht geantwortet hatte. Ausserdem musste er eine Geldstrafe von 7000 Schweizer Franken zahlen.

Welche Rolle spielte Beckenbauer bei den WM-Vergaben?

Beckenbauer stimmte am 2. Dezember 2010 als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees über die Vergabe der WM 2018 und der WM 2022 ab. Bis heute verschweigt er, für wen er gestimmt hat. 14 Monate nach der Vergabe und dem Abschied aus der Exekutive schloss er einen Fünfjahresvertrag als Botschafter der Russian Gas Society ab.

Warum wurde der Garcia-Bericht bisher nicht veröffentlicht?

Die ehemaligen Chefethiker der Fifa, der Münchner Hans-Joachim Eckert sowie der Zürcher Anwalt Cornel Borbély, hatten bei ihrer Prüfung des Garcia-Berichts nach eigenen Angaben keinerlei Anzeichen für Bestechung oder Korruption gefunden. Eine Veröffentlichung kam für sie daher nicht in Frage, auch, um die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu schützen. Von der Fifa werden Eckert und Borbély daher nun zu Sündenböcken gestempelt. «Diese Entscheidung», widerspricht Eckert, «stand in völliger Übereinstimmung mit den geltenden Regeln und der Beschlusslage der Fifa.»

Warum wird der Bericht durch die Fifa jetzt veröffentlicht?

Auslöser ist zweifelsohne die Veröffentlichung durch «Bild». Gut möglich, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino befürchtet, dass die Altlasten der Ära seines Vorgängers Joseph Blatter einen Schatten auf seine Amtszeit werfen. Für seinen angekündigten Neuanfang komme die Debatte um Russland und Katar jedenfalls ungelegen. Die Fifa entschuldigt die verspätete Veröffentlichung nun mit dem Hinweis, Eckert und Borbély hätten sich geweigert, dies zu tun.

Was sagt beispielsweise der Deutsche Fussball-Bund (DFB)?

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist entsetzt über die Einflussnahme des Beckenbauer-Intimus und Strippenziehers Fedor Radmann: «Es ist schon sehr bedrückend, was vor allem über die Rolle des früheren WM-OK-Mitglieds Fedor Radmann im Garcia-Report zu lesen ist.» Dieser war einst WM-OK-Mitglied.

Was heisst das nun für Russland und Katar?

Erst mal gar nichts. Es gibt in beiden Fällen zum Teil bekannte Indizien – neue Erkenntnisse oder eindeutige Beweise für Bestechung und Korruption aber liegen nicht vor. Nach wie vor ermittelt allerdings auch die Schweizer Justiz in zahlreichen Fällen wegen des Verdachts der Geldwäsche. Diese Ermittlungen werden aber wohl erst nach der WM in Russland abgeschlossen sein. «Der Sumpf bleibt», urteilt der langjährige Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni. (sid)

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