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FUSSBALL: Die Krise der Bundesliga

Die deutsche Bundesliga zählt seit Jahrzehnten zu den besten Ligen der Welt. Doch zuletzt hat dieses Image einige Kratzer bekommen.
Carsten Meyer
Seltener Hertha-Jubel in der Europa League (von links): Pal Dardai, Jonathan Klinsmann und Max Mittelstädt. (Bild: M. Koch/Imago (7. Dezember 2017))

Seltener Hertha-Jubel in der Europa League (von links): Pal Dardai, Jonathan Klinsmann und Max Mittelstädt. (Bild: M. Koch/Imago (7. Dezember 2017))

Carsten Meyer

sport@luzernerzeitung.ch

Christian Seifert ist ein Mann, den der normale Fussballfan in Deutschland kaum kennt. Dabei ist er eine der wichtigsten Personen der Branche. Der 48-Jährige ist Geschäftsführer der Deutschen Fussball-Liga (DFL) und damit so etwas wie der Chefverkäufer der Bundesliga. Er verhandelt für die Liga unter anderem die TV-Gelder im In- und Ausland. Und zuletzt trieb ihn etwas die Sorge um, dass sein Premiumprodukt an Glanz eingebüsst haben könnte. Also verteilte er eine verbale Ohrfeige, die so laut zu vernehmen war, dass nicht wenige ängstlich zusammenzuckten. Seifert grollte: «In den internationalen Wettbewerben verpasste man zu beweisen, dass die Bundesliga eine der stärksten Ligen der Welt ist.» Das reklamieren die Deutschen ja seit jeher recht selbstbewusst für sich. Eine These, die in dieser Saison aber kaum von Ergebnissen untermauert wurde.

Peinliche deutsche Auftritte in der Europa League

In der Champions League zog Branchenführer Bayern München zwar gewohnt zuverlässig in den Achtelfinal ein, aber das war es dann auch schon. Borussia Dortmund hatte hohe Ziele, blamierte sich aber bis auf die Knochen – und konnte am Ende froh sein, dass zwei Unentschieden tatsächlich noch dazu reichten, sich als Dritter für die Europa League zu qualifizieren. RB Leipzig wurde bei seiner internationalen Premiere ebenfalls Dritter, zeigte aber zumindest ansprechende Leistungen. Und Hoffenheim scheiterte bereits in der Qualifikation an Liverpool.

Ziemlich peinlich war das Abschneiden der deutschen Klubs in der Europa League. Hoffenheim und Hertha verzweifelten an Vereinen wie Rasgrad oder Östersund. Vor allem deshalb, weil in schöner Regelmässigkeit die Ersatzkräfte aufs Feld geschickt wurden. Der aktuelle Tabellenletzte Köln gab sich zwar grosse Mühe, was aber auch nicht viel half. Und der SC Freiburg scheiterte schon in der Qualifikation am slowenischen Vertreter NK Domzale.

Man kann nicht gerade behaupten, dass Seifert die Ereignisse mit grosser Begeisterung aufgenommen hätte. «Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet», wetterte er, «wird sich schneller, als manche denken, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden.» Eine Angst, die nicht ganz aus der Luft gegriffen ist – und Gründe hat.

Bundesliga hat keine Spitze – nur einen Spitzenreiter

Zu wenig Spitze in der Liga: Aktuell werden in Deutschlands höchster Spielklasse zwei Wettbewerbe parallel ausgetragen. In einem spielen die Bayern – und sonst niemand. Genau genommen bereiten sich die Münchner eigentlich nur noch auf ihre Champions-League-Spiele vor. Und einmal in der Woche trainieren sie vor ausverkauften Stadien gegen Teams wie Leverkusen, Schalke oder Stuttgart. Es sind meistens recht einseitige Übungseinheiten, weshalb die Münchner nach 21 Spieltagen schon 18 Punkte Vorsprung auf den Zweiten Leverkusen haben. Dahinter ist es wahnsinnig eng, weil der Zehnte Hannover nur sieben Zähler weniger hat als Leverkusen. Optimisten finden das sehr spannend. Pessimisten leiten daraus ab, dass dies kaum ein Gütesiegel für internationale Qualität sein könne.

Dass sich Mannschaften wie Hertha, Freiburg oder Köln im letzten Sommer plötzlich auf der grossen Bühne wiederfanden, untermauert diesen Eindruck. Oder um es mit Seifert zu sagen: «Wir brauchen Leuchttürme.» Zu sehen sind sie ausserhalb Münchens aktuell allerdings nicht.

Hinsichtlich der TV-Gelder ist Deutschland im Nachteil

Finanzielle Möglichkeiten: Bayerns Jupp Heynckes ist ein erfahrener Trainer. Der 72-Jährige hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Natürlich auch die Champions League. Aber er fürchtet, dass zukünftig nicht mehr viele Deutsche in den Genuss kommen werden. «In der Königsklasse wird es sicher sehr schwer, weil da Topmannschaften dabei sind, die sich – teilweise mit riesigen Fremdmitteln – auf dem Transfermarkt enorm verstärkt haben. Deshalb wird es sicher für die Bundesliga und auch für Bayern München immer schwieriger, international so erfolgreich zu sein, wie es der FC Bayern in seiner Geschichte immer wieder war.»

Heynckes wird in erster Linie an Paris St-Germain denken. Aber auch in punkto TV-Gelder ist die Konkurrenz längst enteilt. In England kassierte Sunderland als Absteiger im Sommer knapp 124 Millionen Franken. Der deutsche Meister Bayern München bekam zehn Millionen weniger. Die Folge: Selbst englische Zweitligisten verfügen über mehr finanzielle Mittel als viele deutsche Topteams.

Der DFL-Geschäftsführer Seifert mahnt: «Deutschland ist die grösste Volkswirtschaft Europas. Der Deutsche Fussball-Bund ist der grösste Fussballverband der Welt. Wir sind Weltmeister: Mit diesen Voraussetzungen kann es niemals unser Anspruch sein, sich mit Mittelmass zufriedenzugeben.»

Die Botschaft ist angekommen. Bleibt nur noch die Frage, wie die Klubs darauf reagieren werden.

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