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FUSSBALL: Die Liebe hat ihn ins Zugerland geführt

Ein Anruf seiner Schwester hat das Leben von Mentor Latifi (33) in andere Bahnen gelenkt. Statt in Deutschland kickt er deshalb nun für Zug 94 in der 1. Liga. Der grossgewachsene Verteidiger spricht offen über Höhen und Tiefen in seinem Leben.
Martin Mühlebach
Mentor Latifi ist überzeugt vom Klassenverbleib mit Zug 94. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 30. März 2017))

Mentor Latifi ist überzeugt vom Klassenverbleib mit Zug 94. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 30. März 2017))

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Der 33-jährige Mentor Latifi sitzt in seiner Wahlheimat Deutschland gemütlich zu Hause, als sein Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist eine seiner Schwestern, die mit Freunden in Frankreich den Weltfrauentag 2016 feierte. Begeistert erzählt sie ihrem Bruder: «Ich habe eine bezaubernde junge Kosovarin namens Teuta Hoxhaj kennen gelernt, mit der du unbedingt Kontakt aufnehmen musst. Ihr beide würdet gut zueinanderpassen.»

Mentor Latifi kam der Aufforderung seiner Schwester nach. Er stellte den Kontakt mit Teuta her, und heute sagt der Verteidiger von Zug 94 glücklich lächelnd: «Meine Schwester hatte Recht. Der Funken der Liebe sprang schon beim ersten Treffen über.» Und wenige Monate später, im vergangenen Oktober, fand in einem kleinen Rahmen im Standesamt in Zug die zivile Trauung statt. Das eigentliche Hochzeitsfest wird im kommenden Juli im Kosovo gefeiert. «Ich freue mich riesig, meiner von mir heiss­geliebten Frau vor 200 bis 300 Hochzeitsgästen nochmals das Ja-Wort geben zu dürfen», schwärmt Latifi. Seine Frau und er würden sich ausgezeichnet verstehen – selbst ohne Worte. «Wenn ich sehe, dass sie etwas sagen will, beende ich den Satz, weil ich schon weiss, was sie sagen möchte», beteuert er spitzbübisch lächelnd.

Während des Kriegs nach Deutschland gezogen

Mentor Latifi belegte damals nach einem abgebrochenen Germanistik- und Anglistikstudium in Kassel (De) das erste Semester im Fach Wirtschaftswissenschaft. Darüber hinaus spielte er Fussball im FSC Lohfelden in der Hessenliga. Er nutzte jede Gelegenheit, um zu seiner in Cham wohnhaften Ehefrau fahren zu können. Im Dezember brach er der Liebe wegen seine Zelte in Deutschland ab und übersiedelte in die Schweiz. Es war nicht das erste Mal, dass er umzog, wie er schildert: «Als 1992 der Krieg im Kosovo ausbrach, brachte sich unsere ganze Familie in Warburg in Nordrhein-Westfalen in Sicherheit. Im Jahr 2000, nach Kriegsende, kehrten wir wieder nach Pristina zurück, wo ich meine Schule beendete.» Da er studieren wollte, sei er nach Deutschland zurückgekehrt, wo er in der Regionalliga beim KSV Hessen-Kassel Fussball gespielt habe, ehe er, wie erwähnt, nach Lohfelden wechselte.

Mentor Latifi hat auch in der Schweiz weiterhin Fussball spielen wollen. Nachdem er im Chamer Promotion-League-Team mittrainiert hatte, stellte Besnik Reci, der Trainer von Zug 94 II, den Kontakt zur Zuger 1.-Liga-Mannschaft her. «Ich absolvierte ein Probetraining, wurde super aufgenommen, habe mich auf Anhieb wohlgefühlt und unterschrieben», erzählt der grossgewachsene Innenverteidiger. Dass Zug in der 1. Liga derzeit auf einem Abstiegsplatz liegt, kann er kaum verstehen. Latifi sagt: «Ich weiss, dass es schwierig ist, aus dem Abstiegsstrudel herauszukommen, wenn man einmal hineingeraten ist. Aber wir haben eine gute Mannschaft. Wir spielen gut, aber wir nutzen unsere vielen Torchancen zu wenig resolut aus. Ich bin überzeugt, dass wir die Saison auf einem Mittelfeldplatz der Tabelle abschliessen werden, wenn es uns gelingt, die Torflaute zu beheben.» Bei dieser Einschätzung der derzeitigen Situation von Zug 94 überrascht es nicht, dass sich Mentor Latifi als «optimistischen, freundlichen und gerne lachenden Typ» bezeichnet.

Diese Eigenschaften sind im Jahr 2007 durch einen Schicksalsschlag auf eine harte Probe gestellt worden. «Meinem zehn Jahre älteren Bruder wurde es während eines Fussballtrainings derart übel, dass er ins Krankenhaus gefahren werden musste. Er rief mich an und bat mich, zu seinen drei Töchtern zu schauen, weil seine Frau ihn sofort im Krankenhaus aufsuchen wollte.» Kurz um Mitternacht sei Mentor Latifi mitgeteilt worden, dass sein Bruder infolge einer geplatzten Aorta gestorben ist. «Den Schock und den Schmerz, den ich litt, kann man nicht in Worte fassen.»

Latifi blickt nach vorn. «Ich hoffe, dass ich am Samstag (morgen, 16 Uhr, Hertiallmend, Anm. d. Red.) mit Zug 94 gegen Thun U21 einen Sieg feiern kann. Da ich derzeit arbeitslos bin, hoffe ich ebenso sehr, bald eine Anstellung zu finden. Am liebsten in der Finanzdienstleistungsbranche», sagt er offen. Nach der Beendigung seiner Aktivkarriere als Fussballer würde er sich gerne zum Trainer ausbilden lassen und nach Möglichkeit bei Zug 94 eine Aufgabe zu übernehmen.

Das Wichtigste aber sei, ein harmonisches Dasein mit seiner Frau leben zu dürfen – seiner Schwester sei Dank.

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