FUSSBALL: Die «Lokomotive» fährt weiter

Martina Voss- Tecklenburg verlängert ihren Vertrag als Schweizer Nationaltrainerin bis zum Sommer 2018. Ihr nächstes Ziel mit dem A-Nationalteam ist die Olympia-Qualifikation.

Seraina Degen, Muri Bei Bern
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Martina Voss-Tecklenburg hat sich mit dem Schweizer Nationalteam viel Respekt erarbeitet. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Martina Voss-Tecklenburg hat sich mit dem Schweizer Nationalteam viel Respekt erarbeitet. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Wenn Martina Voss-Tecklenburg etwas tut, dann macht sie es richtig. Halbe Sachen mag die 48-Jährige nicht. Deshalb hat sie den Vertrag mit dem Schweizerischen Fussballverband vorzeitig um zwei Jahre verlängert und bleibt bis mindestens Ende Juni 2018 Trainerin des Schweizer Frauenfussball-Nationalteams. «Unser Weg ist noch nicht zu Ende, und ich möchte in den kommenden zwei Jahren die Entwicklung weiter positiv beeinflussen», so Voss-Tecklenburg. Ausschlaggebend für die Verlängerung sei die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Verband, aber auch mit dem Team gewesen, sagte sie. Erfreut zeigte sich auch der SFV-Sportdirektor Laurent Prince: «Martina Voss-Tecklenburg ist die Lokomotive im Schweizer Frauenfussball und hat in den letzten vier Jahren entscheidend zur Entwicklung beigetragen.»

Lob der Krienserin Dickenmann

Seit vier Jahren trainiert Martina Voss-Tecklenburg das A-Nationalteam; nun fährt die Lokomotive an der Spitze des erfolgreichen Zuges noch mindestens zwei Jahre weiter. Während dieser Zeit sind auch die Passagiere, sprich die Fans oder Journalisten, stetig mehr geworden. War das Medieninteresse zu Beginn ihrer Amtszeit noch marginal, kamen am Freitagvormittag ein Dutzend Journalisten an die Medienkonferenz nach Muri. Das hat auch mit der erfolgreichen Arbeit von Martina Voss-Tecklenburg zu tun. Unter ihrer Leitung stiess die Schweiz in die Top 20 der Weltrangliste vor und nahm im letzten Sommer in Kanada zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Das Achtelfinalspiel gegen den Gastgeber Kanada vor 50 000 Zuschauern in Vancouver bezeichnet die 125-fache deutsche Nationalspielerin denn auch als den «sportlichen und emotionalen Höhepunkt» ihrer bisherigen Tätigkeit.

«Ich fühle mich sehr wohl in der Schweiz», äusserte sich Voss-Tecklenburg über ihre Wahlheimat. Die Vertragsverhandlungen waren «relativ schnell und einfach» abgeschlossen. Es mag wohl andere Angebote von Vereinen aus Deutschland gegeben haben, diese interessierten sie aber nicht. Froh darüber zeigt sich auch die Krienserin Lara Dickenmann: «Schön, dass wir sie behalten dürfen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dank ihrer grossen Erfahrung und ihrem Willen haben wir uns in den letzten vier Jahren enorm weiterentwickelt. Sie hat auch beim Verband viel bewegt und kann ihre Ideen einbringen.»

Holland ist der nächste Gegner

Martina Voss-Tecklenburg will den Weg mit Dickenmann und ihren Teamkolleginnen also weitergehen. Die nächste Herausforderung wartet bereits: Anfang März spielt die Schweiz in Holland um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. «Am Olympischen Fussballturnier können nur die drei besten europäischen Teams teilnehmen. Der Stellenwert ist sehr hoch», so Voss-Tecklenburg. Deutschland und Frankreich sind aufgrund ihrer Halb- und Viertelfinalqualifikation an der WM bereits qualifiziert. Nun tritt die Schweiz gegen Holland (2. März in Den Haag), Schweden (5. März in Rotterdam) und Norwegen (9. März in Rotterdam) an – der Sieger fährt nach Brasilien. «Die Chancen sind ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen. Mit unseren Leistungen in den letzten Spielen haben wir uns Respekt erarbeitet und werden mit viel Selbstvertrauen nach Holland reisen», so die Nationaltrainerin. Für Lara Dickenmann wäre eine Olympia-Teilnahme «ein Riesenevent», der für sie persönlich «mehr als alles andere» bedeuten würde. «Ich hoffe, dass wir die Energie und Freude der letzten Spiele mit nach Holland nehmen können und mutig nach vorn spielen werden.»

Schweiz führt EM-Quali an

Auf alle Fälle werden es für die Schweizerinnen wieder drei Spiele auf Topniveau werden, von denen sie in den folgenden Spielen profitieren können. Im April geht es nämlich mit der EM-Qualifikation weiter, die 2017 auch in Holland stattfinden wird. Die Schweiz führt nach vier Siegen in vier Spielen ihre Gruppe souverän an. Mit der Trainerin als Lokomotive ist die Schweiz auf bestem Weg, sich im Schnellzugstempo auch zum ersten Mal für eine EM-Endrunde zu qualifizieren.