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FUSSBALL: Die tragische Figur der Berner Young Boys

Kasim Adams Nuhu hat mit seinem Eigentor gegen ZSKA Moskau den Bernern einen Stich ins Herz versetzt. Jetzt ist der Mann aus Ghana in aller Munde.
YB-Spieler Kasim Adams Nuhu. (Bild: Keystone)

YB-Spieler Kasim Adams Nuhu. (Bild: Keystone)

Für die Berner Young Boys spielten einige Stürmer, welche die gegnerischen ­Abwehrreihen das Fürchten lehrten. Der Däne Lars Lunde schoss YB in der Saison 1985/86 mit 21 Toren zum bislang letzten Meistertitel. Oder Seydou Doumbia von der Elfenbeinküste, dessen 30 Tore in der Saison 2009/10 den Bernern zum Meistertitel hätten reichen müssen. Heute heisst der YB-Goalgetter Guillaume Hoarau, Franzose aus Réunion.

Erst ein Tor hat Kasim Adams Nuhu für den Verein aus der Bundeshauptstadt erzielt. Jenes 1:0 steuerte er am letzten Samstag im Cup gegen den drittklassigen FC Breitenrain zum 3:0-Sieg bei. Der 22-Jährige aus Ghana ist Innenverteidiger, und in dieser Funktion lehrte er am Dienstag seine Mitspieler das Fürchten. Allen voran Torhüter David von Ballmoos. Mit einem Kopfball überlupfte der 1,90-Meter-Hüne Nuhu den zwei Zentimeter grösseren YB-Goalie. Dieser konnte in der verflixten 91. Minute den Ball nicht mehr am Überschreiten der Torlinie hindern.

Veryoungboyst heisst die hässlich klingende Bezeichnung in den Boulevardmedien, wenn YB wieder einmal eine Topchance auf einen grossen Erfolg vergeben hat. War es 2010 der heutige Nationalcoach Vladimir Petkovic, der trotz zwischenzeitlich 13 Punkten Vorsprung auf Basel den Titel vercoachte, so ist jetzt Nuhu die tragische Figur. Trotz herausragender Leistung über 90 Minuten gegen den ZSKA Moskau steht der am 22. Juni 1995 in Ghanas Hauptstadt Accra geborene Eigentorschütze als personi­fizierte 0:1-Heimpleite im Playoff-Hinspiel zur Champions League.

Immerhin hat YB am nächsten Mittwoch in Moskau die Chance, mit einem Sieg und mindestens zwei geschossenen Toren im entscheidenden Spiel doch noch Europas Königsklasse zu erreichen. Es geht um sehr viel: Die Teilnahme in der Gruppenphase ­würde den Bernern 20 Millionen Franken in die Kasse spülen. Die Wende im Duell gegen ZSKA wünscht man vor allem Nuhu.

Seit Ende August 2016 ist Nuhu in Bern. Zuerst nur ausgeliehen vom RCD Mallorca, bevor ihn YB diesen Sommer definitiv übernahm und ihn bis Mitte 2021 verpflichtete.

Der junge Nuhu war einst Scouts von CD Leganés bei einem Turnier in Japan mit Ghanas U17 aufgefallen. Via den damaligen Drittligisten aus Spanien ging die Reise des wuchtigen Profis nach nur vier Monaten weiter zum spanischen Zweitligisten Mallorca. Als der russische Coach Waleri Karpin dort gehen musste, ging auch die Zeit von Nuhu zu Ende.

In Bern auf dem YB-Trikot steht über seiner Nummer 24 nicht Nuhu, der Name seines Grossvaters, sondern Adams. «Das ist der Name des Vaters. Ich habe vor vier Jahren meine Mutter verloren, seither ist er allein. Es ist ein Zeichen, dass wir ihm immer helfen werden», erklärte Nuhu. So wie die YB-Spieler jetzt ihrem Mannschaftskollegen Nuhu helfen. Das Eigentor tut ihm leid, er entschuldigt sich beim Team, dem Club und den Fans, stellt gleichzeitig aber fest: «Solche Dinge passieren leider. Kürzlich unterlief auch Barcelonas Gerard Piqué ein Eigentor.»

Daniel Wyrsch

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