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FUSSBALL: Die ultimative Website der Transfer-Gerüchteküche

Heute ist transfermarkt.de die meistbesuchte deutschsprachige Sportseite. Die Informationen werden von den Usern geliefert. Doch die Seriosität bleibt dabei nicht auf der Strecke.
Tim Naef und Turi Bucher
Auf der Transfer-Website kann man etwa den Marktwert von FCL-Offensivmann Jakob Jantscher (links) einsehen. (Bild: Philipp Schmidli ( Neue LZ))

Auf der Transfer-Website kann man etwa den Marktwert von FCL-Offensivmann Jakob Jantscher (links) einsehen. (Bild: Philipp Schmidli ( Neue LZ))

«Jakob Jantscher wechselt zum FC Luzern.» Viele Fussballinteressierte haben diese Meldung im Sommer exklusiv in unserer Zeitung gelesen. Doch es gibt Anhänger, denen reicht es nicht, erst mit der offiziellen Mitteilung von solchen Vereinswechseln eines Spielers zu erfahren. All jene landen früher oder später in der «Gerüchteküche» von transfermarkt.de. Ein Internetforum, in dem über mögliche Transfers von Spielern und Trainern diskutiert wird.

Nebst der Gerüchteküche veröffentlicht transfermarkt.de auch aktuelle Daten zu Spielern und Vereinen. Dabei werden nicht nur die Profi-, sondern auch die Amateurligen fast aller Länder abgedeckt. Mittlerweile hat sich transfermarkt.de zu einem universalen Nachschlagewerk für Fussballbegeisterte entwickelt.

Von der Idee zum Marktführer

Das in Hamburg ansässige Unternehmen wurde im Mai 2000 von Matthias Seidel gegründet. Zu Beginn stellte der bekennende Werder-Bremen-Anhänger ein paar Agenturmeldungen online und richtete die Gerüchteküche sowie eine Diskussionsrunde ein. Was vor bald 15 Jahren mit einer Handvoll Fussballverrückter begann, fand im Januar dieses Jahres seinen bisherigen Höhepunkt: Mit 33,7 Millionen Besuchern in einem Monat war transfermarkt.de erstmals die bestbesuchte Sportseite im deutschsprachigen Raum. Mittlerweile ist das Unternehmen in fast ganz Europa vertreten. Im Mai 2008 wurde mit transfermarkt.ch auch die Schweizer Version lanciert.

Marktwert des Spielers ist geschätzt

Sowohl bei Daten als auch bei Gerüchten handelt es sich um sogenannten «user generated content». Es steht also jedem User offen, Artikel über Spieler, Trainer oder Vereine zu erstellen oder zu vervollständigen. Das gleiche Prinzip gilt für die von transfermarkt.de eingeführten Marktwerte der Spieler. Sie beruhen auf den Einschätzungen der User. Zweimal im Jahr werten Mitarbeiter von transfermarkt.de die Diskussion aus und passen nach Rücksprache mit der Geschäftsführung die Marktwerte an. Es handelt sich dabei also um Schätzwerte. Obwohl es sich um fiktive Werte handelt, werden die Zahlen in gängigen Medien als verifizierte Daten gehandelt und entsprechend publiziert.

Die Frage nach der Seriosität

Das führt zur Frage, wie seriös die Informationen sind. Nun ist transfermarkt.de aber kein simples Forum, in dem Fussballanhänger über ihre Clubs und deren Wunschtransfers palavern. In der Gerüchteküche werden, ähnlich einem klassischen Pressespiegel, Informationen von anderen Medien zusammengetragen. Anschliessend kann nach einer Quellenüberprüfung dem Gerücht eine Wahrscheinlichkeit zugeschrieben werden. Diese Prozentzahlen zeigen, wie ernst ein Gerücht genommen werden kann.

Wissenschaftliche Studien, unter anderem von der Universität Zürich, bescheinigen den Zahlen zudem eine hohe Übereinstimmung mit den tatsächlich überwiesenen Ablösesummen der Clubs. Bisweilen ist von Fällen zu hören, in denen Berater und Spieler versuchten, Einfluss auf die Höhe eines Marktwerts zu nehmen. Beispiele, die andererseits illustrieren, welche Bedeutung transfermarkt.de seit seiner Gründung angenommen hat.

Springer-Verlag kauft 51 Prozent

Die Erfolgsgeschichte von transfermarkt.de blieb von Investoren nicht unbemerkt. Ende 2008 beteiligte sich der deutsche Springer-Verlag an Seidels Unternehmen und erwarb 51 Prozent der Anteile. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Laut Medienberichten soll ein hoher einstelliger Millionenbetrag für die Mehrheit bezahlt worden sein.

Der Springer-Verlag überliess allerdings Seidel die redaktionelle Kontrolle. Damit blieb die Eigenständigkeit und der damit verbundene Gemeinschaftsgedanke erhalten. Ein logischer Schritt, da die User und ihre Beiträge das Kapital des Hamburger Unternehmens beziehungsweise der beliebten Fussballe-Page darstellen.

Zurück zu Jakob Jantscher (25). Der österreichische Nationalspieler in Diensten des FCL ist unterdessen zu einem Luzerner Publikumsliebling avanciert. «Natürlich surfe ich auch ab und zu bei transfermarkt.de», sagt Jantscher. «Ich finde dort immer wieder spannende News über interessante Spieler.» Wenn er beispielsweise einen ehemaligen Teamkollegen aus den Augen verloren habe, könne er bei transfermarkt.de problemlos nachschauen, bei welchem Verein dieser unterdessen engagiert ist. «Ich spielte ja 2012 für Dynamo Moskau. Mich interessiert immer noch, was in diesem Klub abgeht. Via transfermarkt.de informiere ich mich, welche Spieler die geholt haben und welche ehemaligen Kollegen immer noch da sind.»

Jantscher sucht Del Piero

Der momentane Marktwert von Jantscher beträgt gemäss transfermarkt.de 1,5 Millionen Euro. Als er noch in Moskau spielte, betrug er 4 Millionen Euro. Jantscher sagt allerdings: «Mit solchen Zahlen kann ich nicht viel anfangen. Ich bin, wer ich bin, spiele meinen Fussball mit jenen Eigenschaften, die mich auszeichnen. Das wird auch so bleiben. Klar, je erfolgreicher man spielt, umso mehr steigt wohl der Markwert in die Höhe. Aber den Marktwert nach oben zu schrauben, das ist nun wirklich nicht mein dringendstes Ziel.»

Und nach welchem Spieler hat Jantscher ganz zuletzt bei transfermarkt.de gesucht? Der Grazer sagt: «Ehrlich gesagt nach Alessandro Del Piero. Als ich hörte, dass der in der indischen Liga spielen will, wollte ich mehr darüber wissen.»

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