Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FUSSBALL: Drohender Abstieg: Die Uhr des «Dinos» Hamburger SV läuft ab

Dem Gründungsmitglied Hamburger SV droht der Abstieg aus der Bundesliga. Die Begegnung von morgen (15.30 Uhr) gegen Mainz ist schon beinahe die letzte Chance.
Carsten Meyer
HSV-Spieler André Hahn liegt nach dem 0:1 gegen Werder Bremen geschlagen auf dem Rasen. (Bild: Christian Charisius/dpa (Bremen, 24. Februar 2018))

HSV-Spieler André Hahn liegt nach dem 0:1 gegen Werder Bremen geschlagen auf dem Rasen. (Bild: Christian Charisius/dpa (Bremen, 24. Februar 2018))

Carsten Meyer

sport@luzernerzeitung.ch

Die Uhr im Hamburger Volksparkstadion geht sehr genau. Sie zeigt nicht nur die Jahre, die Tage, die Stunden und die Minuten an, sondern auch die Sekunden. Aber natürlich ist das nicht irgendeine Uhr. Es ist ein Symbol – für den einzigen Klub Deutschlands, der seit Gründung der Bundesliga 1963 immer in der höchsten Spielklasse dabei war. Heute ­werden das stolze 54 Jahre und 190 Tage sein.

Doch zehn Spieltage vor Schluss droht dem ruhmreichen HSV die Zeit davonzulaufen. Das Spiel gegen Mainz 05 am morgigen Samstag hat jedenfalls schon durchaus Endspielcharakter. Um das zu erkennen, reicht auch mathematischen Laien ein kurzer Blick auf die Tabelle. Die Mainzer belegen dort aktuell Rang 16, der zumindest für die Barragespiele berechtigt. Zugegeben: Barrage klingt auf den ersten Blick jetzt nicht so verlockend. Aber in Hamburg würden sie vor lauter Freude mit der Vereinsfahne ums Lagerfeuer tanzen, wenn sie das noch erleben dürften. Aktuell hat die Mannschaft als 17. schon ­happige sieben Punkte Rückstand auf Mainz. Wenn nun der direkte Vergleich verloren geht, können sie die Uhr im Volksparkstadion ausschalten, dann wird der HSV kaum noch zu retten sein.

Vier Manager, neun Trainer in fünf Jahren

Aber selbst im Falle eines Sieges wäre noch nicht viel gewonnen, ausser ein bisschen Hoffnung. Denn zuletzt erweckte die Truppe nicht gerade den Eindruck, als stehe sie kurz davor, eine Siegesserie zu starten. HSV-Fans, die am vergangenen Samstag Augenzeugen der 0:1-Niederlage in ­Bremen wurden, leiden noch immer unter den Spätfolgen.

Es war ein grausames Spiel, an dessen Ende nicht die bessere Mannschaft gewonnen hatte, sondern die weniger schlechte. Die Hamburger schienen nach einem Zufallsprinzip zu kombinieren, die Passquote betrug erschreckende 63,1 Prozent. Und als die konsternierten Reporter später wissen wollten, was nun noch Hoffnung machte, wartete Offensivmann André Hahn mit einer sehr gewagten Theorie auf: «Wir sind der HSV, wir haben es immer geschafft.» Die Tradition als letzter Strohhalm.

Tatsächlich war der «Dino» bereits in den vergangenen vier Jahren akut vom Aussterben bedroht, zweimal rettete er sich mit Hängen und Würgen erst über die Barrage. Und jedes Mal erklärten die Verantwortlichen danach, man werde aus den Fehlern lernen. Man werde es in Zukunft besser machen. Es wurde immer schlimmer.

Auch, weil der HSV mittlerweile einem sportlichen Fleckenteppich gleicht, zu dem jeder ein Stückchen beitragen durfte. In den vergangenen fünf Jahren durften vier unterschiedliche ­Manager neun unterschiedliche Trainer installieren. Und nach ­allem, was man so hört, könnten nach dieser Spielzeit Manager Nummer fünf und Trainer Nummer zehn folgen.

Seit knapp sechs Wochen heisst der Coach Bernd Hollerbach. Ein Mann, der als Spieler seinen Spitznamen «die Axt» mit Stolz trug und dessen Lehr­meister als Trainer Felix Magath war, ein glühender Verfechter des Einsatzes von Medizinbällen im Trainingsbetrieb. Auch Hollerbach setzte gleich an seinem zweiten Arbeitstag eine derartig knackige Einheit ein, dass sie die grie­chische Abwehrkante Kyriakos Papadopoulos fast wiederbeleben mussten.

Hollerbach setzt auf Kondition, Zweikämpfe und Disziplin. Aber seine persönliche ­Bilanz ist noch trister als die der Hamburger: Er wartet vereinsübergreifend seit 23 Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Zuletzt war er bis Sommer 2017 beim damaligen Zweitligisten Würzburg tätig. Nun also verwaltet er den Hamburger Mangel, für den er ja gar nichts kann. Er hatte weder Zeit für eine Vorbereitung noch konnte er das Kader mitgestalten. Und die Sache mit der Disziplin läuft auch nicht gerade nach Wunsch.

Bedrohliche Situation mit den unzufriedenen Fans

Zuletzt sorgte der talentierte Jungprofi Vasilije Janjicic für Schlagzeilen – leider nicht auf dem Platz. Der 19-Jährige mit Schweizer Pass baute nachts um 1 Uhr alkoholisiert einen Unfall. Besonders ungünstig: Janjicic besitzt nicht mal einen gültigen Führerschein.

Hollerbach, schon sportlich reichlich leidgeprüft, konnte nur noch den Kopf schütteln und stöhnte: «Da hat Vasilije einen grossen Bock geschossen, das war ein Riesenfehler.»

Zumal derartige Vorfälle nicht gerade eine vertrauensbildende Massnahme im zerrütteten Verhältnis mit den Fans darstellen. Die Anhänger sind zunehmend genervt von den Darbietungen, im Heimspiel gegen Leverkusen vor zwei Wochen drohte die Lage schon zu eskalieren. Nach dem 1:2 konnte gerade noch ein Platzsturm verhindert werden. Schon während der ersten Halbzeit war ein Plakat zu sehen, auf dem ­folgende Drohung zu lesen war: «Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt.»

Die Situation hat sich nach dem 0:1 im Nord-Derby gegen Bremen nicht gerade entspannt. Und die Angst ist gross, dass die Lage nach einer Niederlage gegen Mainz endgültig ausser Kontrolle geraten könnte. Die Partie wird als Risikospiel ein­gestuft. Das Polizeiaufgebot wird erhöht, es wird im Stadion keinen Alkohol geben – und der Zaun vor der Fan-Tribüne wird von 1,10 Meter auf 2,20 Meter hoch­ge­zogen.

Keine Frage: Die Situation beim HSV ist sehr ernst. Nicht nur auf dem Spielfeld.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.