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FUSSBALL: Eine halbe Million für «Toyota»

Um Bestechungsgelder zu tarnen, haben sich korrupte Fifa-Funktionäre kreative Spitznamen zugelegt. Dies beschrieb ein Zeuge beim Fifa-Prozess. Das Organisationskomitee von Katar 2022 bestreitet derweil Schmiergeldzahlungen.
Alexander Sarter (sid)
Die FIFA kommt nicht zur Ruhe (Bild: Keystone)

Die FIFA kommt nicht zur Ruhe (Bild: Keystone)

Alexander Sarter (SID)

sport@luzernerzeitung.ch

Um die Zahlung von Schmiergeldern an hochrangige Fussballfunktionäre aus Südamerika zu verschleiern, erhielten die Empfänger offenbar Automarken als Spitznamen. Laut eines Zeugen beim Fifa-Prozess in New York wurden die Funktionäre unter anderem als «VW», «Benz», «Fiat», «Honda», «Peugeot» und «Kia» bezeichnet.

In Dokumenten der Sportmarketing-Agentur «Full Play» aus Argentinien, die sich in der Vergangenheit unter anderem die TV-Rechte an der südamerikanischen WM-Qualifikation und der Copa America gesichert hatte, tauchen verschiedene Namen auf. Rafael Esquivel (Ex-Präsident Venezuela) wurde als «Benz» geführt. Luis Chiriboga (Ex-Präsident Ecuador) hatte den Namen «Toyota». Juan Angel Napout (Ex-Präsident Paraguay, früherer Fifa-Vizepräsident) hiess «Honda». Dabei tauchen überwiesene Summen im hohen sechsstelligen Bereich auf.

Dass «Benz» 750 000 Dollar und «Toyota» 500 000 Dollar jeweils für «Q2022» erhalten haben, stellt erneut den übernächsten WM-Gastgeber Katar (Englisch: Qatar) in ein schlechtes Licht. Allerdings gehörten weder Esquivel noch Chiriboga dem ­Exekutivkomitee des Weltverbands Fifa an, das die Endrunde an Katar vergeben hat.

Fifa sperrt drei Ex- Funktionäre lebenslang

Angeklagt sind nebst Perus früherem Fussballchef Manuel Burga (60) auch der frühere brasilianische Verbandsboss José Maria Marin (85) und der ehemalige Fifa-Vize Juan Angel Napout (59). Die drei Beteiligten waren vor dem Fifa-Skandal einflussreiche Funktionäre im südamerikanischen Kontinentalverband Conmebol, in dem unter der Hand Millionensummen als Gegenleistung für TV-Rechte an Turnieren und Spielen geflossen sein sollen. Auch der mexikanische Fernsehsender Televisa soll Gelder gezahlt haben. Ob der Mord am Mexikaner Adolfo Lagos (siehe Kasten rechts) am Sonntag tatsächlich etwas mit dem Fifa-Prozess zu tun hat, bleibt fraglich. Lagos war Vizepräsident von Televisa, hatte laut mexikanischen Quellen aber nichts mit dem Sport innerhalb seines Senders zu tun.

Derweil hat die Fifa gestern erneut drei hochrangige Ex-Funktionäre wegen Bestechung und Korruption lebenslang von allen Fussballaktivitäten gesperrt – darunter auch «Benz» Esquivel. Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission verurteilte Richard Lai (Ex-Präsident Guam), Julio Rocha (Ex-Präsident Nicaragua) und Esquivel.

Alle drei Ex-Funktionäre haben im Zuge der Ermittlungen der US-Justiz eingestanden, in diversen Fällen Bestechungsgelder entgegengenommen zu haben. Gegen die Funktionäre wurden zudem Geldstrafen verhängt, die in Relation zu den erhaltenen Bestechungsgeldern stehen. Über die genaue Höhe der Geldstrafen machte die Fifa keine Angaben.

Vorwürfe bleiben unkommentiert

Das Organisationskomitee der Fussball-WM 2022 in Katar bekräftigt nach den Anschuldigungen, bei der Vergabe im Jahr 2010 keine Stimmen gekauft zu haben. «Wir kommentieren die Vorwürfe nicht», sagte Hassan Al Thawadi, Generalsekretär des WM-OK. «Wir machen uns keine Sorgen, weil wir von der Integrität unserer Bewerbung überzeugt sind.»

Der frühere argentinische Rechtehändler Alejandro Burzaco hatte im Zeugenstand des Prozesses unter Eid ausgesagt, dass sich drei frühere südamerikanische Funktionäre des Weltverbandes haben bestechen lassen. Darunter auch die «graue Eminenz» des Kontinentalverbandes, der 2014 verstorbene Julio Grondona aus Argentinien.

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