Fussball-EM
Der frühere La-Liga-Profi Fabio Celestini ist zuversichtlich für die Schweiz: «Die Chance besteht, auch Spanien zu besiegen»

Wie kein anderer Schweizer Ex-Nationalspieler ist Fabio Celestini fasziniert und geprägt vom spanischen Fussball. Sechs Jahre hat der Trainer des FC Luzern in La Liga gespielt. Celestini und seine Einschätzung vor dem EM-Viertelfinal Spanien – Schweiz vom Freitag (18.00 Uhr).

Daniel Wyrsch
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Fabio Celestini (Mitte) im Dress von Getafe wird von den Real-Madrid-Stars Raul (links) und Xabi Alonso in die Zange genommen.

Fabio Celestini (Mitte) im Dress von Getafe wird von den Real-Madrid-Stars Raul (links) und Xabi Alonso in die Zange genommen.

Imago Sportfotodienst/ Aargauer Zeitung (Madrid, 25. März 2010)

Fabio Celestini hat zwischen 2004 und 2010 für Getafe und Levante insgesamt 146 Spiele in La Liga absolviert. Für den FCL-Trainer, der die Innerschweizer vor fünf Wochen zum Cupsieg geführt hat, war die Zeit in Spanien die prägendste Phase seiner Karriere. Nach wie vor liebt es der 45-jährige Schweizer Ex-Internationale, darüber zu sprechen. «Der spanische Stil, Fussball zu spielen, hat mich schon immer fasziniert. Darum wollte ich während meiner Karriere auch in Spanien spielen. Natürlich gefällt mir auch die Kultur, mit der ich mich mit meinen südländischen Wurzeln stark identifizieren kann», sagt er. Fabio Celestini wuchs in Lausanne auf, seine Eltern stammen aus Italien.

Vorbilder Schuster, Laudrup und Michel sowie Beziehung zu Zidane

Gepflegt von hinten aus der Abwehr heraus lässt Fabio Celestini auch beim FC Luzern spielen. Gewiss haben ihn die Entrenadores in Spanien zu dieser Spielweise inspiriert. Mit dem Deutschen Bernd Schuster, dem Dänen Michael Laudrup haben ihn neben dem Spanier Michel auch Trainer aus anderen Nationen geprägt. Er hebt diese drei Übungsleiter aus seiner Zeit auf der iberischen Halbinsel heraus. Sie stehen für offensiven und spektakulären Fussball. «Bernd Schuster, Michael Laudrup und Michel haben mich mit ihrer Art als Trainer, aber auch als Person stark geprägt», sagt Fabio Celestini.

In Spanien ist auch eine Beziehung zu Zinédine Zidane und dessen Familie entstanden. Zidane zählt zu den erfolgreichsten Fussballern der Geschichte, wurde mit Frankreich Welt- und Europameister, gewann mit Real Madrid als Spieler und Trainer die Champions League. Fabio Celestini erzählt: «Unsere Söhne gingen in Madrid gemeinsam auf eine französische Schule – zudem stammt Zidane aus Marseille, wo ich ja ebenfalls gespielt hatte. Dadurch gab es immer mal wieder Kontakt zwischen uns beiden.»

Jordi Alba, Busquets und Koke als Leader

Als Spanienkenner verfolgt Fabio Celestini «La Furia Roja» an der EM mit besonderem Interesse. Nach zwei Unentschieden in den Gruppenspielen gegen Schweden (0:0) und Polen (1:1) haben die Spanier erst den letzten Vorrundenmatch gegen die Slowakei (5:0) und anschliessend den Achtelfinal gegen Kroatien (5:3 n.V.) gewonnen. Wie beurteilt der FCL-Coach die Leistungen? «Die Spanier sind dabei, die Generation nach Xavi und Iniesta aufzubauen – sie haben grosses Potenzial. Es ist manchmal nicht einfach, in ein grosses Turnier reinzukommen, aber die Leistungen der Spanier wurden meiner Meinung nach mit jedem Spiel besser.»

Bis jetzt hat sich allerdings kein Spieler der aktuellen Mannschaft als Leader und überragender Leistungsträger entpuppt. Diese Ansicht teilt Fabio Celestini nicht: «Aus meiner Sicht stehen mit Jordi Alba, Busquets und auch Koke Spieler mit viel Erfahrung im Kader, die auf dem Platz auch eine Leaderrolle übernehmen können.»

Teilweises Verständnis für Luis Enrique

Auf der anderen Seite hat der ehemalige Barça-Trainer Luis Enrique mit dem Verzicht auf die valablen Real-Madrid-Spieler Sergio Ramos, Marco Asensio, Isco und Daniel Carvajal freiwillig auf viel Erfahrung verzichtet. Verstehen Sie Nationalcoach Luis Enrique? «Das ist seine Entscheidung, ich möchte sie nicht beurteilen. Sein Ziel ist bestimmt, die bestmögliche Mannschaft auf dem Feld zu haben, darum muss man die Selektion akzeptieren. Ausserdem muss man berücksichtigen, dass die genannten Real-Spieler, aber auch arrivierte Profis von Barcelona, während der Saison verletzt waren – oder nicht viele Einsatzminuten sammeln konnten.»

Trainer Fabio Celestini (Zweiter von rechts) hat den FC Luzern vor wenigen Wochen zum dritten Cupsieg der Klubgeschichte geführt.

Trainer Fabio Celestini (Zweiter von rechts) hat den FC Luzern vor wenigen Wochen zum dritten Cupsieg der Klubgeschichte geführt.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 24. Mai 2021)

Mit Ausnahme des 1:0-Sieges an der WM 2010 in Südafrika hat die Schweiz traditionell Mühe gegen Spanien. Fabio Celestini hat dafür eine einfache Erklärung: «Spanien gehört in Europa schon lange zu den besten Nationen, das darf man nicht vergessen. Die letzten 15 Jahre waren durch aussergewöhnliche Spieler geprägt, entsprechend tat sich nicht nur unsere Nati schwer gegen diesen Gegner.» Tatsächlich hatte «La Furia Roja» mehrere Turniere in Folge dominiert, wurde Weltmeister 2010 und gewann die EM 2008 und 2012. Bereits 1964 hatten die Spanier ihre erste von drei Europameisterschaften gefeiert.

Bedauern über die Sperre von Xhaka

Die Schweiz geht nach dem überraschenden Achtelfinalerfolg über Weltmeister Frankreich mit breiter Brust in den Viertelfinal. Fabio Celestini: «Es ist ein K.o.-Spiel, da ist alles möglich. Die Schweizer Nati hat mit dem Sieg gegen Frankreich ganz sicher viel Selbstvertrauen getankt, entsprechend besteht die Chance, auch Spanien zu besiegen.» Er bedauert, dass der gesperrte Captain diese kapitale Partie nicht wird bestreiten können: «Schade, fehlt Granit Xhaka, er hat gegen Frankreich eine Glanzleistung gezeigt.»

Bei aller Liebe für Spanien und dessen Fussball versichert Fabio Celestini: «Ich bin Schweizer und Fan unserer Nati – natürlich werde ich am Freitag beide Daumen für unser Team drücken.»