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FUSSBALL: Er pfiff den Final für 75 Franken Taggeld

Heute findet der Europa-League-Final statt. In Stockholm stehen sich ab 20.45 Ajax Amsterdam und Manchester United gegenüber. Der ehemalige Luzerner Fifa-Schiedsrichter Toni Bucheli (87) erinnert sich an seinen europäischen Final.
Turi Bucher
Toni Bucheli, inzwischen 87-jährig, in der Luzerner Hermitage. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 3. Mai 2017))

Toni Bucheli, inzwischen 87-jährig, in der Luzerner Hermitage. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 3. Mai 2017))

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Neben der Champions League, wie wir sie heute kennen und die bis 1992 Europacup der Meister hiess, gab es damals noch den Europacup der Cupsieger bis 1999 – dieser mündete in den Uefa-Cup beziehungsweise in die heutige Europa League. Den Final eines solchen Wettbewerbs leitete einst der Luzerner Anton «Toni» Bucheli als Schiedsrichter. Es war die Finalpartie Real Madrid – Chelsea von 1971. Das Spiel wurde in Athen ausgetragen, und es war ein Wiederholungsspiel, nachdem sich die beiden Teams zwei Tage zuvor unter der Leitung des Schweizer Schiedsrichters Rudolf Scheurer 1:1 nach Verlängerung getrennt hatten.

Toni Bucheli erinnert sich an das Wiederholungsspiel, das Chelsea dann mit 2:1 gewann: «Ich war auf dem Höhepunkt meiner Schiedsrichterkarriere, war gut in Form. Deshalb durfte ich diesen Final pfeifen. Ich hatte in Athen vier Tage Aufenthalt und bekam neben den Reisespesen ein Taggeld von 75 Franken erstattet.»

«Herr Schiedsrichter, lassen Sie uns Fussball spielen»

Bucheli pfiff in seiner Karriere Spiele mit Franz Beckenbauer, Pelé, Eusebio, Bobby Charlton oder Dino Zoff. «Ich war 13 Jahre lang in den Testläufen der schnellste Schweizer Schiedsrichter», erzählt Bucheli. Der «Türöffner» für seine Schiedsrichterlaufbahn sei aber die ungarische Stürmerlegende Ferenc Puskas (2006 gestorben) gewesen. Es war 1960, als Bucheli vom ehemaligen FC-Zürich-Präsidenten Edi Naegeli angerufen und als Schiedsrichter für das Freundschaftsspiel FC Zürich – Real Madrid angefragt wurde. Bucheli: «Im Spiel attackierte dann der Zürcher Wüthrich den Weltstar Puskas. Ich pfiff Foul. Da kam Puskas zu mir und sagte: ‹Herr Schiedsrichter, lassen Sie uns doch Fussball spielen.› Ich war beeindruckt. Seither habe ich immer versucht, das Spiel möglichst laufen zu lassen und nicht kleinlich zu pfeifen. Das hat mir in meiner Karriere sehr geholfen.»

Bucheli stieg 1962 zum Fifa-Schiedsrichter auf. Der gelernte Maschinen­mechaniker arbeitete während seiner Schiedsrichtertätigkeit als Versicherungsagent. Der ehemalige Hobbyflieger und heutige Vater von zwei erwachsenen Töchtern und zwei erwachsenen Söhnen war von 1951 bis 1975 aktiver Schiedsrichter.

Im Verlaufe von insgesamt über 1200 Fussballspielen, die Bucheli arbitrierte, zeigte er nur gerade fünf Mal die rote Karte.

Schlagfertig zeigte sich Bucheli beispielsweise gegenüber dem früheren FCZ-Captain und ehemaligen Nationalcoach Köbi Kuhn. Als Kuhn als FCZ-Spieler nach einem Pfiff heftig reklamierte, erklärte Bucheli ihm: «Ich leite dieses Spiel für Wurst und Brot, und Sie spielen für viel Geld. Einer von uns beiden geht vielleicht vorzeitig unter die Dusche. Aber ich bin das sicher nicht.»

Bestechungsversuch im Istanbuler Hotel

Einmal gab es in Istanbul vor der Partie des türkischen Meisters gegen den polnischen Meister sogar einen Bestechungsversuch. «Auf unserem Hotelflur war ein Polizist zu unserem Schutz postiert», erinnert sich Bucheli. «Am Nachmittag vor dem Spiel klopfte es plötzlich an unserer Tür. Ich öffnete, und schon hielt einer seinen Schuh in die Türöffnung. Er öffnete einen mit Geld gefüllten Koffer. Er sagte, es seien 150 000 Dollar für uns. Ich rief ‹Abfahre!› und weckte den Polizisten, der auf dem Flur eingeschlafen war.» Als das Istanbuler Heimteam in Rückstand geriet, hagelte es für Buchelis Linienrichter Ruedi Renggli und Peter Aschwanden Äpfel und Mandarinen. «Da haben wir den Fruchtsalat», soll Renggli gerufen haben. Und kurz vor Schluss, beim Stande von 0:2, flog auch noch eine Pyrorakete knapp vor Buchelis Gesicht durch.

Das Spiel richtig zu lesen und eine natürliche Autorität, das seien seine Stärken als Schiedsrichter gewesen, erzählt Bucheli. Aber er sei 1967 auch einmal für ein halbes Jahr lang gesperrt gewesen. Bucheli: «Ich war krank, angeschlagen, wollte die Partie Basel – Zürich aber trotzdem pfeifen. Weil ich dann eine schlechte Leistung bot, wurde ich gesperrt.»

«Früher gab es viel mehr versteckte Fouls»

Nach seiner Aktivlaufbahn war Bucheli als Instruktor und Ausbildner in Afrika und Asien tätig. Bucheli erinnert sich, dass er mit dem vormaligen Nationaltrainer René Hüssi zwecks Schiedsrichterkurse reiste und nach einem Flug von Libreville (Äquatorialguinea) nach Accra (Ghana) das gesamte Gepäck abhanden gekommen war. «Wegen eines Sandsturmes mussten wir eine Woche lang auf den nächsten Flug warten. Schliesslich gelang es Hüssi mit dem letzten Geld irgendwie, uns einen Flug nach Europa via Monrovia in Liberia zu kaufen. Endlich auf dem Flug nach Paris, begannen sich die Leute im Flugzeug nach uns umzudrehen, denn wir hatten die ganze Woche dieselben Kleider tragen müssen und rochen dementsprechend.»

Toni Bucheli sagt vor dem heutigen Europa-League-Final Ajax Amserdam – Manchester United, dass es durchaus Sinn mache, wenn der sofortige Videobeweis bald standardmässig eingesetzt werde. «Es gab früher viel mehr versteckte Fouls. Weil es noch keine Kameras gab.» Aber: «Ich möchte hier ja nicht den Schiedsrichter-Papst spielen, doch derart viele Fehlentscheide, wie es sie beispielsweise im Champions-League-Viertelfinal Real Madrid – Bayern München gab, dürfen einem Schiedsrichter einfach nicht passieren, Videobeweis hin oder her.»

Toni Bucheli als Schiedsrichter des Länderspiels Italien (links Giacinto Facchetti) – Deutschland (rechts Franz Beckenbauer). (Bild: AB)

Toni Bucheli als Schiedsrichter des Länderspiels Italien (links Giacinto Facchetti) – Deutschland (rechts Franz Beckenbauer). (Bild: AB)

Toni Bucheli mit den ehemaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter und João Havelange (von links). (Bild: AB)

Toni Bucheli mit den ehemaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter und João Havelange (von links). (Bild: AB)

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