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FUSSBALL: Fifa-Prozess wird zum Mafia-Drama

Schon an den ersten Tagen erinnert der Fifa-Prozess in New York an einen Mafia-Film. Ein Beschuldigter soll Suizid begangen haben, ein Zeuge fürchtet um sein Leben.
Jan Mies (sid)
In diesem Gebäude in New York findet der Fifa-Prozess statt. (Bild: Andrew Gombert / EPA (New York, 16. Juli 2015))

In diesem Gebäude in New York findet der Fifa-Prozess statt. (Bild: Andrew Gombert / EPA (New York, 16. Juli 2015))

Jan Mies (SID)

sport@luzernerzeitung.ch

Es war nur eine kleine Geste, doch sie war unmissverständlich. Als Alejandro Burzaco im Zeugenstand des Fifa-Prozesses (siehe Kasten) weiter auspackte, den tiefen Korruptionssumpf detailliert beschrieb, strich sich einer der Angeklagten mit zwei Fingern über den Hals. Was die empörte Staatsanwaltschaft sofort als Todesdrohung rügte, erinnerte an einen Mafia-Film – der immer makaberer wird.

Schon die Nachricht vom mutmasslichen Suizid des früheren argentinischen Funktionärs Jorge Delhon, nur kurz nachdem er von Burzaco ebenfalls der Korruption im Fussballgeschäft bezichtigt worden war, warf einen dunklen Schatten auf den Prozesstag am Mittwoch (Ortszeit) im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Burzaco, einst Chef einer argentinischen Sportmarketingfirma (Torneos y Competencias), die im Fifa-Korruptionsnetz eine entscheidende Rolle gespielt hatte, hatte sich bereits 2015 der Korruption schuldig bekannt und war einen Deal mit den Ermittlern eingegangen. Er erschien sichtlich mitgenommen vor Gericht. Zwischenzeitlich musste die Befragung unterbrochen werden. Und dann machte Manuel Burga seine Halsabschneider-Geste.

Namen der Geschworenen bleiben geheim

Gerüchte, dass Zeugen bedroht werden, hatten schon vor dem Prozessauftakt die Runde gemacht. Auch deshalb werden die Namen der Geschworenen geheim gehalten. Angeklagt sind neben Burga (60) auch Jose Maria Marin (85, er wurde wie Burga 2015 im Zürcher Luxushotel Baur au Lac festgenommen) und Juan Angel Napout (59). Sie sind die ersten drei prominenten Funktionäre, die im Zuge des 2015 durch die US-Justiz aufgedeckten Fifa-Skandals vor Gericht stehen. Zuvor waren sie einflussreiche Funktionäre im südamerikanischen Kontinentalverband Conmebol, in dem laut Burzaco unter der Hand ungeheuerliche Summen als Gegenleistung für TV-Rechte an Turnieren und Spielen geflossen sein sollen.

Perus früherer Fussballchef Burga wurde demnach mit 3,6 Millionen Dollar bestochen, der ehemalige Fifa-Vizeprä­sident und Conmebol-Boss Napout strich 4,5 Millionen ein und der ehemalige brasilianische Verbandsboss Marin 2,7 Millionen. Und noch mehr Geld sei versprochen worden, sagte Burzaco.

«Nur am Hals gekratzt»

Die vorsitzende Richterin Pamela Chen wertete Burgas Geste, die von den Staatsanwälten sogar zweimal beobachtet wurde, als versuchte «Einschüchterung des Zeugen» und ordnete an, dass der Angeklagte mit einer Fussfessel überwacht werden müsse und keinerlei Zugang zu Computern oder Handys haben dürfe. Burgas Rechtsbeistand verteidigte den Peruaner, der wie Marin und Napout seine Unschuld beteuert. Sein Klient habe «sich nur am Hals gekratzt», er leide an Dermatitis, sagte Anwalt Bruce Udolf. Dennoch befeuerte die kleine Geste Spekulationen, dass sich Delhon am Vortag im Grossraum Buenos Aires nicht freiwillig vor einen Zug gestürzt habe. Bislang deutet in den argentinischen Medien und Mitteilungen der Polizei aber nichts darauf hin.

Bereits am Dienstag belastete Alejandro Burzaco unter anderen Medienunternehmen aus den USA, Argentinien, Brasilien und Spanien. Alle sollen in die millionenschweren Schmiergeldzahlungen auf unterschiedliche Weise involviert gewesen sein. Burzaco berichtete auch von gekauften Stimmen für die WM 2022 in Katar.

Fortgesetzt wird der Fifa-Prozess an fast jedem Werktag, mindestens über Wochen, wenn nicht Monate. Die Verhandlung gegen Marin, Napout und Burga wird nur der Anfang sein.

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