FUSSBALL: Frei will sagen, was er denkt

Alex Frei (33) nimmt seine Arbeit beim FC Luzern mit klaren Vorstellungen auf. Der neue Sportdirektor scheut sich auch nicht, Geldgeber Bernhard Alpstaeg die Meinung zu sagen.

Daniel Wyrsch
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Alex Frei an der gestrigen Pressekonferenz in der Swissporarena. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Alex Frei an der gestrigen Pressekonferenz in der Swissporarena. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Für Alex Frei war es ein fast nahtloser Übergang vom Profifussballer zum Sportdirektor. Am Sonntag hatte er sich mit einem wunderbaren Freistosstor vom FC Basel und den Fussballfans in der ganzen Schweiz verabschiedet, gestern stand er an seinem ersten Arbeitstag als neuer Sportdirektor beim FC Luzern den Medien Red und Antwort. Für die Verarbeitung des emotionalen, perfekt gelungenen Abschieds hat es für den 33-jährigen Baselbieter gar keine Zeit gegeben. «Ich bin nicht der Typ, der etwas nachtrauert. Ich habe schon seit September gewusst, dass ich aufhören werde.» Frei meint, vielleicht sei es gut, wenn er kaum Gelegenheit zum Nachdenken gehabt habe. «Ich habe jetzt eine interessante und schwierige Aufgabe beim FCL.»

Bevor er gestern Mittag seine Arbeit in der Geschäftsstelle der Swissporarena aufgenommen hat, war es ihm wichtig, sich am Morgen von der Mannschaft und den Mitarbeitern des FC Basel persönlich zu verabschieden. Frei lebt mit seiner Familie weiter in Biel-Benken und hat eine Mietwohnung in Luzern.

Zur Begrüssung der Journalisten in der Swissporarena stellt er klar, dass er als FCL-Sportdirektor lieber wenig als oft in den Medien erscheinen möchte. «Meistens, wenn man viel sagen muss, läuft es nicht gut», begründet Frei. Zum Start in Luzern gibt der verletzte Ex-Goalgetter («als Profi müsste ich jetzt drei Wochen pausieren») konkrete Antworten. Es ist klar, dieser junge Mann hat klare Vorstellungen, wie er den FC Luzern zu einer Topadresse im Schweizer Fussball machen will. Frei erklärt die wichtigsten Punkte seiner neuen Arbeit und die sportliche Ausrichtung.

seine Rolle

«Ich bin froh, wenn ich mein Gesicht nicht zwei oder drei Mal pro Woche in der Zeitung sehe. Es muss allen bewusst sein, dass wir ein Team und eine Einheit sind beim FC Luzern. Die Verantwortung lastet auf verschiedenen Schultern. Natürlich sucht man irgendwann einen Hauptverantwortlichen, das ist mir bewusst, dann stehe ich hin, das ist kein Problem. Ich werde mich weder in die Aufstellung einmischen, noch werde ich bei den Spielen auf der Bank sitzen. Marco Streller hat mir gedroht, falls er mich dort sehen würde, haue er als Erstes einen Ball auf die Bank ... Ich geniesse nun die Partien von der Tribüne.»

die investoren

«Ich habe am Sonntag nach meinem letzten Match gesagt, dass es in Luzern keine One-Man-Show gibt, dass ich mich eher zurückziehen werde und dass ich dies auch von anderen Leuten erwarte. Gewisse Sachen waren nicht förderlich für die Mannschaft, ich glaube aber, im Herzen leiden Herr Stierli und Herr Alpstaeg mit dem Verein, oder sie freuen sich, das heisst, die beiden sind mit Leidenschaft dabei. Ich kann es nicht beurteilen, vielleicht hat man es bis jetzt nicht gemacht, aber ich finde, man muss mit den Leuten reden. Ich habe mit Monsieur Pinault (François Pinault ist der Besitzer von Freis Ex-Klub Stade Rennes; Anm. der Red.) ein hervorragendes Verhältnis gehabt, und er hat 20 Milliarden Euro auf dem Konto. Ich weiss, wie mit Mäzenen umzugehen und wie mit Mäzenen zu reden ist. Meine Meinung ist, wenn man mit den Leuten redet, erreicht man sehr viel. Auch wenn man direkt und ehrlich ist, weil viele Leute in solchen Positionen und in der Wirtschaft sich generell nicht gewohnt sind, dass man ihnen widerspricht. Ich denke, ich bin immer ein Typ gewesen, der das gesagt hat, was er denkt. Ich scheue mich auch nicht, vor solchen Leuten meine Meinung zu sagen. Ich habe Respekt, bin demütig vor dem, was diese Leute erreicht haben, aber es gibt in meiner Vorstellung von Fussball gewisse Sachen, die in Zukunft nicht mehr gehen.»

der abstiegskampf

«Wir müssen uns so schnell wie möglich eine komfortable Ausgangslage schaffen, das heisst, den Klassenerhalt sichern. Gegen Lausanne hat die Mannschaft wieder Dynamik gezeigt, es bläst ein frischer Wind. Doch die Spielphilosophie ist nicht veränderbar, wenn man auf dem neunten Platz steht. Dafür brauchen wir länger, das ist ein langwieriger Prozess. Das Wichtigste war, dass wir gegen Lausanne drei Punkte geholt haben, die Mannschaft hat nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt.»

der trainer

«Carlos Bernegger hat die Mannschaft wieder geweckt, er hat schon am ersten Tag ein Feuer entfacht. Es ist egal, wie wir im ersten Match gesiegt haben. In dieser Situation zählt nur das Resultat.»

die transfertätigkeit

«Ob ich meinen Kumpel Mario Eggimann hole? Ich stelle die Mannschaft nicht nach Freunden zusammen, sondern hole Spieler, die dem FCL helfen können. Zu laufenden Vertragsverhandlungen habe ich mich als Spieler nie geäussert und werde es auch als Sportdirektor nicht tun. Die Gestaltungsfreiheit beim Einkauf von neuen Spielern muss sich natürlich im Machbaren bewegen – ich bin nicht doof! 98 Prozent der Spieler, mit denen ich rede, sagen, wir müssten zuerst den Klassenerhalt sichern. Je schneller klar ist, dass wir oben bleiben, desto schneller können wir planen. Übrigens: Dimitar Rangelov liegt mir am Herzen, ich will mit ihm reden. Seine Qualität entspricht nicht dem, was er hier bis jetzt gezeigt hat. Ich bin überzeugt, mit Selbstvertrauen schiesst er 10 bis 15 Tore pro Saison.»

die eckpfeiler

«Als Ziel haben wir uns gesetzt, junge Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren – die Schweiz ist ein Ausbildungsland. Als weitere Eckpfeiler sehe ich die Identifikation von der ersten Mannschaft mit den Fans und der Region und in Sachen Image im gesamten Fussballbereich ab der U 12 bis zur ersten Mannschaft das Verhalten als Sieger und als Verlierer sowie die Einführung einer Winnermentalität.»