Fussball
Freude, Frust, Schmerz, Abschied: Bei den Frauen des FC Luzern ist einiges los

Die Frauen des FC Luzern erleben aufwühlende Tage. Gegen das Schlusslicht Lugano reicht es nur zu einem 1:1.

René Barmettler
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Luzerns Torschützin Svenja Fölmli (links) hat meistens mehrere Gegenspielerinnen vor sich.

Luzerns Torschützin Svenja Fölmli (links) hat meistens mehrere Gegenspielerinnen vor sich.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13.März 2021)

0:0 bei Super-League-Leader Servette Chênois, eine Woche später ein 1:1 gegen das abgeschlagene Schlusslicht Lugano: Der FC Luzern ist sportlich eine Wundertüte. In beiden Partien muss die Ambulanz herbeigerufen werden. Und Trainer Glenn Meier, der Ende Saison den FCL verlässt, bricht die Zelte für eine ungewisse Weile ganz ab.

Das Sportliche

Im Kampf um Platz fünf erleidet der FCL einen Rückschlag. Beim 1:1 am Samstag gegen die Tessinerinnen stellt er sich nicht gerade geschickt an. Wer nur ein 1:1 gegen das zuvor punktelose Team mit fast sechs Gegentoren pro Spiel erreicht, kann nicht vieles richtig gemacht haben. Glenn Meier mag nach Spielende auch gar nichts schönreden:

«Wir haben nicht mehr als diesen Punkt verdient, beim frühen Gegentor waren wir schlicht nicht parat.»

Noch keine zwei Minuten sind gespielt, als die US-Amerikanerin Natalia Michele Shonte Pinkney zur überraschenden Führung einschiesst. Zwar reagieren die Luzernerinnen, bemühen sich gegen einen diesmal sehr aufsässigen Gegner, aber im Spiel nach ganz vorne fehlt wiederum die spielerische Qualität. Zwar kann die Nationalstürmerin Svenja Fölmli in der 18. Minute nach einem Dribbling gegen Lugano-Goalie Inés Palmiero Herrera zum 1:1 ausgleichen. Die 18-Jährige trifft in der 71. Minute auch noch den Pfosten, ihre Sturmkollegin Irina Pando dringt in der 90. Minute noch vielversprechend in den gegnerischen Strafraum ein, scheitert aber an der Torhüterin.

Eine Woche zuvor ist es der Gegner gewesen, der sich vergeblich an den Luzernerinnen abmüht. Der souveräne Leader Servette Chênois scheitert Mal um Mal an FCL-Torhüterin Lea van Weezenbeek und kommt schliesslich auch noch mit Glück um einen Gegentreffer herum. Das 0:0 ist nach dem 2:0-Sieg Ende November gegen Serienmeister Zürich das zweite bemerkenswerte Resultat für die sechstplatzierten Innerschweizerinnen in dieser Spielzeit.

Die Unfälle

Überschattet wird das tolle 0:0 durch den frühen Ausfall von Aussenverteidigerin Chantal Wyser. Bei einem Zweikampf knickt ihr der rechte Fuss weg. «Ich fühlte einen Riesenschmerz», erzählt die 21-jährige Rothenburgerin. Die Ambulanz muss auf den Platz in Carouge gerufen werden. Die Trage kommt zum Einsatz, es folgt ein fast dreistündiger Aufenthalt im Spital. «Niemand sprach Deutsch oder Englisch, zum Glück war noch Melanie Müller bei mir», sagt Wyser. Mittelfeldspielerin Müller selber fehlt schon seit geraumer Zeit, befindet sich derzeit im Aufbau, steht Wyser bei, der schliesslich Schmerzmittel verabreicht wird. Immerhin stellt sich schliesslich heraus: nichts gebrochen. Sobald die Schwellung abklingt, soll ein MRI aufzeigen, ob sie einen Bänderriss erlitten hat. Immerhin muss sie inzwischen keine Schmerzmittel mehr einnehmen. Der Ausfall kommt just zu einem Zeitpunkt, «als es mit diesem Team immer mehr Spass macht und wir uns auch resultatmässig auf gutem Weg befinden. Es wurmt mich, nicht mehr dabei zu sein». Die ehemalige Junioren-Internationale wird zwischen April und August die Sportler-RS in Magglingen absolvieren und spätestens in der nächsten Saison beim FCL wieder eingreifen.

FCL-Stürmerin Irina Pando holt hier gegen die Luganese Luna Gianotti einen Eckball heraus.

FCL-Stürmerin Irina Pando holt hier gegen die Luganese Luna Gianotti einen Eckball heraus.

Dominik Wunderli (Luzern, 13. März 2021)

Ein Unglück kommt selten allein, besagt ein altes Sprichwort: Auch in der Partie gegen Lugano muss die Ambulanz aufgeboten werden. Kurz vor dem Halbzeitpfiff bleibt Luganos Rumänin Teodora Meluta nach einem Zweikampf liegen. Die Schreie wollen nicht mehr aufhören, die Bedauernswerte hat wohl den linken Fuss gebrochen. Es dauert fast eine halbe Stunde, ehe die Ärzte sie vom Platz wegrollen und ins Kantonsspital, wo Chantal Wyser übrigens im Büro arbeitet, überweisen können.

Der Reisende

Kürzlich hat FCL-Trainer Glenn Meier bekanntgegeben: Nach vier Saisons mit Luzerns Spitzenfussballerinnen ist Schluss. Der 34-Jährige will in einer unbestimmten Auszeit herausfinden, was er künftig im Fussball noch erreichen will. Er befindet sich in einem Zwiespalt, in dem er den Spitzenfussball zwar faszinierend findet, aber es auch Seiten gibt, die ihm weniger gefallen: Haifischbecken ist ein Begriff, der fällt.

«Ich will mich aus der Komfortzone herausbewegen und mich testen.»

Das bedeutet: Ein radikaler Schritt aus einem Leben, das bisher vom Fussball als Spieler und Trainer dominiert wurde. Meier hat sein Hab und Gut verscherbelt, sich bei der Einwohnerkontrolle ­abgemeldet, und im Sommer heisst es dann: «Ich bin dann mal weg.» Ohne Plan, mit Rucksack, raus aus der Schweiz, die Welt bereisen, «um herauszufinden, wer ich überhaupt bin».

Derweil sich der Vorstand mit Präsident Robert Schürch um Meiers Nachfolge bemüht. Es wird wohl eine externe Lösung geben, Kandidaten haben sich bereits vorgestellt. Bedingung ist das Uefa-A-Diplom. Meier ist nebst Trainer auch noch sportlicher Leiter. Gut möglich, dass die beiden Posten künftig von zwei verschiedenen Persönlichkeiten ausgeführt werden.

Luzern – Lugano 1:1 (1:1)
Allmend Süd, Kunstrasen. – 0 Zuschauer. – SR Hürlimann.
Tore: 2. Pinkney 0:1. 18. Fölmli 1:1.
Luzern: Van Weezenbeek; Schnider, Ruf, Von Känel, Klotz (81. Häring); Furger (58. Remund), Bienz; Pando, Jackson, Höltschi (68. Sager); Fölmli.
Lugano: Herrera; De Marchi, Tonelli, Meluta (46. Andersson), Gianotti, Vigano; Petrova, Marolt, Suter; Carp, Pinkney (76. Petkova).
Bemerkung: 71. Pfostenschuss Fölmli.