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FUSSBALL: «Für uns geht ein Traum in Erfüllung»

Lara Dickenmann (29) aus Kriens und Ramona Bachmann (24) aus Malters stehen vor dem Karriere-Höhepunkt. An der Weltmeisterschaft 2015 sind ihre Tore gefragt.
Lara Dickenmann (links) und Ramona Bachmann schiessen Tore am Laufmeter. (Bild: Keystone)

Lara Dickenmann (links) und Ramona Bachmann schiessen Tore am Laufmeter. (Bild: Keystone)

Lara Dickenmann ist zum vierten Mal in Serie zur Schweizer Fussballerin des Jahres gewählt worden. Die Krienserin über Lyon, die WM in Kanada und das Karrierenende.

Lara Dickenmann, Serienmeister Lyon geht als Leader mit drei Punkten Vorsprung auf Paris in die Winterpause. Sämtliche 14 Spiele wurden gewonnen. Wie beurteilen Sie die bisherige Saison?

Lara Dickenmann: Wir wollten mit Champions League, Meisterschaft und Cup alle drei Titel gewinnen. Leider ist das aber nicht mehr möglich, weil wir in der Champions League bereits in den Achtelfinals an Paris gescheitert sind. Wir haben das Rückspiel mit 0:1 verloren. Das ist der negative Aspekt der ersten Saisonhälfte.

Wie bilanzieren Sie Ihre persönlichen Leistungen?

Dickenmann: Wir haben eine sehr offensive Taktik. Dabei spiele ich seit dieser Saison rechte Aussenverteidigerin. Um auszuhelfen, habe ich das gerne gemacht. Auf Dauer bin ich aber kein grosser Fan dieser Position. Aufgrund unserer Dominanz gibt es in der Abwehr nicht viel zu tun. Ich wünschte mir, wieder weiter vorne zu spielen.

Haben Sie einen speziellen Wunsch fürs nächste Jahr?

Dickenmann: Persönlich, dass ich meine Karriere weiterhin so verletzungsfrei wie bisher führen kann, und allgemein wünsche ich mir, dass meine Familie und Freunde gesund bleiben.

Im nächsten Juni spielt das Schweizer Nationalteam der Frauen erstmals an einer Fussball-WM mit. In Kanada trifft man auf Titelverteidiger Japan sowie die Aussenseiter Kamerun und Ecuador. Ist dieses Turnier schon in Ihrem Hinterkopf präsent?

Dickenmann: Ja, sicher. Umso mehr, seit wir wissen wo und gegen wen wir spielen. Diese erste WM-Teilnahme ist sehr wichtig für uns, ein Traum geht in Erfüllung. Nun möchten wir natürlich so lange wie möglich drin bleiben. Mit der Gruppenauslosung hätte es uns schlimmer treffen können.

Sie debütierten im Jahr 2002 im Nationalteam. Welches sind die Meilensteine in der Entwicklung des Schweizer Frauenfussballs?

Dickenmann: Ein wichtiger Punkt ist das Ausbildungszentrum in Huttwil, das seit 2004 besteht. Viele Spielerinnen sind seither durch dieses System gegangen und haben eine gute Ausbildung erhalten. Sehr viel bewirkt hat unsere Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg (seit Februar 2012, Anm. d. Red.). Sie brachte die deutsche Mentalität ins Team. Die Deutschen stellen sich nicht in Frage, sie machen sich auch nicht kleiner, als sie sind, wie wir Schweizer es tendenziell noch immer tun. Martina sah unsere Qualitäten, glaubte an uns und vergrösserte unser Selbstbewusstsein. Auch die Analyse des Gegners und die Spielvorbereitung sind professioneller geworden. Zudem sind viele Spielerinnen mittlerweile im Ausland engagiert und spielen in einem professionellen Umfeld. Und die Stimmung im Team ist sehr gut, der harte Kern ist schon lange zusammen, die Automatismen greifen.

Frauenfussball fristet in der Schweiz ein Mauerblümchen-Dasein. Ähnlich wie Frauen-Eishockey. Nun gewannen die Schweizer Eishockeyfrauen im letzten Winter an den Olympischen Spielen die Bronzemedaille und standen plötzlich im medialen Fokus ...

Dickenmann: Das habe ich verfolgt. Mit Goalie Florence Schelling war ich mal zu einem Doppelinterview eingeladen worden, als wir beide noch in den USA an einer Universität waren. Ein Schweizer Frauenteam, das einen solch grossen Erfolg feiert, ist sehr inspirierend für mich und dient mir als Vorbild.

Sie sind nun 29 Jahre alt und nähern sich dem Karrierenende. Haben Sie sich schon Gedanken über das Leben nach dem Profifussball gemacht?

Dickenmann: Ein paar Jahre möchte ich schon noch anhängen. Aber sicher habe ich Ideen im Kopf, die ich gerne umsetzen würde. Vielleicht bleibe ich dem Fussball in irgendeiner Funktion erhalten, vielleicht studiere ich Politologie, nachdem ich in den USA bereits internationale Wirtschaft studiert habe.

Wie lange läuft Ihr Vertrag in Lyon noch?

Dickenmann: Bis im Sommer. Ich bin nun seit sechs Jahren in Lyon. Der Vertrag verlängert sich automatisch, wenn keine der beiden Parteien das Veto einlegt. Ein Wechsel ist für mich sicher ein Thema. Noch weiss ich nichts Konkretes, aber ein letztes Abenteuer würde mich schon reizen.

Das Interesse ist plötzlich da

Ramona Bachmann ist mit dem FC Rosengård weiterhin auf Erfolgskurs. Der Verein, der sich auf diese Saison hin umbenannte und davor LdB FC Malmö hiess, hat die schwedische Damallsvenskan mit 12 Punkten Vorsprung gewonnen. Bachmann ist damit zum zweiten Mal schwedische Meisterin. «Es ist sehr gut gelaufen. Es war zwar nicht zu einfach. Doch für die Liga ist es schade, dass mit Tyresö unser grösster Rivale nicht mehr dabei ist», resümiert Bachmann. Tyresö, Champions-League-Finalist der letzten Saison, ging im Sommer Konkurs.

Bachmann schloss die Saison mit elf Treffern als viertbeste Torschützin ab. Als hängende Spitze im 4:2:1:3-System nahm sie eine zentrale Rolle ein. «Ich habe viele Freiheiten, das passt mir sehr.» In dieser Saison ist sie sogar zum Vize-Captain aufgestiegen. «Ich war eigentlich nie ein Captain-Typ, ich reisse das Team eher mit meinem Spielstil mit. Mit dieser Verantwortung habe ich mich aber nochmals weiterentwickeln können.»

Training in Malters

Wie zu ihrer Zeit bei Ligarivale Umeå spielt Bachmann wieder an der Seite ihres Vorbilds – die fünffache Weltfussballerin Marta verliess das insolvente Tyresö und schloss sich im Juli Rosengård an. «Die Medien stellten die Frage: Marta und Ramona zusammen – geht das? Beide sind sich gewohnt, dass das Team um sie herum aufgebaut ist», erzählt Bachmann und hält fest: «Marta und ich verstehen uns sehr gut. Wir stehen uns definitiv nicht im Weg. Rosengård ist so noch stärker geworden.»

Mit Marta am Flügel. Und Bachmann in der Schaltzentrale. Seit Ende November wohnt Bachmann zu Hause in Malters und geniesst die fussballfreie Zeit. Mittlerweile hat sie das Individualtraining wieder aufgenommen. Kraft und Kondition stehen auf dem Programm. «Und wenn ich mal Lust darauf habe, ein paar Bälle zu schlagen, kann ich dies auf dem Kunstrasenplatz in Malters tun. Ich habe vom Verein einen Schlüssel für den Materialraum erhalten», berichtet sie. Weihnachten und ihren 24. Geburtstag am 25. Dezember feierte Bachmann in Malters. Der Glaube sei ihr sehr wichtig, «er gibt mir Stabilität und Sicherheit, ich zelebriere das aber nicht nach aussen», erklärt sie. Über Neujahr reist sie für ein paar Tage nach Paris, ehe am 6. Januar in Malmö der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird.

Auftritt im TV-Studio

Bachmann hat grosse Ziele vor sich. Ende März trifft Rosengård im Viertelfinal der Champions League auf Titelverteidiger Wolfsburg. Im Juni steht dann die WM in Kanada auf dem Programm – erstmals mit der Schweiz als Teilnehmerin. «Die Vorfreude ist riesig, ein Traum geht in Erfüllung. Nur schon die Qualifikation ist ein grosser Erfolg.

Die Leute interessieren sich nun für den Schweizer Frauenfussball, auch das Fernsehen ist plötzlich da», sagt Bachmann, die Anfang Dezember im «Sportpanorama» zu Gast war.

Luzerner Power im Sturm

Gemeinsam mit Lara Dickenmann stellt sie im 4:4:2-System des Nationalteams den Zweiersturm. Die beiden Luzernerinnen waren in den zehn Qualifikationsspielen zusammen für einen Drittel der 53 Tore verantwortlich. Dickenmann, die auch die Penaltys ausführte, reüssierte zehnmal, Bachmann traf achtmal. «Wir kennen uns schon lange und verstehen uns auf und neben dem Platz sehr gut», sagt Bachmann.

Stephan Santschi

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