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FUSSBALL: Gattuso küsst den Teufel wach

Die AC Milan ist unter Gennaro Gattuso zum Siegen zurückgekehrt. Anfänglich nur als Notlösung geplant, dürfte sein Vertrag wohl bald über das Ende dieser Saison verlängert werden.
Lukas Plaschy, Rom
Erfolgreich: Milan-Trainer Gennaro Gattuso. (Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 28. Februar 2018))

Erfolgreich: Milan-Trainer Gennaro Gattuso. (Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 28. Februar 2018))

Lukas Plaschy, Rom

Als die AC Milan Ende November Gennaro Gattuso zum Chefcoach der ersten Mannschaft beförderte, hielt sich die Begeisterung für den Nachfolger von Vincenzo Montella in Grenzen. Niemand zweifelte an Engagement und Leidenschaft des ehemaligen italienischen Internationalen und Weltmeisters von 2006. Aber würden Gattusos «Cuore e grinta» (Herz und Mut) als Programm allein genügen? Zu limitiert schienen seine taktischen Fähigkeiten, zu bescheiden sein Curriculum als Trainer mit Stationen in Sion, Palermo, Kreta und Pisa. Milans Vereinsführung agierte ebenfalls vorsichtig. Die Zusammenarbeit sollte vorerst nur bis Ende Saison gelten.

Jetzt, nur drei Monate später, hört man Geschäftsführer Marco Fassone Sätze sagen wie: «Rino hat der Mannschaft eine Identität gegeben», oder: «Gattuso vereint alle Eigenschaften eines grossen Trainers. Wir können uns eine längerfristige Zusammenarbeit sehr gut vorstellen.»

«Ich bin ein Niemand»

Gattuso, dieser 40-jährige harte Schaffer aus Kalabrien hat mit seiner direkten und ehrlichen Art innert kürzester Zeit den Draht zu den Spielern gefunden und dem Team verloren geglaubtes Selbstvertrauen zurückgegeben. Er hat den «Diavolo» (Teufel) – so lautet ein Spitzname für Milan – wachgeküsst. Bestes Beispiel dafür ist Hakan Calhanoglu. Anfang Saison ohne Bindung zum Spiel, steigerte sich der von Bayer Leverkusen gekommene türkische Offensivspieler unter Gattuso und bildet mit Ricardo Rodriguez auf der linken Flanke ein gut harmonierendes Duo. Captain Leonardo Bonucci, nach seinem heiss diskutierten Wechsel von Juve zu Milan anfänglich von der Rolle, erweist sich nun als Leader und dirigiert die Abwehr fast so souverän wie einst in Turin. Lucas Biglia, bei Lazio Rom und der argentinischen Nationalmannschaft ein Metronom im Mittelfeld, irrte im Milan-Dress monatelang ohne Plan im «San Siro» herum, bevor Gattuso für ihn wieder einen Kompass fand.

Wie einst der Spieler Gattuso, orientiert sich der Trainer Gattuso am Motto «Blut, Schweiss und Tränen». So liess er seine Spieler zwischen Weihnachten und Neujahr an der Kondition feilen. Mit Erfolg. «Die harte Arbeit unter der Woche zahlt sich jetzt aus», sagt Gattusos Reinkarnation auf dem Feld, der Nigerianer Franck Kessie. Man täte Gattuso jedoch unrecht, ihn nur auf seine Fähigkeiten als Motivator und Einpeitscher zu reduzieren. Taktisch hat der als Spieler «Ringhio» (Der Knurrende) genannte Gattuso an Qualität gewonnen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er in seiner Aktivzeit von Lehrmeistern wie Marcello Lippi oder Carlo Ancelotti Anschauungsunterricht genossen hat. So steht Milan jetzt tiefer auf dem Platz und macht die Räume enger. «Ich bin kein Guru, sondern ein Niemand», sagte Gattuso unter der Woche zu den Journalisten. Die Statistik allerdings spricht eine klare Sprache.

Gattusos Mannschaft holte aus den letzten 12 Meisterschaftsspielen 24 Punkte. Damit ist Milan in der Rückrunde das bisher erfolgreichste Team, noch vor den Liga-Dominatoren Napoli und Juventus. Am Mittwoch qualifizierten sich die Rossoneri zudem für den italienischen Cupfinal, dank einem Sieg im Penaltyschiessen gegen Lazio Rom. In der aktuellen Hochform kommt das Stadtderby gegen Inter Mailand von heute Abend natürlich gerade recht. Auch, weil die Nerazzurri seit Wochen in einer Krise stecken. Im Oktober lag die Mannschaft von Trainer Luciano Spalletti noch 18 Längen vor Milan. Mit einem Sieg im «Derby della Madonnina» könnte sich die AC Milan nun bis auf vier Punkte an Inter und damit an einen der Champions-League-Plätze herankämpfen.

Cutrone weckt Erinnerungen an Inzaghi

Gute Erinnerungen an den Stadtrivalen hat auch Milans Nachwuchshoffnung Patrick Cutrone. Ende Dezember glückte dem 20-jährige Stürmer im Viertelfinal der «Coppa Italia» das entscheidende Tor. In den letzten vier Serie-A-Spielen traf der in Como geborene italienische U21-Internationale immer. Mit seinen 14 Saisontoren realisierte Cutrone mehr Treffer als die beiden millionenschweren Neueinkäufe André Silva (8) und Nikola Kalinic (4) zusammen. Technisch noch verbesserungsfähig, erinnert Cutrone mit seinem Torriecher ein wenig an Filippo Inzaghi. Eine markante Lohnerhöhung des eben kürzlich erst bis 2021 verlängerten Vertrages des Shootingstars ist nur noch eine Frage der Zeit. Dass Gattuso bis zu Cutrones Vertagsende dessen Trainer bleibt, wird ebenfalls immer wahrscheinlicher.

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