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FUSSBALL: «Gesundheit ist wichtiger als Quote»

Die Temperaturen klettern am Sonntag auf fast 30 Grad. Spielverschiebungen sind allerdings kein Thema, weil die TV-Verträge keinen Spielraum zulassen. Das führt zu Diskussionen.
Jonas von Flüe
Willkommene Trinkpause: Die FCL-Spieler Tomislav Puljic (Mitte), Jérôme Thiesson und Oliver Bozanic (rechts) während des Spiels gegen den FC Zürich. Links: Konditionstrainer Christian Schmidt. (Bild Philipp Schmidli)

Willkommene Trinkpause: Die FCL-Spieler Tomislav Puljic (Mitte), Jérôme Thiesson und Oliver Bozanic (rechts) während des Spiels gegen den FC Zürich. Links: Konditionstrainer Christian Schmidt. (Bild Philipp Schmidli)

Carlos Bernegger ist bekannt für seine offene Art. Der FCL-Trainer sagt direkt, was er denkt. Vor dem letzten Spiel gegen den FC Zürich (3:2) kommentierte er die frühe Anspielzeit (13.45 Uhr): «Bei dieser Hitze leiden die Hauptdarsteller, die Fussballer, und dann leidet das Spektakel. In Südamerika würden die Verantwortlichen alle ins Gefängnis gehen, und wir würden am Abend spielen.» Die hitzigen Bedingungen, unter denen seine Akteure antreten mussten, bezeichnete er als «unmenschlich» und sprach damit der Fussball-Schweiz aus der Seele.

Bei der Swiss Football League (SFL) will man von anderen Anspielzeiten nichts wissen. Ihr seien die Hände gebunden, sagt Sprecher Philippe Guggisberg: «Wir haben TV-Verträge, die wir einhalten müssen.» Und die sehen vor, dass am Samstagabend zwei Spiele um 19.45 Uhr und am Sonntag zwei Spiele um 13.45 Uhr angepfiffen werden sowie eine Partie um 16 Uhr beginnt. Daran ändert auch nichts, dass in der Swissporarena letzten Sonntag Temperaturen von über 30 Grad Celsius gemessen wurden. «Die Verträge laufen noch vier Jahre, deshalb werden sich die Anspielzeiten in dieser Zeit grundsätzlich nicht ändern», sagt Guggisberg. Kurzfristige Verschiebungen seien ohnehin aus organisatorischen Gründen und wegen der Zuschauer schwierig.

Liga erhält 28 Millionen Franken

Die angesprochenen TV-Verträge hat die SFL vor rund zwei Jahren mit der Cinetrade AG (Teleclub) ausgehandelt. Im November 2011 wurde das Schweizer Fernsehen (SRF) ebenfalls mit ins Boot geholt, es zeigt 36 Live-Spiele im Jahr, jeweils am Sonntag um 16 Uhr. Der SFL spült der Vertrag jährlich 28 Millionen Franken in die Kassen, wovon sie 13,5 Millionen an die zehn Super-League-Klubs verteilt (siehe Box).

Den Schwarzen Peter will man sich bei Teleclub allerdings nicht zuschieben lassen. Man wisse schon, dass die Liga immer behaupte, der TV-Sender sei für die Anspielzeiten allein verantwortlich, sagt man hinter vorgehaltener Hand. Doch es sei die SFL, welche sich für die Anspielzeiten eingesetzt habe.

Ärzte bevorzugen Abendspiele

Carlos Bernegger erhält Unterstützung von zwei Luzerner Sportärzten. Urs Müller, Leiter Sportmedizin des Luzerner Kantonsspitals, stellt klar: «Die Fernsehsendezeiten und die Einschaltquoten sollten nicht höher gewertet werden als die Gesundheit der Spieler.» Die hohen Ozonwerte, die zum Beispiel am letzten Sonntag gemessen wurden (siehe Grafik), könnten bei Sportlern zu Lungenproblemen führen. Der Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde zeitweise überschritten. Zudem bestehe bei hohen Temperaturen die Gefahr eines Hitzschlags, sagt der Luzerner Sportmediziner Arnold Eggerschwiler.

Beide Ärzte wünschen sich, dass Sportveranstaltungen, die derart intensiv sind wie Fussball, im Sommer am Abend durchgeführt würden. «Das ist auch für die Zuschauer angenehmer», sagt Eggerschwiler.

Als die Anspielzeit 13.45 Uhr vor einem Jahr eingeführt wurde, gab es ligainterne Diskussionen über den Sinn dieses frühen Kick-offs. Die SFL erkundigte sich daraufhin bei Meteo Schweiz, ob sich die Bedingungen nach dem Mittag an heissen Sommertagen von jenen um 16 Uhr unterscheiden. Marco Stoll, Prognostiker von Meteo Schweiz, erklärt: «Die Sonneneinstrahlung ist um 13.45 Uhr zwar intensiver, aber die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind im Sommer um 16 Uhr normalerweise höher.»

Dass in der noch jungen Saison noch kein Fussballer zusammengebrochen ist, verdanken die Profis der guten medizinischen Betreuung, die sie geniessen. «Sie werden professionell begleitet, sind die hohen Temperaturen durch regelmässiges Training gewohnt und kennen ihren Körper sehr gut», sagt Arnold Eggerschwiler.

Hohe Luftfeuchtigkeit am Sonntag

Wenn nun morgen Sonntag der FC Luzern um 16 Uhr den FC Sion empfängt, dürfte man in Luzern rund 28 Grad messen. Marco Stoll warnt aber, diese vermeintlich angenehmeren Bedingungen auf die leichte Schulter zu nehmen: «Die Luftfeuchtigkeit wird zwischen 40 und 50 Prozent betragen, was sehr hoch ist. Das wird den Fussballern sicher zusätzlich zu schaffen machen.» Immerhin: Am späten Nachmittag soll ein Regenschauer Abkühlung bringen. Eine Hitzewelle wie in der letzten Woche wird es am Wochenende definitiv nicht mehr geben. Eggerschwiler macht sich auch weniger Sorgen um die Fussballer als um die Mountainbiker, die in Schötz am 24-Stunden-Rennen teilnehmen. «Die sind zwölf Stunden an der prallen Sonne, das kann problematisch werden», sagt der Sportmediziner.

Carlos Bernegger hat sein Team derweil auf das morgige Spiel so gut vorbereitet, wie es bei dieser Hitze eben ging. Die Pausen wurden im Schatten verbracht, und es wurde viel getrunken. «Mehr ist nicht möglich», weiss er.

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