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FUSSBALL: HSV-Abschied endet im Chaos

Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es auch das letzte der 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga erwischt – der Hamburger SV ist erstmals abgestiegen. Chaoten sorgen für ein unrühmliches Ende.
Christoph Stukenbrock und Peer Lasse Korff (sid)
Für den Spielunterbruch kurz vor dem Ende verantwortlich: die Chaoten hinter dem Tor. (Bild: Tay Duc Lam/Freshfocus (Hamburg, 12. Mai 2018))

Für den Spielunterbruch kurz vor dem Ende verantwortlich: die Chaoten hinter dem Tor. (Bild: Tay Duc Lam/Freshfocus (Hamburg, 12. Mai 2018))

Christoph Stukenbrock und Peer Lasse Korff (SID)

Dicke schwarze Rauchwolken, laute Böller-Explosionen, massiver Polizeieinsatz mit Pferden und Hunden auf dem Spielfeld – hässliche Szenen im Volksparkstadion bildeten das skandalöse Schlussbild einer Hamburger Horrorsaison. Als wenn der historische Sturz des Liga-Dinos in die Zweitklassigkeit nicht genug gewesen wäre, sorgten die schweren Ausschreitungen einiger hundert Chaoten und eine 15-minütige Spielunterbrechung Sekunden vor dem Abstieg für Schlagzeilen.

«Solche Leute gehören aus dem Stadion ausgesperrt und ­verhaftet», sagte HSV-Trainer Christian Titz bei Sky. Für die Krawalle habe er «kein Verständnis», sagte Vorstand Frank Wettstein: «Das bleibt ein Stück weit hängen. Es ist ein unglaublich trauriger Tag für den HSV.» Der Grossteil der HSV-Fans, der auf die Krawalle mit einem gellenden Pfeifkonzert reagierte, habe sich aber «grossartig» verhalten.

Trauertag für die Hamburger

Die schlimmen Begleitumstände machten den Trauertag für die Hamburger noch schwerer zu ertragen: Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es auch das letzte der 16 Gründungsmitglieder erwischt – der HSV ist erstmals abgestiegen. Statt Bayern, Dortmund und Schalke heissen die Gegner nun Paderborn, Sandhausen und Bielefeld.

«Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einen Abstieg des HSV erlebe, solange ich auf dieser Erde bin», sagte Klub-Idol Uwe Seeler (81), der bis zuletzt gehofft hatte. Doch trotz eines 2:1(1:1)-Heimsiegs gegen Borussia Mönchengladbach starb für das Titz-Team am letzten Spieltag das letzte bisschen Resthoffnung auf den Rettungsanker Relegation. «Wir haben wirklich daran geglaubt», sagte Titz tief enttäuscht. Doch die Aufholjagd der vergangenen Wochen war nicht von Erfolg gekrönt, die erhoffte Schützenhilfe des 1. FC Köln blieb bei der 1:4-Niederlage in Wolfsburg aus. Der HSV ist nach 1866 Bundesliga-Spielen und 19 985 Tagen im Oberhaus tatsächlich nur noch zweitklassig.

HSV-Captain Gotoku Sakai sagte mit Tränen in den Augen: «Das ist richtig, richtig bitter. Es ist nun ganz wichtig, dass der ganze Klub nach vorne schaut und alles für den Aufstieg gibt.»

Mit welchem Team die Hanseaten das Unternehmen Wiederaufstieg angehen werden, ist noch nicht klar. Titz, der sich mit den HSV-Verantwortlichen bereits vor dem Saisonfinale auf eine ligaunabhängige Fortsetzung der Zusammenarbeit verständigt hatte, wollte sich am Samstagabend noch nicht mit der Zukunft befassen. «Ich muss das Ganze ein bisschen sacken lassen», sagte der 47-Jährige, der den HSV mit 13 Punkten aus acht Spielen reanimiert hatte. Die Gespräche mit ihm über die Eckdaten einer Weiterbeschäftigung sollen am Montag stattfinden.

«Der Hauptgrund für den Abstieg ist, dass dieser Trainer zu spät gekommen ist. Mit ihm steigt der Klub direkt wieder auf», sagte Verteidiger Kyriakos Papadopoulos. Er selbst wird dann womöglich wie einige seiner Mitspieler nicht mehr dabei sein. Der Abstieg ist der krachende Schlussakkord eines jahrelangen HSV-Dramas. Trotz Millionenausgaben krebsten die Hamburger zuletzt fünf Jahre lang im Tabellenkeller der Bundesliga herum, zweimal schafften sie die Last-Minute-Rettung in der Relegation. Vom Glanz der 80er-Jahre, als der HSV mit Grössen wie Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Felix Magath Titel in Serie gewann und als Schwergewicht in Europa galt, ist nichts geblieben. Dabei spielten die Rothosen noch in den 2000er-Jahren als Dauergast auf internationalem Parkett.

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