FUSSBALL: «Ich liess mich von Alex packen»

Jetzt ist es offiziell: Andy Egli (55) kehrt zum FC Luzern zurück, hat bereits die Arbeit als Nachwuchschef aufgenommen. Er spricht über Alex Frei, Gefühle und Ziele.

Interview Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Andy Egli wird als Nachwuchschef auch Coaching-Aufgaben übernehmen. (Bild Pius Amrein)

Andy Egli wird als Nachwuchschef auch Coaching-Aufgaben übernehmen. (Bild Pius Amrein)

Andy Egli, Ihr Name stand längst fest als neuer Nachwuchschef. Weshalb dauerte es so lange, bis es zum Vertragsabschluss gekommen ist?

Andy Egli: In den letzten fünf, sechs Jahren bin ich einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen. Ich habe acht bis zehn Mandate gehabt, da ist es eine Veränderung, wieder eine grosse Herausforderung anzunehmen. Ich habe mich packen lassen von Alex Frei, der mich aufgrund von meiner Erfahrung und Leidenschaft für den Fussball wollte. Anfänglich konnte ich mir ein Engagement nicht vorstellen. Je länger ich darüber nachdachte, je mehr machte diese Aufgabe Sinn. Ich habe während meiner Zeit als Trainer und Ausbildner mit vielen Jungen gearbeitet, durfte einige Cracks begleiten, die Nationalspieler geworden sind. Ausserdem habe ich eine Familie mit vier Kindern, kürzlich bin ich Grossvater geworden. Es ist phänomenal, eigene Erfahrungen weitergeben zu ­können.

Sie haben Ihre Arbeit in Luzern bereits aufgenommen. Was haben Sie als Erstes angepackt?

Egli: Das Wichtigste ist am Anfang, die Leute kennen zu lernen. Nicht nur im Nachwuchs, in der Swissporarena sind derzeit 25 bis 30 Personen tätig. Danach folgen die persönlichen Gespräche mit den Nachwuchstrainern, von denen momentan einige in den Ferien sind.

Von 1999 bis 2001 waren Sie FCL-Trainer. Das Arbeitsumfeld im neuen Stadion dürfte im Vergleich zu damals wie eine andere Welt sein.

Egli: Das ist so, es ist eine andere Welt. Trotzdem sind in mir nostalgische, fast heimische Gefühle aufgekommen, schliesslich steht die Swissporarena am gleichen Ort wie das alte Allmendstadion.

In den letzten fünf Jahren hat sich beim FCL mit Alain Wiss nur ein einziger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft durchgesetzt. Was unternehmen Sie, damit es besser wird?

Egli: Das ist ein guter Punkt, den ich auch festgestellt habe. Vielleicht ist das Potenzial, das zweifellos auch in der Zentralschweiz vorhanden ist, nicht optimal ausgenützt worden. Wir versuchen, talentierten Jungen den Weg in die Super League zu ebnen und sie wenn möglich noch einen Schritt weiterzubringen. Ich kann nicht beurteilen, wie in den letzten vier, fünf Jahren hier gearbeitet wurde, aber alleine die Fragestellung weist auf ein vorhandenes Defizit hin.

Stimmt es, dass Sie als Trainer oder Sportdirektor in Luzern gar kein Thema mehr hatten sein wollen?

Egli: Nein, ich wurde nie konkret mit einer Anfrage konfrontiert. Aber das heisst nicht, dass ich Ambitionen als Trainer oder Sportchef hegen würde. Der Job, den ich angenommen habe, ist eine langfristige Aufgabe, Profitrainer oder Sportchef haben in meinen Gedanken keinen Platz mehr. Für mich ist es der richtige Moment für einen Grundsatzentscheid: Ich möchte mein weiteres Erwerbsleben dem Nachwuchs widmen.

Als Alex Frei als Sportdirektor vorgestellt wurde, bezeichnete er Sie als seinen Berater. Werden Sie ihn in Ihrer Funktion weiterhin eng unterstützen? Als sein Ex-Trainer in Luzern dürften Sie eine Art Vaterfigur für ihn sein.

Egli: Diese Zeiten sind endgültig vorbei! Wir sind Gesprächspartner. Es ist naheliegend, dass wir uns auch über die erste Mannschaft unterhalten. Natürlich holt er die Meinungen von Leuten ein, zu denen er Vertrauen hat. Das sind wichtige Mosaiksteinchen im Entscheidungsprozess. Er unterstützt mich – und ich kann eine Stütze für ihn sein.

Werden Sie als Nachwuchschef auch auf dem Platz stehen?

Egli: Ja, als Coach. Zuerst werde ich viel beobachten und dann punktuell Veränderungen vornehmen, die zu einem Entwicklungsprozess führen sollen.

Wird man Sie weiter als SRF-Fussball-Experte im Einsatz sehen?

Egli: Das eine oder andere Mandat werde ich weiterführen. Es ist denkbar, dass ich weiter fürs Fernsehen arbeite und auch in der Trainerausbildung als Instruktor. Es braucht Ausbildner, die motiviert sind.