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FUSSBALL: «Ich will langfristig beim FCL bleiben»

Markus Neumayr (30) fühlt sich beim FCL sehr wohl. Der Deutsche spricht vor dem heutigen Match in St. Gallen (13.45) über Fringer, Babbel – und warum er seiner Frau sehr dankbar ist.
Interview Daniel Wyrsch
FCL-Spielmacher Markus Neumayr (rechts) mit Tochter Lanï (Mitte), Sohn Dian (links) und Löwe. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

FCL-Spielmacher Markus Neumayr (rechts) mit Tochter Lanï (Mitte), Sohn Dian (links) und Löwe. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Markus Neumayr, hat sich nach diesem Prachtstor gegen Thun schon der Manager eines Bundesliga-Klubs bei Ihnen gemeldet?

Markus Neumayr: (lacht) Nein, ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und kann Dinge um mich herum selber gut einschätzen. Ich weiss, wenn man solche Tore macht, dass man dann meistens ein bisschen besser dargestellt wird.

Trotzdem gibt es nur wenige Spieler in der Schweiz, die einen solchen Prellball volley versenken können.

Neumayr: Das weiss ich nicht. Für mich gab es in diesem Moment einfach nur diese Lösung. Es war toll, dass ich so getroffen habe. Am Ende zählt dieses Tor genau so viel, wie wenn ich den Ball aus einem Meter über die Linie gedrückt hätte. Wichtig war der Treffer vom Spielverlauf her, weil uns dieses 1:0 als Türöffner diente.

16 Super-League-Spiele haben Sie für Luzern bestritten und bereits 7 Tore erzielt. Nachdem es zu Beginn drei Penaltys und ein Freistoss waren, trafen Sie zuletzt mit drei Direktabnahmen. Sie sind also alles andere als nur ein Standardspezialist.

Neumayr: Ich bin halt einer, der ein bisschen das Näschen dafür hat, wo der Ball hinfallen könnte. Ich versuche, vom Kopf her immer einen Schritt weiter zu sein als die Gegenspieler. Diese Tore haben viel mit Instinkt zu tun. Dreimal am richtigen Ort zu stehen und zu treffen, das gelingt nicht vielen. Ich bin froh, habe ich die Bälle so getroffen, zweimal sogar mit dem sogenannten schwachen Fuss. Schön, dass ich der Mannschaft mit den Toren helfen konnte.

Den jüngsten Kickern wird schon eingeimpft, dass sie beidfüssig trainieren müssen. Wie haben Sie es hinbekommen, einen starken rechten Fuss und einen zumindest sehr guten linken Fuss zu haben?

Neumayr: Erstmals danke, dass Sie meinen linken Fuss als sehr gut einschätzen. In der heutigen Zeit wird sehr viel Wert daraufgelegt. Gerade in meinen früheren Jahren bei Manchester United war die Beidfüssigkeit ein grosses Thema. Wir machten viele Übungen. Das ist auch heute in Luzern der Fall. Es ist elementar wichtig, dass du mit beiden Füssen spielen kannst und für jede Situation eine Lösung hast.

Nun spielt der FCL in St. Gallen. Sie erhielten vom FC St. Gallen ebenfalls ein gutes Angebot, lebten als Vaduz-Profi bereits mit der Familie in der Region Ostschweiz. Was gab den Ausschlag, dass Sie sich für Luzern entschieden?

Neumayr: Es ist kein Geheimnis, dass ich mich mit den St. Gallern mal getroffen und mir alles angehört habe. Aber von dem Zeitpunkt an, als sich Markus Babbel bei mir gemeldet hat, war klar, dass ich zu Luzern wechsle. Wenn Rolf Fringer heute noch FCL-Sportchef wäre, dann würde ich am Sonntag wahrscheinlich auf der anderen Seite des Platzes stehen.

Das sind aber deutliche Worte.

Neumayr: Ja, das ist so, daran hat es immer gehakt, weil Rolf Fringer mich nicht wirklich wollte. Markus Babbel, Remo Gaugler und auch Ruedi Stäger waren die Verantwortlichen, die mich wollten. Aber der Transfer war letzten Sommer nicht zu finalisieren. Doch ich wollte immer zu Luzern, auch wenn es sechs bis acht Monate dauerte, bis der Wechsel endlich vollzogen wurde.

Stimmt es also nicht, wenn St.-Gallen-Trainer Joe Zinnbauer nun behauptet, dass das finanzielle Angebot der Ostschweizer im Vergleich zu Luzern zu tief war, um Sie zu verpflichten?

Neumayr: St. Gallen hat mir ein Angebot gemacht, das ist richtig. Aber Geld war nicht der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich nicht nach St. Gallen gewechselt bin. Für mich war nach den Gesprächen mit beiden Klubs klar, dass ich unbedingt zu Luzern will. Ich will jetzt auch nicht zu sehr auf Joe Zinnbauer oder St. Gallen eingehen, weil für mich Luzern immer Priorität hatte.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben Sie auf die richtige Karte gesetzt: Luzern hat in den ersten fünf Runden vier Siege errungen, St. Gallen dagegen hat vier Niederlagen hinnehmen müssen. Mit einem Vollerfolg gegen St. Gallen würde der FCL die Ostschweizer und dessen Coach in eine schwere Krise stürzen. Ist Ihnen bewusst, dass beim Gegner viel auf dem Spiel steht?

Neumayr: Sie sagen, ich hätte auf die richtige Karte gesetzt. Doch ich finde, dass ich mir zuvor ein Bild machen konnte, welchen Fussball die beiden Teams spielen. Da mir Markus Babbel und Remo Gaugler immer gesagt haben, dass sie Fussball spielen lassen wollen, der attraktiv ist und von Ballbesitz ausgeht, entsprach mir das immer mehr als das St. Galler Spiel. Ich glaube, wir sollten nicht zu sehr auf St. Gallen, sondern mehr auf Luzern schauen.

Warum?

Neumayr: Ich kann mich erinnern, dass wir im Frühjahr nach meinem Wechsel in der Tabelle hinter St. Gallen standen und am Ende der Saison Dritter geworden sind. Für mich ging vieles auf, mich macht es stolz, in einem solch tollen Klub zu spielen.

Sie kennen die Kehrseite des Fussballs: Als einst hoffnungsvolles Talent mussten Sie die Glitzerwelt des Weltklubs Manchester United verlassen und sich bei zweit- und drittklassigen Klubs in Deutschland und Belgien durchbeissen. Stimmt es, dass Ihre Frau dafür entscheidend war, dass Sie heute noch Profi sind?

Neumayr: Das ist genauso gewesen, ich war damals 23-jährig, als wir unsere Tochter bekommen haben. Ich war wirklich mental an dem Punkt, wo ich gesagt habe, es macht keinen Sinn mehr, das professionell weiter zu probieren. Meine Frau hat mich ermutigt, mein Talent auszuschöpfen und weiterzumachen. Ich bin ihr dankbar, dass sie an meiner Seite gestanden ist. Sonst würde ich heute vielleicht nicht hier sein und für den FC Luzern spielen.

Sie hatten zudem einen Mentalcoach beigezogen, um die schwierigen Erlebnisse aufzuarbeiten.

Neumayr: Die ganzen Erfahrungen, die ich in meiner Karriere mitmachen musste, die positiven wie negativen Erlebnisse, die kann man, glaube ich, nicht einfach so wegstecken, wenn man nicht professionelle Hilfe bekommt. Meine Frau hat mir dazu geraten. Schliesslich hat es mir sehr geholfen, und ich merke, dass ich mental sehr stark bin und auf viele Situa-tionen eine Antwort habe. Heute falle ich nicht mehr beim kleinsten Gegenwind um.

Wenn man Äusserlichkeiten wie die vielen Tattoos und die sich ständig ändernden Frisuren anschaut, sind Sie der David Beckham der Schweiz.

Neumayr: Nein, das würde ich gar nicht sagen. Ich bin einfach so, wie ich bin. Wenn ihr das von der Zeitung als Beckham-ähnlich vergleicht, dann gibt es schlimmere Vergleiche. Aber ich versuche, einfach so zu sein, wie ich bin und das zu tun, was mir Spass macht. Ich habe mit 23, 24 Jahren aufgehört, das zu machen, was andere von mir erwarten. Es macht weniger Sinn, für andere zu leben, es macht viel mehr Sinn, für sich selber zu leben. Und das so umzusetzen, wie es einem Spass macht. Dann ist man auch zufriedener mit seinem Leben.

Wie kommt das zum Ausdruck?

Neumayr: Ich habe einfach riesige Freude, Woche für Woche in der Super League aufzulaufen. Ich habe auch nicht mehr die Ambitionen, irgendwo in der Premier League, in der Bundesliga oder in Spanien zu spielen, weil ich mich realistisch einschätzen kann. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Rolle, die ich momentan habe, und kann mir auch vorstellen, das mit dem FC Luzern längerfristig zu machen.

Hätten Sie gedacht, dass Sie der Karriere hier nochmals diesen Aufschwung geben könnten?

Neumayr: Ein Riesenkompliment gebührt den Verantwortlichen des FC Luzern für die Menschenkenntnis und die fussballerischen Kenntnisse sowie ihre Weitsicht. Ich kann nur den Hut ziehen, dass sie ... ich sage jetzt mal: dieses Risiko eingegangen sind – und so einen Paradiesvogel von einem kleineren Verein geholt haben. Der allgemeine Tenor war ja damals, dass ich in Vaduz zwar der unbestrittene Chef bin, aber bei grösseren Vereinen würde es mir wahrscheinlich nicht reichen.

Hand aufs Herz, wenn ein Bundesliga-Klub mit Perspektiven kommen würde, könnten Sie dem Geld und der grossen Bühne wirklich widerstehen?

Neumayr: In meinem Alter geht es nicht mehr darum, so was mitzuerleben. Ich habe das mit Duisburg in der Bundesliga miterlebt und gesehen. Ich muss diese Erfahrung nicht mehr machen. Klar wäre es attraktiv, aber ich fühle mich momentan sehr wohl. Angenommen, es würde ein Bundesligist kommen, würde ich immer noch den FC Luzern vorziehen. Es hört sich zwar dumm an, aber es ist wirklich so. Meiner Familie und mir gefällt es hier sehr gut, wir wollen uns hier verankern. Mit dem Klub können wir in den nächsten Jahren in einem gewissen Rahmen auch Erfolg haben. Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange. Ich habe mich der Mission verschrieben, mit Luzern Erfolg zu haben.

Ihr Vertrag läuft Ende Saison aus. Gibt es bald Gespräche für eine Kontraktverlängerung?

Neumayr: Wir sind bereits im Gespräch, meinen Vertrag langfristig zu verlängern. Es ist das, was ich will. Ich will das nicht mehr erleben, was ich schon mitgemacht habe. Das wird es definitiv nicht geben, dass ich nächstes Jahr in der Bundesliga spiele, selbst wenn tatsächlich ein Aufgebot von Augsburg oder sonst einem Verein kommen würde.

Interview: Daniel Wyrsch

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