FUSSBALL: «Ich wurde in Kriens bestohlen»

Acht Jahre nach dem Skandal von Kriens Sion und sein Präsident Constantin am Sonntag auf das Kleinfeld (Cup, 14.30) zurück. Über den Vorfall kann Constantin heute lachen.

Nicola Berger
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Penalty und Sperre: Sion-Boss Christian Constantin blickt auf schlechte Erinnerungen im Krienser Kleinfeldstadion zurück. (Archivbild / Keystone)

Penalty und Sperre: Sion-Boss Christian Constantin blickt auf schlechte Erinnerungen im Krienser Kleinfeldstadion zurück. (Archivbild / Keystone)

Christian Constantin und Kriens, da war doch was? Und wie! Im Nachgang an das Challenge-League-Spiel Kriens - Sion (2:2) war es am 5. Dezember 2004 auf dem Kleinfeld zu Tumulten gekommen. Der inzwischen zurückgetretene Schiedsrichter Markus von Känel hatte Kriens in der vierten Nachspielminute einen Penalty zugestanden, welchen Christian Brand souverän zum 2:2-Ausgleich verwertete. Erzürnte Sion-Fans stürmten danach das Terrain, und im allgemeinen Tohuwabohu soll Constantin, so lautete der Vorwurf, erst von Känel zu Boden gerissen und dann Linienrichter José Antonio Gonzalez in die Hoden getreten haben.
Constantin wurde in erster Instanz verurteilt, von der Liga für 30 Monate gesperrt (CC damals: «Das ist die Todesstrafe!»), wurde in Nachverhandlungen jedoch von den meisten Anklagepunkten freigesprochen und konnte sein Präsidentenamt bloss während dreier Monate nicht ausüben. Der 56-jährige Sion-Zampano erinnert sich.

Christian Constantin, welche Erinnerungen haben Sie an das Kleinfeld?

Christian Constantin: Keine allzu guten. Ich wurde dort bestohlen.

Aha?

Constantin: Ja. Damals, vor acht Jahren, schenkte der Schiedsrichter Kriens in der Nachspielzeit einen Penalty, nachdem er uns zuvor nach einem klaren Foul an Luis Carlos einen Elfmeter verweigert hatte. Genau diese zwei Punkte fehlten dann am Ende zum Aufstieg in die Super League.

Muss man deshalb einen Schiedsrichter umrempeln?

Constantin: So war es doch nicht. Von der einen Seite stürmten die Fans das Spielfeld, auf der anderen standen die Robocops. Es gibt angenehmere Situationen. Also sind wir alle in Richtung Kabine gerannt, und da bin ich halt über den Schiedsrichter gestolpert.

Sie müssen ziemlich fit gewesen sein.

Constantin: Ja, nicht? Ich war selber etwas stolz, wie schnell ich unterwegs war.

Sie wurden für drei Monate gesperrt.

Constantin: Ja, und ich finde zu Recht. Ich habe den Schiedsrichter zu Fall gebracht, das geht natürlich nicht. Ich habe als Entschuldigung 10 000 Franken dem Schiedsrichterverband gespendet.

Was macht man, wenn man drei Monate keine präsidialen Aufgaben wahrnehmen und zum Beispiel nicht in die Spielerkabine darf?

Constantin: Meine Sperre betraf die Monate Dezember, Januar und Februar. Wir bestritten in dieser Zeit zwei Spiele. Ich habe es überlebt.

Haben Sie mit Schiedsrichter von Känel ausserhalb des Gerichts je wieder gesprochen?

Constantin: Oh ja. Heute können wir beide darüber lachen, was damals geschehen ist. Weisst du, im Fussball gibt es am Ende immer Frieden.

Sitzen Sie am Sonntag im Stadion?

Constantin: Klar.

Was ist für den FC Sion in dieser Rückrunde wichtiger: der Cup oder die Meisterschaft?

Constantin: Beides ist wichtig. Ich will Titel gewinnen!