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FUSSBALL: Ist bald Schluss mit dem Transfer-Theater?

Die Stimmen mehren sich: Das Transferfenster soll im Sommer früher schliessen. Die Premier League will dies schon bald offiziell festlegen. Eine Umstellung birgt allerdings auch Probleme
Thomas Häberlein (sid) und
Einer, den die Transferregeln wenig kümmern: Ousmane Dembélé (hier noch im Dortmund-Dress.) (Bild: Guido Kirchner/Keystone, 9. August 2017)

Einer, den die Transferregeln wenig kümmern: Ousmane Dembélé (hier noch im Dortmund-Dress.) (Bild: Guido Kirchner/Keystone, 9. August 2017)

Thomas Häberlein (SID)
und Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Auch Hans-Joachim Watzke hat genug. Am 1. August, spätestens am 8. August, müsse künftig Schluss sein mit dem Theater, fordert er. «Die Fans freuen sich im Sommer, auf Deutsch gesagt, nicht auf die ganze Transferscheisse, sondern auf Fussball», schimpfte Borussia Dortmunds Geschäftsführer am Sonntag beim TV-Kanal Sky und deshalb: «Wenn die Liga losgeht, muss es nur noch um Fussball gehen.» Nicht so wie beim Franzosen Ousmane Dembélé, der sich gerade keinen Deut um seinen Vertrag mit Dortmund schert und den Transfer zum FC Barcelona erzwingen will.

Watzke ist mit seiner Forderung nicht allein. Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, hält es für «Betrug am Zuschauer, wenn er Dauerkarten kauft, und plötzlich sind die besten Spieler weg». Aktuelle Meinung – nicht nur in der Bundesliga: Nach Saisonbeginn sollten keine Transfers mehr möglich sein. Und das, sagt Watzke, müsse die Uefa zusammen mit der European Club Association (ECA) regeln. Doch das ist ein frommer Wunsch.

Einheitlicher Saisonstart in Europas Ligen gefordert

Das Thema Transferschluss ist kein neues. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, seit 2008 auch Vorsitzender der ECA, hatte bereits vor zwei Jahren angeregt, die aktuellen Regelungen zu überdenken. «Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, dass in der Zukunft vielleicht der Transfermarkt geschlossen ist, wenn die Saison beginnt», sagte er damals. Die Hoffnung, dass dies klappen könnte, ist allerdings gering.

Die ECA, deren Chef Rummenigge noch bis 5. September ist, hält eine Vorverlegung des Transferschlusses für unrealistisch, solange die europäischen Ligen nicht zeitgleich mit ihrer Saison beginnen. Zudem wollen die Klubs die Qualifikationsspiele für die Champions League und Europa League abwarten, ehe sie die Kaderplanung abschliessen. Schwierig, da Einigkeit unter den mittlerweile mehr als 200 ECA-Mitgliedern herzustellen.

Durchaus möglich aber, dass das Thema morgen Donnerstag bei einer Vorstandssitzung der ECA am Rande der Auslosung zur Champions League in Monaco zur Sprache kommt – wegen der englischen Klubs. Die Eigentümer der Premier League wollen am 7. September darüber abstimmen, ob der Transferschluss vorverlegt werden soll. Im Gespräch ist: «Deadline» eine Woche vor Saisonstart. 14 von 20 Vereinen – eine Zweidrittelmehrheit – müssten einer Änderung zustimmen.

Alleingang würde England vom Markt ausschliessen

Beschliesst eine Liga eine Änderung des Transferschlusses, wird er zwölf Monate später wirksam. Die ganze Sache hat allerdings einen Haken: Sollten sich etwa die Klubs der englischen Premier League nun auf einen Transferschluss eine Woche vor Saisonbeginn einigen (in diesem Jahr wäre es der 4. August gewesen), heisst dies, dass danach nur innerhalb der Premier League transferiert werden darf – und es vom Ausland in die Premier League keine Transfers mehr geben darf.

In England schliesst die Transferperiode aktuell um 23.59 Uhr am 31. August, zeitgleich mit der französischen Ligue 1, 5:59 Stunden nach der Bundesliga, 59 Minuten nach der italienischen Serie A. In der spanischen Primera Division darf bis 1. September, 23.59 Uhr transferiert werden – die Klubs der türkischen Süper Lig haben bis 8. September, 23.59 Uhr Zeit. Zumindest diese Ligen müssten sich auf ein gemeinsames Transferende einigen.

FCL-Coach Babbel will planen können

Verkompliziert wird eine europaweite Angleichung allerdings auch durch die unterschiedlichen Anfangstermine: In Frankreich begann die Saison am ersten Augustwochenende, in England am zweiten, in Spanien, Italien und Deutschland am dritten. Auch in diesem Fall wäre ein einheitlicher Beginn erforderlich, um Chancengleichheit bei Transfers zu gewährleisten.

Positiv steht Luzern-Trainer Markus Babbel den englischen Bestrebungen gegenüber: «Der Vorschlag aus der Premier League ist die einzig richtige Lösung. So kann ich als Trainer planen. Ich weiss, welche Spieler ich in der neuen Saison zur Verfügung habe, alles andere ist ein Schmarren.» FCL-Sportkoordinator Remo Meyer ist ebenfalls für eine frühere «Deadline», er betont aber: «In der Schweiz müssten wir uns den internationalen Topligen, in die unsere Spieler ja wollen, anpassen und das Transferfenster Ende Juli oder Anfang August schliessen.» Weil die Super League früher beginnt, könnte ein Spieler bei der neuen Regelung zwar noch nach der ersten oder zweiten Runde wechseln, stellt er fest. «Aber nicht mehr nach mehreren Runden wie bis jetzt.»

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