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FUSSBALL: IV-Detektive enttarnen Fussball-Chaoten

Die Swiss Football League setzt im Kampf gegen die Gewalt um und in Stadien neu auf verdeckte Ermittler. Juristisch begibt man sich damit auf heikles Terrain.
Auch bei der Super-League-Partie zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau am 15. Februar 2014 in der Swissporarena wurden Pyros gezündet. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Auch bei der Super-League-Partie zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau am 15. Februar 2014 in der Swissporarena wurden Pyros gezündet. (Bild: Neue LZ / Philipp Schmidli)

Kari Kälin

Sie sind so gross wie eine Lippenpomade und werden immer wieder in Stadien geschleust: Pyros halten die Polizei und die Clubs seit Jahren auf Trab. Trotz des neuen Anti-Hooligan-Konkordats kommt es rund um Fussballspiele immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Am 12. April zum Beispiel schleuderten Anhänger des FC Zürich in Basel so viele Petarden auf den Rasen, dass der Schiedsrichter das Spiel für eine Viertelstunde unterbrach.

Es drohen Stadionverbote

Was die Chaoten nicht ahnen konnten: Während der Partie, die 5:1 für den FC Basel ausging, fand nicht nur eine herkömmliche Videoüberwachung statt. Vielmehr überwachte ein Dreierteam, ausgerüstet mit besten Foto- und Videokameras, die Chaoten aus sicherer Distanz. Allein während dieses Spiels konnten dank der verdeckten Aufnahmen 26 Fehlbare identifiziert und der Polizei gemeldet werden. Sie müssen nun mit einem Stadionverbot und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Massnahmen, welche die Swiss Football League (SFL) seit Anfang März im Rahmen des Pilotprojekts «Focus one» umsetzt, kosten rund 100 000 Franken und sind bis Ende Saison befristet. «Wir wollen konsequent Einzeltäter identifizieren. Das ist zielführender als Kollektivstrafen», sagte SFL-Präsident Heinrich Schifferle gestern an einer Pressekonferenz.

Für die Überwachung, die ausschliesslich bei Hochrisikospielen zum Zuge kommt, konnte die SFL eine Firma gewinnen, die Erfahrung im Bereich der Missbrauchsbekämpfung bei Sozialversicherungen aufweist. Kurzum: IV-Detek­tive enttarnen jetzt Randalierer. Bis jetzt wirkten sie an sieben Liga- und Cupspielen und ertappten dabei 35 Chaoten. Die Aufnahmen sind von höherer Qualität als jene der Stadionkameras. Es ist etwa möglich, einen Täter anhand einer Tätowierung zweifelsfrei zu enttarnen.

Datenschutz eingeschaltet

Die SFL begibt sich mit ihrem neuen Ansatz zur Gewaltbekämpfung auf rechtlich heikles Terrain. Gemäss dem Datenschutzgesetz dürfen verdeckte Aufnahmen nur dann gemacht werden, wenn ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse vorhanden ist. Ein solches ist zum Beispiel die Aufklärung schwerer Gewaltdelikte. Ob Gerichte im Streitfall verdeckt gemachte Aufnahmen als Beweismittel zulassen würden, ist offen. Je schwerer die Tat, desto eher dürfte die Justiz die Aufnahmen akzeptieren. Die Frage, ob die SFL-Methode rechtlich überhaupt zulässig ist, ist laut Rechtsexperten äusserst komplex und darum schwierig zu beantworten. Die SFL hält ihr Vorgehen für legal. Sie liess dafür auch rechtliche Abklärungen durch ein Anwaltsbüro treffen und schaltete den Eidgenössischen Datenschutz ein. Das Resultat: Die SFL setzt Polizei und Behörden über die verdeckten Aktivitäten ins Bild, fotografiert und gefilmt werden nur Gewaltakte, wenige haben Zugriff auf die Bilder, und diese werden nicht länger als nötig aufbewahrt.

Probleme bereitet der SFL die verdeckte Ermittlung ausserhalb der Stadien, weil sie dafür von den zuständigen Behörden nicht immer die Bewilligung erhält. Ob die SFL in der kommenden Saison das Pilotprojekt fortsetzt, ist noch offen. SFL-CEO Claudius Schäfer liess durchblicken, dass dies sein könnte, warnt aber vor übertriebenen Erwartungen: «Ich kann nicht versprechen, dass künftig negative Schlagzeilen ausbleiben.»

Dölf Brack wirkte bis Ende der Saison 2010/11 als Sicherheitsinspizient der SFL und kritisierte oft, die SFL unternehme zu wenig gegen die Gewalt. Nun lobt er das neue Rezept es entfalte eine abschreckende Wirkung, weil Täter stärker damit rechnen müssen, enttarnt zu werden. «Ich hoffe, dass nun andere Schritte wie reine Sitzplatzstadien folgen, damit man als Familie wieder einen Fussballmatch geniessen kann», sagt er.

Die Fans freundlicher empfangen

Die Fussballclubs überprüfen derzeit auch, ob es in den Stadien leistungsfähigere Kameras braucht. Im Stade de Suisse in Bern wurden Massnahmen beschlossen, die eine halbe Million Franken kosten. Die SFL verstärkt aber nicht nur ihr repressives Arsenal. Künftig sollen die Gästefans bei der Eingangskontrolle nicht mehr von uniformiertem Sicherheitspersonal durchsucht werden, sondern von Stewards des eigenen Vereins. YB habe mit diesem Ansatz, der sich «Good Hosting» nennt, gute Erfahrungen gemacht, sagte YB-CEO Alain Kappeler.

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