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FUSSBALL: Jakob Jantscher: «Einiges ist verdreht worden»

Jakob Jantscher (27) überrascht mit seinem Last-Minute-Wechsel in die Türkei zu Caykur Rizespor. Er sagt, warum er den FC Luzern verlässt, was ihm hier gefallen und was ihn geärgert hat.
Interview Daniel Wyrsch
Jakob Jantscher (Mitte) am Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und GC in der Swissporarena im Mai. (Bild: dominik Wunderli / Neue LZ)

Jakob Jantscher (Mitte) am Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und GC in der Swissporarena im Mai. (Bild: dominik Wunderli / Neue LZ)

Jakob Jantscher, sind Sie schon wieder zurück aus der Türkei?

Jakob Jantscher: Ich bin soeben aus Istanbul zurückgekehrt und in Zürich gelandet. Jetzt fahre ich nach Luzern und packe meine Sachen. Vielleicht reicht es noch, um mich heute (das Telefonat mit Jantscher fand gestern nach 16 Uhr statt, Anm. der Red.) von den Luzerner Mannschaftskollegen zu verabschieden. Denn ich will gleich weiter nach Graz zu meiner Familie, wo wir bis Sonntag bleiben, bevor es wieder in die Türkei geht.

Das war ein richtiger Last-Minute-Transfer zu Caykur Rizespor.

Jantscher: Das kann man so sagen. Erst am Mittwoch um 1 Uhr in der Nacht habe ich erstmals vom Interesse der Türken erfahren, vorher gab es keinen Kontakt. Am Mittwochvormittag ist alles zum neuen Vertrag vereinbart worden, dann besprachen mein Berater und ich das Ganze mit Luzern. Um 14 Uhr nahm ich den Flieger in die Türkei nach Istanbul, wo ich den medizinischen Test bei Rizespor machte. Im Fussball kann alles sehr schnell gehen.

Sind Sie zufrieden mit dem Vierjahresvertrag bei Rizespor?

Jantscher: Ehrlich gesagt bin ich damit gerade ganz gut unterwegs. Ich bin nicht mehr der jüngste Fussballer, gehe auf die 28 zu. Ich hatte mir Gedanken gemacht, ob ich mich künftig anderweitig umschauen müsste. Mit den vier Vertragsjahren kann ich mir eine finanzielle Absicherung schaffen. Dazu ist die türkische Liga interessant, ich bin sehr motiviert, dort zu spielen.

Die Türkei ist politisch in einer schwierigen Lage. Haben Sie keine Bedenken, in diesem Land zu leben?

Jantscher: Nein, darüber mache ich mir keine Sorgen. Präsident Recep Erdogan ist in Rize, wo ich spielen und leben werde, geboren. Er wird dafür sorgen, dass man dort sicher ist. Aber selbstverständlich habe ich mir schon meine Gedanken gemacht, was in der Welt passiert ist. Das ist schlimm. Meine Frau und ich haben alles mit meiner Familie und den Schwiegereltern besprochen. Schliesslich entschieden wir uns für die Türkei, ein Land mit vielen fanatischen Fussballfans.

Auf Ihrer Facebook-Seite haben Sie explizit darauf hingewiesen, dass Sie Ihren Vertrag beim FC Luzern bis zum Ende dieser Saison gerne erfüllt hätten, «leider wurde mir das nicht ermöglicht». Warum?

Jantscher: Grundsätzlich muss ich einige Sachen klarstellen. Ich habe das bereits mit FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler besprochen. In der Kommunikation sind einige Dinge verdreht worden. In den über zwei Jahren, die ich in Luzern gespielt habe, ist mir nie eine schriftliche Vertragsverlängerung vorgelegen, wie dies die Verantwortlichen in den Zeitungen gesagt hatten. Ich war es dann anschliessend, der sich in der Öffentlichkeit erklären und dafür hinstehen musste.

Hat Sie das im Umgang mit den FCL-Verantwortlichen sehr geärgert?

Jantscher: Ich kann nur sagen, dass ich mit Remo Gaugler und schon mit dessen Vorgängern immer einen respektvollen Umgang hatte. Mir ist einfach schleierhaft, wie immer wieder Dinge in die Medien kommen, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben. Zum Beispiel der offenbar schon perfekte Übertritt zu Austria Wien. Da war nichts dran. Mit Austria-Sportdirektor Franz Wohlfahrt habe ich fünf Jahre in der Nationalmannschaft gespielt. Er hätte sich direkt bei mir oder meinem Berater gemeldet, wenn er mich hätte verpflichten wollen.

Empfehlen Sie dem FC Luzern, die Kommunikation künftig zu verbessern?

Jantscher: Das kann ich nicht beurteilen. Aus meiner eigenen Sicht kann ich nur sagen, dass gewisse Dinge nicht richtig waren. Als ich vor einem Jahr das Angebot von YB aus Bern nicht angenommen hatte, hiess es, dass ich bei Luzern hätte verlängern können. Es gab aber gar kein schriftliches Angebot – wie jetzt auch nicht. Das sind Widersprüche. Trotzdem habe ich eine sehr schöne Zeit in Luzern erlebt, meine Familie hat sich in dieser tollen Umgebung sehr wohl gefühlt. Neben Sturm Graz ist der FCL mein zweiter Herzensklub. Mit dem FCL kann man viel erreichen. Das Stadion und das Publikum sind super. Sportlich konnte ich einigermassen überzeugen und den Leuten Freude bereiten.

Bei Trainer Markus Babbel waren Sie schon in der letzten Saison nicht mehr erste Wahl. Es würde nicht wundern, wenn Sie sich jetzt kritisch gegenüber dem Luzern-Coach äussern würden.

Jantscher: Gerade am letzten Wochenende habe ich ein längeres Gespräch mit Markus Babbel geführt. Ich glaube, dieser sehr gute Dialog war beiden sehr wichtig. Wir konnten einiges klären, einander die Sicht der Dinge darlegen. Wir sind stets respektvoll miteinander umgegangen, ich gab immer mein Bestes für Luzern. Weh tat mir, dass mich der Trainer nach dem 1:1 gegen Sassuolo als Schuldigen hinstellte, weil ich den Penalty schiessen wollte, den Markus Neumayr vergab.

Werden Sie von Ihrer Frau und der kleinen Tochter in die Türkei begleitet?

Jantscher: Selbstverständlich werden sie mit mir in Rize leben. Meine Frau freut sich auf das neue Land, sie ist wie ich sehr offen. Wenn das nicht der Fall wäre, hätte ich diesen Transfer nicht machen können. In Rize ist es grün, es hat Berge und die Stadt liegt am Schwarzen Meer. Das ist eine sehr schöne Gegend. Wir sind freudig gespannt auf ein neues Abenteuer und die neue Liga, in der ich mich beweisen will.

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