FUSSBALL: Klage gutgeheissen: YB kriegt viel Geld von Hakan Yakin

Hakan Yakin muss den Young Boys über 100 000 Franken zurückbezahlen. Dazu hat ihn ein Luzerner Gericht verdonnert.

Emanuel Thaler
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Hakan Yakin muss über 100'000 Franken zurückbezahlen. (Bild: Keystone)

Hakan Yakin muss über 100'000 Franken zurückbezahlen. (Bild: Keystone)

Der Rechtsstreit zwischen den Young Boys und Hakan Yakin betrifft die Provision an einen Spielervermittler und rührt aus der Zeit, in der der Ausnahmefussballer bei den Bernern unter Vertrag stand. Das Luzerner Arbeitsgericht hat den 36-Jährigen nun verurteilt, der BSC Young Boys Betriebs AG über 100 000 Franken zu bezahlen.

Die Berner hatten Yakin 2011 erst betrieben und schliesslich – nachdem Yakin den Ausstand immer noch nicht beglich – im Januar 2012 eingeklagt. Luzerner Gerichte sind für den Fall zuständig, weil Yakin seit seinem Engagement beim FC Luzern (Juli 2009 bis Ende 2011) in Meggen wohnt.

Metzger betreut Glamour-Boys

Eine wichtige Rolle im Fall spielt Giacomo Petralito. Der 63-jährige Aargauer hat italienische Wurzeln: Vater Vincenzo war Sizilianer und arbeitete in der Heimat als Schafhirt – bis er 1963 samt Familie in die Schweiz zog.

Petralito Juniors Schäfchen heissen Murat und Hakan. Seit über zehn Jahren betreut der gelernte Metzger die beiden Glamour-Boys des Schweizer Fussballs. Er stieg 1984 ins Fussballgeschäft ein. Einen Namen machte er sich nicht nur mit Millionentransfers, sondern auch mit Fusstritten gegen einen Zürcher Journalisten und mit besten Drähten zum früheren Juventus-Manager Luciano Moggi, der wegen Spielmanipulationen vom italienischen Fussballverband mittlerweile lebenslänglich gesperrt worden ist. Der schillernde Spielervermittler hat für die Yakins und viele andere Fussballspieler schon manch lukrativen Vertrag ausgehandelt.

Natürlich verdient der Berater mit: Sieben Prozent Provision nimmt Petralito für seine Dienste in Anspruch. So steht es im Vertrag zwischen YB und Hakan Yakin, der massgeblich von Petralito und dessen damaliger Agentur, die in Baar domizilierte 4sports, mitverhandelt worden ist. Der Zweijahresvertrag wurde im Juni 2005 geschlossen. Wie im Fussballgeschäft üblich, wurde Petralitos Provision direkt vom Club bezahlt.

Auf bessere Bezüge gedrängt

Nach einer Saison mit 20 Ligaspielen, sechs Toren und sieben Assists drängten Yakin und sein Berater bald auf bessere Bezüge. Am 8. Dezember 2006 wurde der Wunsch erfüllt: YB und Yakin verlängerten den Vertrag um zwei Jahre bis Juni 2010. Yakins Fixum wurde darin rückwirkend per Saisonstart um 100 000 Franken angehoben, allerdings hätte neu der Spieler – und nicht wie bisher YB – für Petralitos Provision aufkommen müssen.

Yakin dankte das Vertrauen mit guten Leistungen für die Berner, schoss Tore am Laufmeter und holte sich in der Saison 2007/08 mit 24 Treffern gar die Torjägerkrone. Den Sommer 2008 krönte er mit drei Toren für die Nationalmannschaft an der ansonsten wenig glorreichen Heim-EM. Sofort schickte sich Petralito an, die tolle Bilanz seines Schützlings zu versilbern. Dazu fädelte er einen Transfer nach Katar zu Al Gharafa ein – arabische Fussballclubs sind bekannt dafür, die sportliche Bedeutungslosigkeit mit umso mehr Geld aufzuwiegen. Der eigentlich noch zwei Jahre laufende Vertrag mit YB wurde per Ende Juni 2008 einvernehmlich aufgelöst.

Yakin bleibt Zeit für Berufung

Knapp sechs Monate nach Yakins Wechsel in die Wüste von Katar meldete sich 4sports wieder bei YB. Die Agentur stellte 103 345.60 Franken in Rechnung.

Erst legten die Berner nahe, 4sports solle sich an Yakin wenden, wie dies bei der Vertragsverlängerung 2006 zwischen Club und Spieler vereinbart worden ist. Doch 4sports pochte auf den ursprünglichen Vertrag und betrieb die Young Boys. Ende September 2010 lenkte die sportliche Führung der Young Boys ein und überwies den Betrag wie verlangt. Gleichzeitig versuchte YB, die Provisionszahlung bei Yakin einzutreiben. Ligainterne und gerichtliche Vermittlungsversuche blieben zwecklos, also verklagten die YB-Verantwortlichen ihren früheren Topskorer. Yakin machte geltend, er habe sich nur verpflichtet, gegenüber seinem Berater für die Provision gerade zu stehen. Zudem komme die Forderung von YB verspätet.

Das Arbeitsgericht wischte diese Einwände vom Tisch und entschied mit Urteil vom 21. Mai zu Gunsten der Berner. Nun schuldet ihnen Yakin 103 345.60 Franken plus fünf Prozent Zins seit November 2010. Dazu kommen Gerichtskosten von 7000 Franken, 13 284 Franken für die YB-Anwälte sowie unbekannte Kosten für den eigenen Rechtsbeistand. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Yakin bleiben rund 20 Tage für eine Berufung ans Luzerner Kantonsgericht.