FUSSBALL: «Konkurrenz ist der Leistungsregulator»

Für Luzern ist am Sonntag (13.45) Saisonstart gegen Lausanne. Carlos Bernegger fordert einen Heimsieg, er spricht über die Erwartungen und Alex Frei.

Interview Daniel Wyrsch
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FCL-Trainer Carlos Bernegger am Ufer des Vierwaldstättersees bei der Ufschötti Luzern. (Bild Pius Amrein)

FCL-Trainer Carlos Bernegger am Ufer des Vierwaldstättersees bei der Ufschötti Luzern. (Bild Pius Amrein)

Carlos Bernegger, kürzlich haben Sie mir Ihrer Familie (Ehefrau Veronica und den Kindern Kevin, 10, und Sofia, 6; Anm. der Red.) nach Luzern gezügelt. Haben Sie schon einen Lieblingsplatz gefunden?

Carlos Bernegger: Die Zeit ist bis jetzt zu kurz gewesen. Wir spazieren öfter am See entlang, es ist wirklich wunderschön in Luzern. Sicher werden wir bald Lieblingsorte in Luzern und in der Umgebung finden, es gibt hier ja so viele Möglichkeiten. Ich möchte zudem gerne die Ortschaft Entlebuch kennen lernen, von wo meine Grossmutter Carolina Portmann stammte. Wir trugen ja dort ein Testspiel aus. Ich war fasziniert von der Art dieser Leute, ihrer Beharrlichkeit und Hilfsbereitschaft, die man sofort spürte.

Sie selber kommen bei den Anhängern und den Menschen in der Region gut an. Zum einen wegen des Erfolgs – mit 20 Punkten aus 10 Spielen haben Sie den FCL souverän zum Ligaerhalt geführt –, zum anderen wegen Ihrer offenen Art. Wie nehmen Sie die Zuneigung der Leute an?

Bernegger: Das erhöht meine professionelle Auffassung und zugleich mein Verantwortungsbewusstsein. Es ist eine gegenseitige Sympathie, ich fühle mich sehr wohl an diesem Ort, ich kann meine berufliche Tätigkeit ausüben, wo uns alles zur Verfügung gestellt wird. Man geht seriös, bescheiden und nüchtern diesen Weg, und ich denke, diese Botschaft ist rübergekommen. Wir trainieren seriös, bescheiden, nüchtern, und diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen. Gleichzeitig, wenn die Unterstützung der Fans, der Zuschauer und der Leute in der Region kommt, dann gibt uns das noch mehr Mumm und Kraft.

Die Erwartungen sind eher bescheiden, Experten sprechen von Platz 5, Kubilay Türkyilmaz meint, Luzern drohe der Abstieg. Was sagen Sie dazu?

Bernegger: Ich nehme Spiel um Spiel, in jedem kann die Mannschaft drei Punkte gewinnen. Wir bereiten die Spieler auf diese Aufgabe vor, die Mannschaft ist im Vergleich zu den ersten zehn Spielen unter mir gefestigter. Äusserungen wie von Kubi, die dazugehören und aufgrund der heutigen Kommerzialisierung des Fussballs und der Gesellschaft gemacht werden, will ich nicht weiter kommentieren. Ich nehme es zur Kenntnis. Unsere Aufgabe ist es, täglich intensiv zu arbeiten, um im Match besser zu sein als der Gegner.

Mikari ist der bekannteste Zuzug, Bozanic spielte mal in England, Matri und Holz sind Spieler mit Perspektiven – mit Stars sind Sie nicht beschenkt worden. Wie gehen Sie damit um?

Bernegger: Wenn das Management in der Lage ist, den einen oder anderen Spieler zu holen, muss das finanziell machbar sein, und wir müssen den Zuzug benötigen. Er muss Perspektiven haben und den Konkurrenzkampf verschärfen. Mir ist wichtig, dass der Verein gesund ist. Das sollte die Leute hier stolz machen, denn anders als bei anderen Vereinen sind die Finanzen beim FCL im Lot. Ausserdem: Kein Star garantiert Erfolg. Ein Spieler zu verpflichten, ist einfach, aber ein Team zu formen, das bedeutet Zeit investieren.

Yassin Mikari kennen Sie aus Ihrer Zeit bei GC. Ist er einer Ihrer Wunschspieler?

Bernegger: Mir gefallen Spieler, die variabel sind. Er kann linker Aussenverteidiger oder links im Mittelfeld spielen. Er ist dynamisch, er beteiligt sich sehr aktiv an der Offensive, und zugleich ist er durch seine Erfahrung im Ausland robust geworden, er geht defensiv konsequent in den Bodycheck. Sein Zuzug bedeutet nicht, dass wir unzufrieden mit Claudio Lustenberger sind. Konkurrenz ist der Leistungsregulator im Team. Claudio könnte auch linker Innenverteidiger spielen. Wir besitzen nun mehr Varianten.

Daniel Gygax hat unter Ihnen 6 Liga-Tore erzielt, zuletzt waren es in 5 Testspielen 4 Treffer. Teilen Sie die Ansicht von Alex Frei, dass Gygax bei der Fortsetzung seiner Leistungen ein Mann für die WM in Brasilien wäre?

Bernegger: Dani ist erfahren genug, um zu wissen, wo er steht und was er in seiner Karriere noch erreichen kann. Ich denke, wichtig ist, dass er Spiel um Spiel nimmt und sich nicht ablenken lässt, dann ist alles möglich. Traum ohne Vision ist Zeitverlust, Vision ohne Aktion ist Zeit vergeuden. Wenn er diese Vision hat, an der WM zu spielen, muss er sie gleich in Aktion umsetzen, um zu den wichtigsten Spielern zu gehören.

Wie läuft eigentlich die Zusammenarbeit der Alphatiere Alex Frei und Carlos Bernegger?

Bernegger: Es besteht ein unglaublicher gegenseitiger Respekt. Jeder entscheidet in seinem Gebiet, in seiner Position. Wir beide sind ehrgeizig und im positiven Sinn hungrig. Wenn wir etwas diskutieren, geht es darum, besser zu werden, etwas zu entwickeln. Wir versuchen, unsere Kräfte zu konzentrieren und Missverständnisse zu vermeiden.

Haben Sie Respekt vor Lausanne?

Bernegger: Ein unangenehmer Gegner, der im Vorfeld als möglicher Absteiger genannt worden ist. Wir müssen unsere Spielidee durchsetzen, damit wir die drei Punkte holen können. Geduld ist gefordert und ein aggressives Denken, das uns erlaubt, schnell und richtig zu handeln.

Super League

1. Runde. Heute, 19.45: Basel - Aarau, Young Boys - Sion.

Sonntag, 13.45: Luzern - Lausanne, Zürich - Thun. – 16.00 (SRF 2): St. Gallen - Grasshoppers.