FUSSBALL: Lara Dickenmann: «Abschiede finde ich ganz furchtbar»

Lara Dickenmann (29) wechselt nach sieben erfolgreichen Jahren bei Olympique Lyon in die Bundesliga. Die Krienserin findet beim Champions-League-Sieger und aktuellen Tabellenzweiten VfL Wolfsburg eine neue Herausforderung.

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Will sich mit dem vierten Cupsieg aus Lyon verabschieden: die 29-jährige Lara Dickenmann aus Kriens. (Bild AP/Kirsty Wigglesworth)

Will sich mit dem vierten Cupsieg aus Lyon verabschieden: die 29-jährige Lara Dickenmann aus Kriens. (Bild AP/Kirsty Wigglesworth)

Interview Seraina Degen, Lyon

Lara Dickenmann, in letzter Zeit wurde viel über Ihre sportliche Zukunft spekuliert. Nun ist der Wechsel zu Wolfsburg offiziell.

Lara Dickenmann: Ich bin froh, dass der Wechsel perfekt ist. Ich bin kein Mensch, der gerne Geheimnisse hat. Immer wieder wurde mir die Frage nach meiner Zukunft gestellt, ich konnte sie nie beantworten auch, weil ich es lange selbst nicht wusste. Das war mir ehrlich gesagt zu kompliziert, und deshalb ist es gut, dass diese Frage nun endlich geklärt ist.

Warum gerade der VfL Wolfsburg?

Dickenmann: Nach sieben Jahren bei Lyon ist es an der Zeit für etwas Neues. Wenn ich vor meinem Karrierenende nicht nochmals gewechselt hätte, würde ich es wohl irgendwann bereuen. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, diese wollte ich unbedingt noch erleben.

Wolfsburg ist jener Verein, gegen den Sie im Final der Champions League 2013 in London eine bittere 0:1-Niederlage einstecken mussten.

Dickenmann: Ja, diese Niederlage war bitter, ist aber längst verdaut. Ich gehe also nicht nach Wolfsburg, um damit besser umgehen zu können, sondern weil Wolfsburg ein professioneller Club ist und ein sehr gutes Team hat. Zudem wollten sie mich unbedingt. Sie finden, ich passe gut in ihr System. Das hat mich beeindruckt.

Wie hat man in Lyon auf Ihren Wechsel reagiert?

Dickenmann: Die Verantwortlichen waren natürlich nicht erfreut und wollten mich behalten. Dass sie um mich gekämpft haben, hat mich gefreut. Ich fühle mich in Lyon immer noch sehr wohl. Ich habe dort alles, was ich brauche einen guten Trainer, super Mitspielerinnen, und auch finanziell passt alles. Daher hätte es keinen Grund für einen Wechsel gegeben. Aber ich spürte, dass ich eine Veränderung brauche.

In den letzten zwei Jahren kamen Sie bei Lyon vermehrt in der Defensive als Aussenverteidigerin zum Einsatz. Hat der Wechsel auch damit zu tun, dass Sie mit dieser Position unzufrieden waren?

Dickenmann: Vor zwei Jahren habe ich bei Lyon meinen Vertrag nochmals aus voller Überzeugung verlängert. Dass ich seither vermehrt in der Defensive zum Einsatz kam, war sicher nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Aber damit hat mein Wechsel nichts zu tun, auch wenn das jetzt wohl viele Leute glauben. Es hängt auch damit zusammen, dass wir mit Lyon zwar ständig Fortschritte erzielten, die meisten anderen Teams aber zunehmend nicht mehr mithalten konnten. 14:0 zu gewinnen ist zwar toll, aber ich freue mich nun darauf, wenn es in der Bundesliga wieder ein bisschen spannender zu- und hergehen wird.

Bei Lyon waren Sie Stammspielerin. Haben Sie nun Angst vor dem Konkurrenzkampf bei Wolfsburg?

Dickenmann: Nein, überhaupt nicht. Es ist ja logisch, dass es in einem starken und ausgeglichenen Team einen Konkurrenzkampf gibt. Ich habe meine Qualitäten und verfüge mittlerweile über genug Selbstvertrauen und Erfahrung, dass ich einem Top-Verein weiterhelfen kann. Wenn ich zu 100 Prozent fit bin, werde ich meinen Platz in diesem Team erkämpfen. Davon bin ich überzeugt. Dass ich mich möglichst schnell an den deutschen Spielstil anpasse, dafür bin ich selbst verantwortlich.

Inwiefern müssen Sie denn Ihren Spielstil anpassen?

Dickenmann: In der Bundesliga wird mehr Wert auf die physische Komponente gelegt als in Frankreich, wo primär der Ball und die Taktik im Vordergrund stehen. Ich muss mich also so schnell wie möglich an den physischen Spielstil anpassen.

Was sind Ihre Ziele mit Wolfsburg?

Dickenmann: Das sind dieselben wie mit Lyon auch. Ich möchte so viel als möglich spielen und immer gewinnen. Nochmals Champions-League-Siegerin zu werden, wäre natürlich ein schöner Bonus.

Mit Lyon sind Sie in der Champions League in dieser Saison bereits ausgeschieden. Es verbleiben noch zwei Meisterschaftsspiele sowie der Cupfinal Anfang Mai, ehe Sie Adieu sagen werden.

Dickenmann: Daran denke ich noch nicht, Abschiede finde ich ganz furchtbar. Lyon ist kein Ort, wo es einfach ist, wegzuziehen. Aber so ist der Fussball. Die vergangenen sieben Jahre habe ich nicht einfach an mir vorbeigehen lassen, ich habe jedes Spiel und jeden Moment genossen. Und das werde ich auch in den verbleibenden drei Partien nochmals tun. Es wäre schön, wenn ich mich mit dem vierten Cupsieg verabschieden könnte.

Nach dem Abschied aus Lyon starten Sie mit dem Nationalteam Mitte Mai in Magglingen direkt mit der WM-Vorbereitung. Danach geht es im Juni ans WM-Turnier nach Kanada. Wann ziehen Sie nach Wolfsburg?

Dickenmann: (lacht) Das ist alles noch ein bisschen unklar. Ich weiss lediglich, dass ich am 12. Mai meine Wohnung in Lyon räumen muss. Der VfL Wolfsburg ist jedoch gut organisiert und wird mir beim Umzug sicher behilflich sein.